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Easyjet kündigte an, umgerechnet rund 30 Millionen Euro zur Kompensation aller Flüge auszugeben.
Easyjet kündigte an, umgerechnet rund 30 Millionen Euro zur Kompensation aller Flüge auszugeben.
Bild: EPA/KEYSTONE

So viel Prozent des Gewinns müssten Airlines zur eigenen CO2-Kompensation ausgeben

Die Airlines Europas sehen sich zu Unrecht als Klimasünder an den Pranger gestellt – und bangen immer mehr um ihre Geschäftsgrundlage.
24.11.2019, 11:2524.11.2019, 14:43

Fast einen ganzen Tag lang beschäftigte der Klimaschutz in dieser Woche die Europa-Konferenz des internationalen Luftfahrtverbandes IATA in Berlin. Dabei mangelte es nicht an Bekenntnissen zu CO2-neutralem Luftverkehr. Doch die Branche fordert dafür mehr Unterstützung von der deutschen Regierung und der EU.

«Nicht das Fliegen ist der Feind, CO2 ist der Feind», betonte etwa IATA-Generaldirektor Alexandre de Juniac. Lufthansa-Chef Carsten Spohr, derzeit Vorsitzender des IATA-Lenkungsgremiums, beklagte, die Branche habe sich in den vergangenen Monaten zu sehr in die Defensive drängen lassen. Seit Jahren sei es nicht gelungen, herüberzubringen, wie sehr sich die Airlines schon um die Reduktion des Klimagases beim Fliegen bemühten.

«Nicht das Fliegen ist der Feind, CO2 ist der Feind.»
Alexandre de Juniac, IATA-Generaldirektor

Schliesslich habe sich der CO2-Ausstoss pro Passagier in den letzten 30 Jahren allein schon durch die Anschaffung verbrauchsärmerer Flugzeuge fast halbiert. Spohr erinnerte daran, wie wichtig der Luftverkehr für die globale Wirtschaft als Transportmittel von Menschen und Gütern sei: «Wir vom Luftverkehr sind die Guten der Globalisierung», schwor er die versammelten Branchenvertreter auf einen Abwehrkampf ein.

CO2-Ziele wackeln

Doch die Airlines haben nicht nur ein Imageproblem. «Wir haben schon vor der jetzt heftigen Diskussion hart daran gearbeitet, dass wir eines Tages CO2-neutral sind», erklärte Martin Gauss, Chef der lettischen Fluggesellschaft Air Baltic. «Der öffentliche Druck, der jetzt entsteht, fordert, wir müssten das morgen machen – und das geht technologisch nicht.»

Alexandre de Juniac (rechts) CEO der IATA an einer Konferenz in Genf.
Alexandre de Juniac (rechts) CEO der IATA an einer Konferenz in Genf.
Bild: KEYSTONE

Die Branche hat sich schon vor einigen Jahren vorgenommen, bis 2050 die Emissionen auf die Hälfte des Niveaus von 2005 zu senken. Sie nimmt ausserdem am europäischen CO2-Emissionshandel teil, was ebenfalls den Ausstoss dämpfen soll. Ihr Erfolg – stetiges, durch Preiskampf angeheiztes Wachstum des Flugverkehrs – erschwert das Erreichen der Ziele. Nach Prognose der IATA wird sich der globale Luftverkehr in den nächsten zwei Jahrzehnten verdoppeln.

«Der öffentliche Druck, der jetzt entsteht, fordert, wir müssten das morgen machen – und das geht technologisch nicht.»
Martin Gauss, CEO Air Baltic

Und nicht nur öffentliche Proteste setzen die Unternehmen unter Druck. Auch ihre Investoren fragen immer schärfer, was sie zur Klimaneutralität unternehmen, um ein härteres Durchgreifen der Gesetzgeber zu vermeiden. «Die Industrie ist mit vielen Gesprächen darüber mit der Finanzcommunity konfrontiert», erklärte IATA-Chefökonom Brian Pierce.

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Huhn-Ei-Problem mit Ökosprit

Doch der Weg zum CO2-neutralen Fliegen ist noch weit. Neben der Erneuerung der Flotte sollen Programme zur CO2-Kompensation einen Beitrag bringen. Dabei bezahlen die Passagiere oder die Airlines selbst Geld, mit dem dann eine CO2-Reduktion durch andere Projekte – wie Aufforstung oder der Austausch von Kohleöfen in Entwicklungsländern – finanziert wird.

30 Millionen zur Kompensation

Um ihre CO2-Emissionen komplett zu kompensieren, müssten die sechs grössten Airlines in Europa nach einer Berechnung von Bernstein Research 15 Prozent ihres Gewinns oder rund eine Milliarde Euro ausgeben. Eine von ihnen – Easyjet - kündigte jetzt an, umgerechnet rund 30 Millionen Euro zur Kompensation aller Flüge auszugeben.

Auch die Lufthansa will den Obulus zum Klimaschutz fördern, indem die Option prominenter beim Buchen vorgeschlagen wird. Denn bisher zahlen weniger als ein Prozent der Kunden den Beitrag. Mit dem von vielen UNO-Staaten beschlossenen System «CORSIA» soll der Mechanismus ab 2021 global eingeführt werden.

15 Prozent des Gewinns müssten die verschiedenen Airlines zur CO2-Kompensation ausgeben.
15 Prozent des Gewinns müssten die verschiedenen Airlines zur CO2-Kompensation ausgeben.
Bild: KEYSTONE

Da elektrisches, emissionsfreies Fliegen von schweren Jets als ganz ferne Zukunftsmusik gilt, wäre der grösste Hebel der Umstieg auf synthetische oder regenerative Kraftstoffe. Damit liessen sich die Emissionen um 80 bis 90 Prozent verringern. Doch bisher wird der Ökotreibstoff kaum produziert, weil er fünf Mal so viel kostet wie Kerosin.

Und er wird nicht billiger, so lange die Nachfrage nicht gross genug ist. Um dieses Huhn-Ei-Problem zu lösen, hatten Unternehmen, Bund und Länder auf einem Luftfahrtgipfel im Herbst in Leipzig vereinbart, einen Fahrplan zu erarbeiten. Das Ziel ist, die Herstellung von CO2-bindendem Kraftstoff aus Strom (Power-to-Liquid) in industriellem Massstab aufzubauen.

Einheitlicher Luftraum als Ziel

Die deutsche Regierung will sich jetzt für eine europaweite Besteuerung einsetzen, damit die in Deutschland startenden Airlines – vor allem die Lufthansa – nicht benachteiligt werden.

Zudem hat sich Berlin vorgenommen, unter seiner EU-Ratspräsidentschaft in der zweiten Hälfte nächsten Jahres ein dickes Brett zu bohren: den «Single European Sky» endlich in die Tat umzusetzen, nachdem das seit Inkrafttreten vor 15 Jahren nicht gelang. Kern des Projekts ist eine Reform der Flugsicherung, durch die es möglich wäre, in Europa auf dem kürzesten Weg von A nach B zu fliegen und Verspätungen zu vermeiden.

Das alleine würde nach Einschätzung der Airlines zehn Prozent CO2-Emissionen durch geringeren Kerosinverbrauch bringen. Gespannt warten sie jetzt, ob die neue EU-Kommission unter ihrer Präsidentin Ursula von der Leyen diese Themen in den versprochenen «Green Deal» für Europa mit aufnimmt. (sda/awp/reu)

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