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«Als Wissenschafter tötet man Tiere nicht aus Spass, sondern nur dann, wenn es für den Forschungszweck nicht anders geht», sagt ETH-Professor Manfred Kopf. Bild: shutterstock

Tierversuchsverbots-Initiative: Warum sich selbst Tierschützer dagegenstemmen

Während Forschern die Regeln bereits zu streng sind, streben Tierschützer ein vollständiges Versuchsverbot an.

DOMINIC WIRTH / ch media



124'000 Unterschriften gegen Tierversuche: Das ist laut ihren Angaben die Ausbeute einer Gruppe von Tierschützern. Heute reichen sie in Bern ihre Tierversuchsverbots-Initiative ein. Die verfolgt ein grosses Ziel: Das Verbot von Tier-, aber auch Menschenversuchen. Und damit nicht genug. Selbst die Einfuhr jeglicher Produkte, für die Tierversuche durchgeführt wurden, soll unterbunden werden.

Heinz Lienhard mit Huendin

Heinz Lienhard Bild: KEYSTONE

«Das Tier ist nicht dazu da, uns Menschen für Versuche zu dienen», sagt Renato Werndli, Co-Präsident des Initiativkomitees. Die Initiative dürfte es schwer haben, weil sie sehr weit geht. Selbst in Tierschutzkreisen wird sie kritisch beäugt. Dem Schweizer Tierschutz (STS) etwa ist sie laut Präsident Heinz Lienhard «zu radikal».

Ein Ja liegt in weiter Ferne für die Initianten. Doch sie befeuern mit ihren Anliegen eine emotionale Debatte, die sich um eine grosse Frage dreht: Darf der Mensch Tieren Leid zufügen, um seine eigene Gesundheit, sein eigenes Leben zu verbessern?

In der Schweiz, dem Land der Pharmaindustrie und der Forschung, kommt ihr besonderes Gewicht zu. Denn nach wie vor werden jedes Jahr Hunderttausende Tiere für Versuche eingesetzt. 2017 waren es rund 615'000. Und das trotz des auch gesetzlich klar verankerten Ziels, Tierversuche nur dann durchzuführen, wenn es nicht anders geht. Wie weiter also?

Ärger über Bewilligungs-Bürokratie

Die ETH Zürich ist der Leuchtturm des Forschungsplatzes. Hoch über der Stadt, auf dem Hönggerberg, wuseln Studenten über den modernen Campus mit seinen zweckmässige Flachdachbauten. In einer von ihnen sitzt Professor Manfred Kopf in seinem Büro. Kopf ist ein energischer Mann mit verschmitztem Lächeln. Doch wenn man mit ihm über das Thema Tierversuche spricht, verdüstert sich seine Laune. Kopf erforscht das Immunsystem. Ihn interessiert vor allem, wie chronische Entzündungserkrankungen – etwa Asthma, Atherosklerose oder Schuppenflechte – entstehen. Er will sie verstehen. Und mit seinem Wissen mithelfen bei der Entwicklung von Wirkstoffen, die diese Erkrankungen lindern oder gar heilen können.

Kopf tut das seit den 1990er-Jahren in der Schweiz und seit 18 Jahren an der ETH, doch er sagt, dass das Forschen hierzulande immer komplizierter werde. Für seine Arbeit ist Kopf auf Versuche mit Mäusen angewiesen. «Es ist heute viel schwieriger als früher, für diese Versuche eine Bewilligung zu erhalten», sagt der Deutsche. Er spricht von einem immer grösseren bürokratischen Aufwand und längeren Wartefristen, ausgelöst durch strengere Vorschriften des Bundes und deren Auslegung durch die kantonalen Behörden.

Dabei töte man als Wissenschafter Tiere nicht aus Spass, sondern nur dann, wenn es für den Forschungszweck nicht anders gehe. Alles andere, sagt Kopf, sei schon aus wirtschaftlicher Sicht «idiotisch». Denn die Tierhaltung ist sehr teuer. Letzten Endes steht in den Augen des Professors die Attraktivität des Forschungsplatzes auf dem Spiel, zumal das Umfeld «hochkompetitiv» sei und die Regeln für die Konkurrenten etwa in Asien oder den USA weniger streng.

