Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Las Vegas hat den Solarstrom entdeckt.
bild: shutterstock

Kommentar

Du glaubst immer noch nicht an Wind- und Sonnenenergie? Die neuesten Entwicklungen sollten dich eines Besseren belehren!

In Texas ist Strom aus Windkraftwerken in der Nacht gratis. In Las Vegas setzen findige Geschäftsleute auf Sonnenenergie. Fossile Brennstoffe sind out. Zeit, dass wir das auch in der Schweiz merken.



Den Texanern kann man vieles nachsagen, aber sicher nicht, dass sie grüne Idealisten sind. Was für sie zählt, ist der Preis, den sie für die Energie bezahlen müssen – und deshalb setzen sie neuerdings auf Windkraft. Im windigen Texas ist der Strom aus dieser Quelle so billig geworden, dass er zwischen neun Uhr abends und sechs Uhr morgens gratis ist. Auf diese Weise versuchen die Stromunternehmen, im harten Wettbewerb ihre Kunden bei der Stange zu halten.

Wie Las Vegas auf den Solarstrom kam

Las Vegas ist nicht wirklich das Paradebeispiel einer nachhaltigen Modellstadt. Doch in den Quartieren des Spielerparadieses in der Wüste von Nevada wird die Energieversorgung auf den Kopf gestellt. Mehr als 7000 Häuser sind inzwischen mit Solarpanels ausgerüstet und produzieren ihre eigene Energie, die sie auch ins Stromnetz einspeisen können. Es werden täglich mehr.

«Technologie, Politik und Finanzen haben sich zusammengeschlossen und bilden heute den Mainstream. Sonnenenergie ist die am schnellsten wachsende Energiequelle der USA geworden.»

Financial Times

Im Energiebereich spielt sich eine stille Revolution ab, vor allem im Bereich der Sonnenenergie. Noch vor kurzem waren es Idealisten, die sich Solarpanels aufs Dach montieren liessen, heute sind es kühl kalkulierende Normalos. Es sind Menschen, die realisiert haben, dass sie auf diese Weise bis zu 25 Prozent auf ihrer Stromrechnung einsparen können.

Jede Generation von Solarpanels wird billiger

So wie es im IT-Bereich das sogenannte Moor’sche Gesetz gibt – die Anzahl der Transistoren auf einem Chip verdoppeln sich rund alle zwei Jahre – gibt es in der Solarenergie das Swanson’sche Gesetz, genannt nach Richard Swanson, dem Gründer von Sun Power, dem grössten amerikanischen Solarunternehmen. Es besagt, dass jede neue Solarpanel-Generation 20 Prozent billiger ist als die vorangegangene.

Bild

Gratis-Strom dank Windrädern in Texas.
bild: Shutterstock.

Diese Entwicklung lässt sich seit 1985 beobachten. Damals befand sich der Preis für Solarstrom noch in astronomischen Höhen und niemand konnte sich vorstellen, dass diese Energieform jemals massentauglich würde. Heute hat sich die Situation fundamental geändert. Der Grund heisst China. Die Chinesen sind im grossen Stil ins Geschäft mit Solarzellen eingestiegen. 2004 lag die Produktion noch bei 50 Megawatt, 2012 ist sie auf 23'000 Megawatt geklettert.

Der Musterknabe ging Pleite

Wenn die Chinesen nicht in ihrer eigenen Dreckluft ersticken wollen, dann müssen sie auf Sonnenenergie setzen, und sie tun es auch im grossen Stil. Nach einer kurzen, aber heftigen Marktkorrektur nimmt der Export von chinesischen Solarzellen wieder Fahrt auf. Die Preise fallen weiter. «Der Geist ist aus der Flasche», schreibt die «Financial Times». «Selbst ohne Subventionen ist Sonnenenergie wettbewerbsfähig geworden mit der fossilen Energie.»  

President Barack Obama, accompanied by Solyndra Chief Executive Officer Chris Gronet, left, and Executive Vice President Ben Bierman, right, tours Solyndra, Inc., a solar panel manufacturing facility, in Fremont, Calif. Wednesday, May 26, 2010. (AP Photo/Alex Brandon)

Präsident Barack Obama beim Besuch im ehemaligen Vorzeigeunternehmen Solyndra.
Bild: AP

Nichts zeigt den Wandel in der nachhaltigen Energieszene besser auf als Solyndra. Die Firma war einst ein Musterbetrieb und erklärter Liebling von US-Präsident Barack Obama. Sie wurde – begleitet von Häme und Schadenfreude von Klimaerwärmungsleugnern und konservativen Republikanern – ein frühes Opfer der chinesischen Solaroffensive und ging Pleite.  

