Schweiz
Schule - Bildung

Die FDP will die Volksschule umbauen – so sieht der Plan aus

Jonas Projer, neuer FDP-Generalsekretaer an der Delegiertenversammlung der FDP in Moeriken-Wildegg am Samstag, 17. Juni 2024. (KEYSTONE/Walter Bieri )
Jonas Projer: Neuer FDP-Generalsekretär an der Delegiertenversammlung in Möriken-Wildegg.Bild: keystone

Die FDP will die Volksschule umbauen – so sieht der Plan aus

22.06.2024, 14:2022.06.2024, 14:31

Die Volksschule soll die Grundkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen vermitteln. Die integrative Schule erreicht diese Ziele nach Ansicht der Partei nicht. Das Erlernen der lokalen Erstsprache soll Priorität haben. Die Noten sollen bleiben.

«Volksschule am Anschlag: Zurück zum Bildungsauftrag»: So lautet der Titel des Positionspapiers der FDP, das die Delegiertenversammlung am Samstag in Möriken AG mit 249 Ja- zu 4 Nein-Stimmen bei 7 Enthaltungen verabschiedete. Die Versammlung behandelte zwei Dutzend Änderungsanträge, die mehrheitlich abgelehnt wurden.

Das Thema beschäftige die Menschen, sagte Parteipräsident Thierry Burkart: «Die Gesellschaft hat darauf gewartet, dass wir darüber diskutieren.» Die FDP tue gut daran, klare Positionen zu beziehen.

Parteipraesident Thierry Burkart an der FDP-Delegiertenversammlung in Moeriken-Wildegg am Samstag, 17. Juni 2024. (KEYSTONE/Walter Bieri )
Wurde an der DV deutlich wiedergewählt: Thierry Burkart.Bild: keystone

Erstsprache wichtiger als Fremdsprache

So soll in der Unterstufe das Erlernen der lokalen Erstsprache im Vordergrund stehen. Erst danach sollen die Schülerinnen und Schüler eine Zweit- oder Fremdsprache lernen müssen, heisst es im Papier. In diesem Punkt schwächten die Delegierten die Strategie ab: Zunächst hiess es im Papier, dass das Frühfranzösisch und das Frühenglisch aus dem Stundenplan gestrichen werden sollen.

Abschaffen möchte die FDP jedoch die integrative Schule. Vorhandene Schwächen bei den Schülerinnen und Schüler müssten gezielt und individuell gefördert werden. Die künstliche und sehr «teure Gleichmacherei» in Form einer ausnahmslosen Integration nütze niemandem und untergrabe die Chancengleichheit.

Unterrichtssprache verstehen

Fremdsprachige Kinder sollen nach Ansicht der Partei vor dem Eintritt in die Volksschule konsequent die lokale Sprache erlernen. Auch Sonderklassen, die sich zunächst auf den Spracherwerb konzentrierten, seien zu prüfen. Die Unterrichtssprache zu verstehen, sei eine zwingende Voraussetzung für die Chancengleichheit.

Die FDP spricht sich im Papier weiter gegen «ideologisch motivierte Versuche» aus, die Schulnoten abzuschaffen. Das Leistungsprinzip sei wichtig für die Entwicklung der Belastbarkeit der Kinder. Keinen Platz haben laut FDP ideologische und woke Lehrmittel. Die Unterrichtsstoffe müssten möglichst neutral vermittelt werden.

Gegen Bildungsbürokratie

Das Positionspapier listet 17 Handlungsfelder auf. So soll es in der Volksschule weniger Formulare und mehr Unterricht geben. Auch bei den Lehrpersonen müsse sich Leistung lohnen, heisst es. Die Bildungsbürokraten müssten gestoppt werden, dafür sollten die Lehr- und Fachpersonen gestärkt werden.

Im Papier wird mehr Respekt im Schulzimmer gefordert. Auf der Primarschulstufe müssten Smartphones aus dem Unterricht verbannt werden. Beim Einsatz von digitalen Hilfsmitteln in der Schule sollten die Chancen genutzt und die Risiken erkannt werden. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Von wegen, Kinderbücher ... wohl eher FSK 18 😅
1 / 38
Von wegen, Kinderbücher ... wohl eher FSK 18 😅
Bild: imgur
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Unsere Romands sollen Schweizerdeutsch sprechen – na dann, bonne chance!
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
199 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
El_Chorche
22.06.2024 14:52registriert März 2021
Ja, man sollte die Volksschule reformieren, aber nein, das sollte nicht die FDP machen.
13314
Melden
Zum Kommentar
avatar
MeinSenf
22.06.2024 15:06registriert April 2016
Ich hoffe aber, dass sich diese "wir sparen Geld bei öffentlichen Institutionen"-Partei bewusst ist, dass das nicht billig wird? Kleinere Klassen, Spezialförderung, Ausbau von Deutsch fur Fremdsprachige und so...
365
Melden
Zum Kommentar
avatar
Nick Name
22.06.2024 15:04registriert Juli 2014
Schon allein wegen dem
«Die FDP spricht sich im Papier weiter gegen «ideologisch motivierte Versuche» aus, die Schulnoten abzuschaffen. Das Leistungsprinzip sei wichtig für die Entwicklung der Belastbarkeit der Kinder. Keinen Platz haben laut FDP ideologische und woke Lehrmittel. Die Unterrichtsstoffe müssten möglichst neutral vermittelt werden.»
kann der Themensetzungsversuch der Pro-Reiche-Partei nicht ernst genommen werden.
Wer so wenig Ahnung hat von der Materie und offensichtlich vor allem auf Stimmenfang aus ist, sollte sich informieren vom dem sehr laut Vorschläge-Machen.
324
Melden
Zum Kommentar
199
Verbrechen gegen die Menschlichkeit: Wie die Schweiz Jenische und Sinti verfolgte
Am ersten Tag der Sondersession soll nach dem Bundesrat nun auch der Nationalrat die Verfolgung von Jenischen und Sinti in der Schweiz als Verbrechen gegen die Menschlichkeit benennen. So will es die Rechtskommission des Nationalrats. Auf wohlwollende Worte sollen nun Taten folgen, fordert Willi Wottreng von der Radgenossenschaft der Landstrasse.
Gestützt auf ein Rechtsgutachten verkündete der Bundesrat im Februar letzten Jahres, dass die Verbrechen an Jenischen und Sinti in der Schweiz im Kontext des «Hilfswerk Kinder der Landstrasse» als Verbrechen gegen die Menschlichkeit einzustufen sind. Nun soll am Montag auf Antrag der Rechtskommission des Nationalrats hin eine solche Erklärung ebenfalls im Parlament erfolgen.
Zur Story