Luzerner Psychiatrie testete Medikamente an Patienten:

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Video: srf

Bund verteidigt Verschärfungen

Das Schweizer Tierschutzgesetz steht im Ruf, eines der strengsten der Welt zu sein. Tierversuche werden nur dann bewilligt, wenn die Forscher nachweisen können, dass sie unumgänglich sind. Geprüft werden die Gesuche von den kantonalen Tierversuchskommissionen. Und die werden nicht nur von Forschern kritisiert. Sondern auch von den Tierschützern.

So hat sich der Schweizerische Tierschutz ganz aus ihnen zurückgezogen. Man wolle nicht als «Feigenblatt» in Kommissionen dienen, in denen Forschung und Pharmaindustrie deutlich in der Überzahl seien, sagt STS-Präsident Heinz Lienhard. Über die Kommissionen ärgern sich also beide Seiten – ein weiteres Beispiel dafür, wie emotional die Tierversuchs-Debatte geführt wird.

Wie reagiert das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) auf die Kritik aus der Wissenschaft? Kaspar Jörger ist Leiter Tierschutz beim BLV. «Wenn es neue Erkenntnisse gibt, etwa bezüglich der Schmerzen, die ein Versuch beim Tier verursacht, dann fliesst das natürlich in unsere Richtlinien ein», sagt Jörger. Er räumt ein, dass die Verschärfungen einen «administrativen Mehraufwand» bedeuten können.

Dafür biete die Schweiz Forschern im Gegensatz zu anderen Ländern aber klare Regeln und damit eine hohe Rechtssicherheit. «Die Schweiz ist nach wie vor ein guter Forschungsstandort. Wer woanders bessere Voraussetzungen findet, dem steht es natürlich frei, dorthin zu gehen», sagt Jörger.

Maya Graf, Co-Praesidentin alliance F und Nationalraetin GPS-BL, spricht an einer Medienkonferenz der Frauendachverbaende fuer die Rentenreform, am Donnerstag, 29. Juni 2017 im Medienzentrum des Bundeshauses in Bern. (KEYSTONE/Thomas Delley)

Maya Graf Bild: KEYSTONE

Der Ton ist giftig in der Tierversuchs-Debatte. Auch Maya Graf echauffiert sich über den Aufschrei aus der Wissenschaft. Die grüne Nationalrätin kämpft im Bundeshaus seit Jahren dafür, dass die Zahl der Tierversuche reduziert wird. Derzeit ist eine parlamentarische Initiative von ihr hängig, mit der sie Versuche mit dem höchsten Belastungsgrad verbieten will.

Die Baselbieterin ärgert sich darüber, dass über den Nationalfonds Steuergelder in Forschungsprojekte fliessen, in deren Rahmen auch Tierversuche durchgeführt werden. 2015 waren es 104,5 Millionen Franken für insgesamt 555 Projekte. Graf fordert, dass der Bund «endlich viel mehr Geld» an einen anderen Ort fliessen lassen sollte: die 3R-Forschung. «Sie ist die Zukunft», sagt Graf.

Blick in die pompoese Vorhalle der neuen FHNW, forografiert am Montag, 22. Oktober 2018, anlaesslich der Medienorientierung ueber die feierliche Eroeffung des FHNW Campus in Muttenz, Basellandschaft. (KEYSTONE/Patrick Straub)

Fachhochschule Nordwestschweiz in Muttenz Bild: KEYSTONE

Die Zukunft, das ist etwa in Muttenz im Kanton Baselland. Hoch ragt dort der Neubau der Fachhochschule Nordwestschweiz in die Höhe. Im Inneren gibt es zwölf Stockwerke und hohe Räume; vom Dachgarten aus sieht man auf den nahen Turm des Pharma-Riesen Roche. Im Labor der Hochschule für Life Sciences, sechster Stock, sind die weissen Kittel Pflicht. Laura Suter-Dick steht dort neben einem CO2- Inkubator. Er sieht ein wenig aus wie ein Kühlschrank, und in seinem Innern brüten Zellkulturen, mit deren Hilfe Professorin Suter-Dick ein grosses Ziel verfolgt: die tierversuchsfreie Forschung.