Elon Musk, Chairman of SolarCity and CEO of Tesla Motors, speaks at SolarCityÕs Inside Energy Summit in Manhattan, New York October 2, 2015. SolarCity on Friday said it had built a solar panel that is the most efficient in the industry at transforming sunlight into electricity.    REUTERS/Rashid Umar Abbasi

Setzt auf Solarenergie: Tesla-Gründer Elon Musk
Bild: STRINGER/REUTERS

Ingenieurs-Genie und Unternehmergeist paaren sich

Heute arbeiten in den ehemaligen Hallen von Solyndra die Angestellten von Solar City. Dieses Unternehmen wurde von Lyndon Rive gegründet, einem Cousin von Elon Musk. Der legendäre CEO von Tesla und SpaceX ist der grösste Investor von Solar City und gleichzeitig Verwaltungsratspräsident. Nichts repräsentiert den neuen Geist der Energierevolution besser als Solar City: Ingenieurs-Genie paart sich mit Unternehmergeist und hat Erfolg.

«Das fossile Zeitalter muss zu Ende gehen, wenn unsere Lebensgrundlage erhalten bleiben soll.»

Thomas Sauter-Servaes, «Tages-Anzeiger»

Die fossile Energie hingegen muss einen Rückschlag nach dem anderen verkraften. Der VW-Skandal hat den Traum von einem sauberen Dieselmotor endgültig als Illusion enttarnt. Exxon muss sich neuerdings vor einem Gericht verantworten, weil es angeblich schon lange bekannte wissenschaftliche Fakten über den Zusammenhang von CO2 und Treibhauseffekt unterschlagen hat. Präsident Barack Obama hat derweil endgültig beschlossen, die Pipline XL Keystone nicht zu erlauben, sehr zur Erleichterung des neu gewählten kanadischen Premierministers Justin Trudeau.  

Die Zeichen an der Wand sind überdeutlich geworden. Thomas Sauter-Servaes von der ZHAW School of Engineering bringt es in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» auf den Punkt: «Das fossile Zeitalter muss zu Ende gehen, wenn unsere Lebensgrundlage erhalten bleiben soll.»

Sonnen- und Windenergie

Wie billiges Öl, Gas und Kupfer die Welt auf den Kopf stellen

Link zum Artikel

Danke VW! Dein Skandal hat (vielleicht) die Welt gerettet

Link zum Artikel

Ein merkwürdiger «Tagi»-Artikel ändert nichts daran: Der Tesla ist eine gute Sache

Link zum Artikel

Rebellisch oder stockkonservativ: Wie wirst du im digitalen Zeitalter altern?

Link zum Artikel

Eine wahrhaft liberale Marktwirtschaft: «Wenn Kooperation, Respekt und Grosszügigkeit belohnt werden, ist eine ethische Wirtschaftsordnung möglich»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Vergiftete Böden und Kinderarbeit – was sich Schweizer Firmen im Ausland alles erlauben

Am 29. November stimmt die Schweiz über die Konzern-Initiative ab. Sie soll Schweizer Unternehmen bei Rechtsverstössen im Ausland stärker haftbar machen. Höchste Zeit also, um sich ein paar Beispiele von bis jetzt ungeahndeten Menschenrechts- und Umweltvergehen anzusehen.

Nach der Abstimmung ist vor der Abstimmung: Bereits am 29. November kann das Schweizer Stimmvolk erneut wählen gehen. Zum Beispiel über die Konzernverantwortungsintiative. Diese fordert, dass globale Konzerne mit Sitz in der Schweiz einem zwingenden Regelwerk unterstellt sind, wenn es um die Beachtung von Menschenrechten und Umweltschutz bei ihren weltweiten Tätigkeiten geht.

Oder einfach gesagt: Schweizer Unternehmen und ihre Tochterfirmen könnten für ihre Tätigkeiten im Ausland rechtlich …

Artikel lesen
Link zum Artikel