«Zeigte Hitlergruss»: Jüdische Fans in Stadion beleidigt und bedroht
Sonntagnachmittag in Basel. Der St.-Jakob-Park bebt. Ibrahim Salah hat zum 2:1 gegen den FC Zürich getroffen und damit in letzter Minute die Partie zugunsten seines FC Basel gedreht.
Die Emotionen gehen hoch. Freude hier, Enttäuschung und Wut da. Bei einigen wenigen auch Hass. Den bekommen Sebastian* und seine Freunde zu spüren: Kurz nach Abpfiff sehen sie, wie sich im Sektor B3 neben dem Gästeblock vier Personen dem Absperrnetz nähern. «Sie starrten bedrohlich in unsere Richtung. Einer zeigte schliesslich den Hitlergruss und schrie, er wolle uns alle umbringen», erzählt Sebastian. Durch ihre Kippas, kleine runde Kopfbedeckungen, sind die Freunde als Juden erkennbar. Sie haben ihre Plätze im benachbarten Sektor B4.
FCB will Videomaterial auswerten
Nach der Drohung bekommen es Sebastian und seine Freunde mit der Angst zu tun. Einer von ihnen meldet den Vorfall beim Sicherheitspersonal, dann verlassen sie eilig das Stadion. In der Hoffnung, dass nichts passiert. Auch Tage nach dem Spiel beschäftigt Sebastian der Vorfall noch. Er sagt:
Sebastian beschliesst, sich mit einem Mail an den FC Basel zu wenden. In seiner Antwort distanziert sich der Fussballclub von «jeglicher Art der Diskriminierung» und kündigt an, die nötigen Schritte für eine Aufarbeitung der Vorgänge einzuleiten.
Dazu will der FC Basel nun Rücksprache mit dem externen Sicherheitspartner halten und Videomaterial auswerten, schreibt FCB-Sprecher Remo Meister auf Anfrage von watson. «Sollte es Bilder geben, die zur Klärung des Vorfalls beitragen können, würden wir diese den zuständigen Behörden zur Verfügung stellen», schreibt er auch.
SIG: «Strafrechtlich relevant»
Der Generalsekretär des Schweizerisch Israelitischen Gemeindebunds (SIG), Jonathan Kreutner, spricht auf Anfrage von einem in dieser Form seltenen, aber ernstzunehmenden Vorfall. «Das ist keine gewöhnliche Fanprovokation und keine emotional überhitzte Reaktion nach einem verlorenen Spiel», sagt er. Die Äusserungen verliessen den Bereich der «Stadionnormalität». Das Zeigen des Hitlergrusses und das Aussprechen einer Morddrohung seien nicht nur inakzeptabel, sondern auch strafrechtlich relevant. Deshalb müssten die Behörden nun reagieren.
Der Vorfall in Basel ist der zweite mit antisemitischen Zügen innert weniger Tage in der Schweiz. Am Montag der gleichen Woche erlitt ein 26-jähriger orthodoxer Jude Verletzungen nach einem Faustangriff in Zürich. Der 40-jährige Täter äusserte sich nach der Tat beleidigend und antisemitisch.
*(Name geändert)
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