Mini-Lebern statt solche von Mäusen

Suter-Dick baut mit ihrem Team Gewebe nach, Mini-Lebern etwa, und «macht sie krank», wie sie es formuliert. Zum Beispiel mit Leberfibrose, einer Krankheit, mit der Alkoholiker oft zu kämpfen haben. An diesen Geweben kann man testen, ob Wirkstoffe Symptome lindern oder gar eine Heilung herbeiführen. «Früher», sagt die Professorin, «hätten wir dafür Mäuse gebraucht. Heute ist das in einer ersten Phase nicht mehr nötig». Viele Wirkstoffe können anhand der Mini-Lebern nun bereits ausgeschlossen werden, bevor in der Endphase ein Tierversuch notwendig wird. Suter-Dick schätzt, dass statt 100 Mäusen so nur noch 3 eingesetzt werden müssen.

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Laura Suter-Dick Bild: screenshot twitter/MIMETAS_3D

Die Toxikologin fokussiert ihre Forschung darauf, einen Ersatz für Tierversuche zu finden, oder auf Englisch: replace. Es steht für eines der drei R, denen sich die 3R-Forschung widmet: Refine – Tierversuche zu verfeinern – und reduce – die Zahl der Tierversuche zu reduzieren – sind die anderen. Seit 2018 fördern Bund, Industrie und die Hochschulen die 3R-Forschung mit einem eigens eingerichteten Kompetenzzentrum, das jährlich über ein Budget von 2,8 Millionen Franken verfügt. Chantra Eskes, die Direktorin des Zentrums, sagt, man wolle Forschungsvorhaben im 3R-Bereich finanzieren, aber auch dazu beitragen, dass kommende Forschergenerationen schon früher sensibilisiert werden dafür, dass es neben den Tierversuchen «auch andere Möglichkeiten gibt»

Die Hoffnungen in die 3R-Forschung sind gross, gerade auch in Tierschutzkreisen. Sind Ersatzmethoden das Allheilmittel, das jede Diskussion über Tierversuche schon bald überflüssig macht? Chantra Eskes sagt, bei Tests von Substanzen mit örtlich begrenzten Wirkungen, etwa bei Hautirritationen, sei schon vieles möglich. Schwieriger wird es beim Untersuchen von komplexeren, systemischen Krankheiten und Wirkungen. Solche, wie ETH-Professor Manfred Kopf sie erforscht. «Ich muss wissen, was im Organismus passiert. Ich sehe nicht, wie sie sich das durch die 3R-Methoden ersetzen lässt», sagt er. (aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Kleine Hexe 18.03.2019 14:45
    Highlight Highlight Ich bin wirklich kein Fan von invasiven Tierversuchen, aber ein komplettes Verbot ist völlig utopisch. Dass Medikamente nur nach Tier- und Menschenversuchen zugelassen werden können, wurde hier ja schon ausführlich erwähnt. Aber auch bei neuen Chemikalien wird die Unbedenklichkeit an Tieren getestet. Zudem ist auch jegliches Manipulieren von Wildtieren (z.B. Besendern) ein Tierversuch und muss bewilligt werden.
    Mit einem kompletten Verbot fährt man den Forschungsstandort Schweiz und die Wirtschaft mit Vollgas gegen die Wand.
    Tierschutz ja, gerne. Aber bitte ohne Tunnelblick.
  • De Pumuggel 18.03.2019 12:56
    Highlight Highlight Durch das Verbot der Tierversuche, würde automatisch mehr Geld in die 3R-Forschung fliessen und diese vorantreiben. Es muess etwas geändert werden, dass der Bund die Weichen endlich neu stellt.
    • Bosshard Matthias 19.03.2019 07:45
      Highlight Highlight Das einzige was sicher passiert ist das automatische Abwandern der Forschung in Länder wo es keine Vorschriften gibt und nichts aber rein gar nichts kontrolliert wird. Mit Vernunft statt Fanatismus bringt das also weit mehr unter dem Strich.

  • SirRichardCarsharing 18.03.2019 11:32
    Highlight Highlight JEDES neue Medikament durchläuft präklinische Tests and Tieren und dann drei Phasen klinische Tests an Menschen. Erst nach diesen langjährigen Versuchen darf ein Medikament überhaupt zugelassen werden. Da die Initiative beides, Tier- und Menschenversuche (klinische Studien sind nichts anderes als das) verbieten will, bekämen wir in der Schweiz kein einziges neues Medikament mehr. Ich frage mich ob das den Initianten bewusst ist...
    • Lioness 18.03.2019 12:17
      Highlight Highlight Ich befürchte: Ja. Wahrsch. setzen die Beführworter auf Homöopathie, die werden nicht getestet. Wo kein Wirkstoff, da auch keine Tests. Nur kann man halt vieles mit Placebos alleine nicht heilen.
    • Lörrlee 18.03.2019 16:39
      Highlight Highlight Ich hab einen Lösungsvorschlag:
      Die Initianten wollen kein Leid durch Experimente. Wenn sie an Homöopathie glauben, glauben die sicher auch an Hypnose und dass damit jeglicher Schmerz unterbunden werden kann. Initianten dürfen unter Hypnose neue Medis testen und voila, niemand wird je wieder wegen medizinischen Versuchen leiden müssen, weder Mensch noch Tier.

      Nein, im Ernst, die Initianten denken hier einfach zu kurzsichtig... Dass Tiere nicht leiden sollen, befürworte ich, aber Tierversuche kommen je nachdem sowohl Mensch als auch Tier zu Gute.
  • Lioness 18.03.2019 11:16
    Highlight Highlight Die Schweiz hat das strengste Tierschutzgesetz bezüglich Versuchstieren! Wieso hat Novartis ganze Abteilungen (dass sind die Massenentlassungen) geschlossen, welche mit Tierversuchen zu tun hatten? Sie haben die Tierversuche ins Ausland verlegt. Mit weniger Aufwand mehr Nutzen. Ich finde das persönlich nicht gut. Das wird aber genau die Entwicklung sein. Novartis, etc. machen dann im Ausland immer noch Geld. Und wir in der CH bleiben dann als einzige mit 2019 Medis sitzen. Für immer. Für Haustiermedikamente brauchts übrigens auch Tierversuche.
    • Frausowieso 18.03.2019 13:46
      Highlight Highlight Es würde mir eher zu Denken geben, dass die Versuche trotz unserem laschen Gesetz nicht mehr hier durchgeführt werden konnten. Wie @Blaubar schon erwähnte, gelten die TS Gesetze für Versuchstiere nicht wirklich. Die Versuche wurden ins Ausland verlagert, da es dort oftmals gar keine Kontrolle und Beschränkungen gibt und die Arbeiter auch noch günstiger sind. Das ist aber nicht unser Fehler, sondern mangelnde Verantwortung der betroffenen anderen Ländern ausserhalb der EU.
    • Lioness 18.03.2019 14:11
      Highlight Highlight Das strengste im Vergleich zu allen anderen Ländern. Sie zitieren es ja selbst: "Ausnahmen sind im einzelnen zu begründen und sollen so kurz wie möglich dauern." Um so eine Ausnahme zu erhalten muss man alle anderen Möglichkeiten durchgehen und begründen, wieso diese nicht zum Ziel führen würden. So einfach wie sie sich die Tierforschung vorstellen ist es nicht. Und wie gesagt, dass ist auch gut so.
    • Frausowieso 18.03.2019 17:44
      Highlight Highlight Mit Verlaub, aber diese "Ausnahmen" werden sehr einfach und schnell vergeben. Ein Formular reicht aus. Waren Sie überhaupt mal in einem Labor? Bei Ratten und Mäusen schaut kaum einer hin und die Hürden sind tief. Bei Primaten, Hunden, Katzen und Schweinen wirds schwieriger. Aber auch da gibt ed sie und den Tieren gehts elend.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Schreimschrum 18.03.2019 11:08
    Highlight Highlight Sorry aber wenn programme die möglichen wirkungen und nebenwirkungen auf menschen bereits jetzt 100mal genauer die realität wiederspiegeln als tierversuche, sehe ich keinen grund die nicht zu verbieten.
    • Lioness 18.03.2019 14:18
      Highlight Highlight Sorry, wenn es diese Programme wirklich gäbe, würde niemand mehr Tierversuche machen. Die sind nämlich teuer und aufwändig. Niemand macht Tierversuche aus Spass.
  • Zwei Fallende Stimmen 18.03.2019 09:17
    Highlight Highlight Solange Massentierhaltung und generell Nutztierhaltung erlaubt ist und Menschen Tiere essen, erscheint mir die Debatte über Tierversuche etwas heuchlerisch!
    • Lörrlee 18.03.2019 16:34
      Highlight Highlight Schlachten eines Tieres dauert im Vergleich zu Versuchen nicht so lange und wird, wenn dies "tierfreundlich" geschieht auch so schmerzlos wie möglich vollzogen.
      Ich esse gerne Fleisch, kaufe aber nur Fleisch, wenn ich weiss, dass die Tiere nicht unnötig leiden mussten oder auf engem Raum zusammengepfercht leben mussten.
      Und ja, die Definition "nicht unnötig leiden" ist schwammig und ist für jeden unterschiedlich. Denken Sie sich dabei, was sie möchten, ich selbst habe hierbei meine eigenen Grenzen und Prinzipien.
    • Zwei Fallende Stimmen 18.03.2019 20:53
      Highlight Highlight Es geht mir nicht so sehr ums Schlachten sondern darum, wie Tiere (ja, auch die, die später als Bio-Fleisch verkauft werden) ihr Leben verbringen müssen. Z.B. Schweine, die praktisch ständig in ihrem eigenen Dreck liegen, nur auf einen betonierten Aussenplatz dürfen, nie ein Schlammbad nehmen dürfen usw. Man bedenke, Schweine sind vom Wesen und ihrer Intelligenz her den Hunden ebenbürtig wenn nicht überlegen. Würde man einen Hund so behandeln wie Schweine behandelt werden, würden alle aufschreien. Dieses Messen mit zweierlei Mass ist es, was mich stört.
    • Lörrlee 19.03.2019 09:18
      Highlight Highlight Dass Sie dies stört kann ich nachvollziehen. Schlussendlich ist es allerdings der Mensch als technologisch führende Rasse, welcher festlegt, welche Tiere eher als Nahrung gelten und welche nicht. Das wird historisch gesehen sicher auch an Nutzen und Einfachheit von Haltung gewachsen sein. Ein Schwein zu mästen und Halten war wahrscheinlich einfacher als einen Hund. Vielleicht war auch mehr Fleisch dran, da der Hund sich mehr bewegt. Es werden wohl viele Faktoren hineingespielt haben, aber das Ergebnis sehen wir heute. Ob gut oder schlecht ist dahingestellt, aber daher kommt das zweierlei Mass
  • Trouble 18.03.2019 09:16
    Highlight Highlight Einfuhr stoppen? Tja, dann trage ich - wie viele andere - dazu bei, dass die durchschnittliche Lebensdauer in der Schweiz wieder sinkt. Die ist je eh viel zu hoch.
  • Lörrlee 18.03.2019 08:22
    Highlight Highlight Ich liebe Tiere und ich bin absolut gegen unnötige Tierversuche. Aber deswegen jegliche Versuche zu verbieten ist auch nicht sinnstiftend.
    Diverse Versuche können grosse Durchbrüche in der Medizin- und Pharmabranche mit sich bringen. Zudem darf nicht vergessen werden, dass nicht nur die Medizin für Menschen davon profitiert, sondern auch die Veterinärmedizin. Gerechtfertigte Tierversuche kommen ebenso anderen Tieren zu Gute.
    • äti 18.03.2019 10:45
      Highlight Highlight Was sind 'nötige' und 'unnötige' und 'gerechtfertigte' Tierversuche genau? Und wer bestimmt das?
    • Lörrlee 18.03.2019 13:39
      Highlight Highlight Ich bin kein Jurist, weiss aber, dass diese subjektiven Floskeln immer wieder zu Diskussionen führen. Meine Antwort ist also nicht richtig, nicht falsch, sondern eben subjektiv.
      Für mich wären nötige Versuche diejenigen, welche keine grosse Menge an Tieren benötigt, durch ihre erfolgreiche Durchführung aber Krankheiten heilen können, welche einem Grossteil der Menschen oder Tiere zu Heilungen von Krankheiten helfen können.
      Ich sage es mal mit dem Beispiel:
      5 tote Affen, welche dazu führen, eine Affenkrankheit zu heilen, die beispielsweise 20% der gesamten Affenpopulation betrifft: Ist ok
  • Frausowieso 18.03.2019 08:11
    Highlight Highlight Ein erster Schritt wäre, den Import von Produkten zu verbieten, die nicht nach unseren Standards getestet wurden. So dürfen Kosmetika in der EU seit den 80er nicht mehr an Tieren getestet werden. Asiatische Firmen testen diese jedoch in China und verkaufen sie hier. Es darf nicht sein, dass sich europäische Firmen an strenge Richtlinien halten müssen und die Konkurrenz von ausserhalb kann tun und lassen was sie will. Genau so bei der Einfuhr von tierischen Produkten. Wir haben ein TS-Gesetz, aber es wird Fleisch aus ausländischen tierquälerischen Produktionen verkauft.
  • Lioness 18.03.2019 07:46
    Highlight Highlight Alleine aufgrund des geforderten Menschenversuchsverbots, muss man diese Initiative ablehnen. Menschenversuch tönt hart, wird aber einfach bei einer Studie im Spital unter kontrollierten Bedingungen mit ausgetesteten Medikamenten unter strenger Überwachung stattfinden. Das nennt sich dann klinische Studie. Wie soll den laut den Initianten überhaupt noch die Sicherheit eines Medikamentes ausgestet werden? Auspendeln?
    • Butschina 18.03.2019 08:54
      Highlight Highlight Es gäbe keine neuen Medikamente mehr. Denn jeder der als erster etwas neues einnimmt ist ja ein Versuchsobjekt. Schlimme vorstellung sowas. Da haben die Initianten definitiv nicht gut nachgedacht.
    • WID 18.03.2019 10:29
      Highlight Highlight @Lioness: Chügeli!
  • Whaaaat?_Son 18.03.2019 07:37
    Highlight Highlight In der Schweiz leben 1,6 Millionen Katzen als Haustiere. Nehmen wir an jede Katze tötet 3 Mäuse und einen Vogel pro Jahr, das macht dann 4.8 Millionen getötete Mäuse und 1,6 Millionen getötete Vögel pro Jahr. Dem gegeüber stehen 0.6 Millionen Tierversuche.

    Ich halte keine Katze der Forschung zu liebe.
    • Butschina 18.03.2019 09:58
      Highlight Highlight Ich liebe Katzen, leider sind sie aber tatsächlich vorallem für Vögel ein grosses Problem. Vielen Tierliebhaber ist dies nicht bewusst.
  • guby 18.03.2019 06:49
    Highlight Highlight Ich bin gegen Tierversuche. Aber sie sind nun mal heutzutage noch unumgänglich wenn wir medizinischen und naturwissenschaftlichen Fortschritt erzielen wollen. Ein solches Verbot würde zudem lediglich die Tierversuche aus den streng kontrollierten Labors der Schweiz in Länder mit lascheren Regeln verschieben. In meinen Augen ist deshalb eine kontrollierte Durchführung der Versuche gepaart mit einer aktiven Erforschung alternativer Methoden (wie sie heute schon teilweise verfolgt wird) der richtige Weg.
  • Fumia Canero 18.03.2019 04:49
    Highlight Highlight Seit 1990 Kopf "experimentiert" hier (tötet Tiere) und das ohne nennenswerten Erfolg. Man könnte so jemanden als Versager bezeichnen und ihm den Ruhestand nahelegen. Seinen Nachfolgern sei zu empfehlen, sich auf andere Forschungsmethoden zu verlegen.
    Seit es Lebewesen gibt, ist Krankheit ein Begleiter. Von der menschlichen Spezies gibt es über 8 Mia - sie ist also in ihrem Bestand nicht im geringsten gefährdet. Da scheint es mir sehr arrogant und dekadent, gesunde Tiere für etwas zu opfern, was der Art als ganzes keinen Vorteil bringt, da sie bereits an der Spitze der Nahrungskette ist.
    • Menel 18.03.2019 07:05
      Highlight Highlight Sind sie selbst so konsequent und verzichten auf Medikamente und medizinische Versorgung, wenn sie krank sind?
    • Pafeld 18.03.2019 07:56
      Highlight Highlight Mit der Initiative wird einem nicht viel mehr als der komplette Verzicht übrig bleiben. Die Initianten sagen zwar, dass etablierte Produkte von der Regelung ausgenommen seien. Da aber auch an bereits zertifizierten Medikamenten weiter geforscht wird und sie Bestandteil von Tierversuchen sind, wird langfristig jedes Medikament unter diese Regelung fallen. Die Initiative ist ein totales Eigengoal und entlarvt die Initianten (trotz akademischem Hintergrund) als völlig fachfremd was Forschungsprozesse und Tierversuche anbelangt.
    • HadesZurigo 18.03.2019 08:18
      Highlight Highlight -ohne Erfolg: Sie kennen also die Seine Arbeit und sind als Wissenschaftler in der Lage zu beurteilen, ob diese Erfolgreich ist oder nicht?

      -andere Methoden: welche kennen Sie, mit der sich komplexe Organismusfaktoren gesamthaft beurteilen lassen?

      -Bestand/spitze der Nahrungskette: gibt es sicher nicht mehr Mäuse auf der Welt als Menschen?oder ist alles was nicht bedroht ist nicht schützenswert? Dann sollten wir ja aufhören alles zu behandeln. Kühe, Hunde, Katzen, alles nicht vom Aussterben bedroht. Und am besten lassen wir Katastrophenhilfe u.ä auch sein, es hat ja immer noch genug Menschen
    Weitere Antworten anzeigen
  • Butschina 18.03.2019 04:26
    Highlight Highlight Unnötige Tierversuche sollen meiner Meinung nach verboten sein. Ein generelles Verbot kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht befürworten. Würde auch die Einfuhr von Artikeln, welche durch Tierversuche entstanden sind, verboten, hätte ich ein Problem. Ich und viele Krake müssten auf unsere Medikamente, lebenswichtige OPs, etc., verzichten.
    Ich fände es wichtig die 3R Forschung voranzutreiben und international gegen unnötige Versuche zu kämpfen. Die Zahl der Tierversuche nimmt stetig ab, von heute auf morgen ist ein Verzicht aber nicht umsetzbar.
    • Bowell 18.03.2019 07:28
      Highlight Highlight "Unnötige" Tierversuche sind heute schon verboten. Forscher sind verpflichtet in ihren Gesuchen aufzuzeigen wie sie ihre Forschung nach dem 3-R Prinzip ausrichten. Die kantonalen veterinärämter schreiten ein wenn zu viele Tiere beantragt werden.
    • Satox 18.03.2019 07:34
      Highlight Highlight Unnötige Tierversuche? Ich finde die unnötigen Kriege (nur die unnötigen), die unnötigen CO2-Emissionen und die unnötigen Armutssituationen sollten verboten werden. Aber nur die unnötigen, die nötigen sollte man beibehalten.
    • Pafeld 18.03.2019 08:07
      Highlight Highlight Wir stimmen nicht darüber ab, ob wir Tierversuche gut oder schlecht finden und ob wir mehr oder weniger wollen, sondern schlicht ja oder nein. Nichts anderes. Ein nein bedeutet keine neuen Medikamente und zwangsläufig auch der mittelfristige Wegfall von etablierten Präparaten, da auch die für Reevaluation (post-klinisch), Referenz- und Kontrollexperimente noch immer Bestandteil von Tier- und Menschenversuchen sind. Auch im Ausland, wo wir absolut 0 Kontrolle darüber haben. Die Initiative ist etwas vom extremsten, worüber wir jemals abgestimmt haben.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Exodus 18.03.2019 04:10
    Highlight Highlight Eine Idee für weniger Tierversuche wäre das Distributed Computing (kurze Erklärung: www.rechenkraft.net ).
    Es gibt Distributed Computing-Projekte, die die Medizinforschung unterstützen. Einige Projekte sind gerade für die Medikamentensuche gedacht.
    In der Vergangenheit wurden genau dank des Distributed Computings wissenschaftliche Resultate erzielt, die für die Herstellung neuer Medikamenten wichtig sind.
    Das Distributed Computing verfolgt keine kommerziellen Zwecken, d.h. Medikamente, die in Zukunft dank des Distributed Computings produziert werden können, unterstehen keine Lizenz.
    • Pafeld 18.03.2019 08:27
      Highlight Highlight Das Distributet Computing ist eine tolle Sache, hat aber mit Tierversuchen primär und sekundär absolut gar nichts am Hut. Es gibt kein Beispiel, warum ein Tierversuch einer Simulation aufgrund fehlender Rechenkapazität vorgezogen werden soll.
    • methylbutyl 18.03.2019 11:40
      Highlight Highlight Distributed Computing ist eine Methode zum Berechnen von Simulationen. Es beantwortet die Frage " wie kann ich meine Berechnungzeit verkürzen?" Aber wohl keine Antwort zu "Wie minimiere ich die Tierversuche?". Wissen Sie überhaupt was man genau simuliert? Wie?


      Ihre Logik ist genau die selbe wie in "In der Vergangenheit wurden viele Bilder mit Pinseln gemalt; Pinseln sind wichtig und gut."

      Weiterhin, Distributed Computing kann keine Moleküle produzieren!!! Distributed Computing ist nicht Chemie! Gute Datenbanken mit virtuellen Molekülen sind nicht open source!
  • makla 18.03.2019 03:27
    Highlight Highlight Wieviele der 615000 Tiere wurden in der Pharma und wie viele in Grundlagenforschung verwendet?
    • The Destiny // Team Telegram 18.03.2019 06:14
      Highlight Highlight Zählt da jede Taufliege mit die für die Genforschung verwendet wird?
    • Bowell 18.03.2019 07:32
      Highlight Highlight Lässt sich so nicht sagen. Auch die Pharmaindustrie betreibt zu einem gewissen Grad Grundlagenforschung. Meinen sie mit Pharma die vorklinische Medikamentenentwicklung? Die findet unter anderem auch an Hochschulen statt. Vielleicht hilft dieser Link weiter: http://www.tv-statistik.ch/de/statistik/index.php
  • Erster-Offizier 18.03.2019 03:26
    Highlight Highlight Die spinnen doch - wissen diese Leute nicht, dass wir nur dank Tierversuchen moderne Medizin haben?
    • Heinzbond 18.03.2019 05:53
      Highlight Highlight Naja die nazis haben unethisch auch einen Teil dazu beigetragen.
      Ich denke das Tierversuche auf das absolute Minimum zu reduzieren ist ein Anfang. Wenn denn die 3R versuche eine echte Alternative sind wird es sicher auch dort "tierrechtler" geben...
      Ach und nur nebenbei, seit wir uns zu mehrzellern entwickelt haben (über) Leben wir dank des Leids und Tod von anderen mehrzellern...

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