Schweiz
Geld

Inflation sinkt in der Schweiz auf 1,2 Prozent

Inflation sinkt in der Schweiz auf 1,2 Prozent – trotz höherer Mietpreise

04.03.2024, 08:4204.03.2024, 12:27
Mehr «Schweiz»

Die Teuerung in der Schweiz ist im Februar weiter gesunken und liegt nun auf dem tiefsten Wert seit Oktober 2021. Im Vergleich zum Vormonat Januar sind die Konsumentenpreise allerdings deutlich angestiegen.

Die Jahresinflation sank im Berichtsmonat Februar 2024 auf 1,2 von 1,3 Prozent im Januar, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Montag mitteilte. Das heisst: Schweizer Konsumgüter waren im Februar 1,2 Prozent teurer als im entsprechenden Vorjahresmonat. Im Bereich der Inlandgüter lag die Inflation bei 1,9 Prozent, im Bereich der Auslandgüter bei -1,0 Prozent.

Der Gesamtwert lag etwas über den Analysten-Schätzungen: Diese hatten nämlich einen Rückgang der Teuerung auf bis zu 0,9 Prozent prognostiziert. Etwas unterschätzt wurde dabei vor allem der deutliche Anstieg der Preise im Vergleich zum Vormonat.

Mieten und Luftverkehr

So stieg der sogenannte Landesindex der Konsumentenpreise (CPI) im Februar gegenüber Januar um 0,6 Prozent auf 107,1 Punkte. Der Anstieg ist laut den BFS-Zahlen auf verschiedene Faktoren zurückzuführen. Die Wohnungsmieten etwa, die im Index mit knapp einem Fünftel ein relativ hohes Gewicht haben, stiegen gegenüber der letzten Erhebung um 0,8 Prozent. Die Preise im Luftverkehr stiegen gar um hohe 17,7 Prozent, haben im Index allerdings nur ein geringes Gewicht.

Ebenfalls geklettert sind die Preise der Parahotellerie (+17,4%) und für Pauschalreisen ins Ausland (+5,4%). Die Preise für Beeren (−15,2%) und Rindfleisch (−1,7%) sind laut den Angaben im vergangenen Monat gesunken, ebenso wie jene für Gesichtspflegeprodukte und Make-up (−4,3%).

Dass die Jahresinflation trotz der starken Preiserhöhungen im Monatsvergleich gesunken ist, hat vor allem mit dem Basiseffekt zu tun. So waren die Preise im Februar 2023 gegenüber dem Vormonat sogar um 0,7 Prozent gestiegen und damit stärker als diesen Februar.

Keine schnelle Zinssenkung wahrscheinlich

Mit dem jüngsten Rückgang stimmt auch der Trend in der Inflationsentwicklung weiterhin. Bereits im Januar war die Teuerung deutlich von 1,7 auf 1,3 Prozent gesunken. In der Spitze hatte die Inflation in der Schweiz im Sommer 2022 einen Wert von 3,5 Prozent erreicht, im Juni 2023 sank sie dann erstmals seit Anfang 2022 wieder unter die 2-Prozent-Marke.

Sie liegt damit auch wieder komfortabel im Bereich der von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) angepeilten Bandbreite von 0 bis 2 Prozent. Dass sich die hiesigen Währungshüter deshalb aber bereits bei ihrer nächsten geldpolitischen Lagebeurteilung in gut zwei Wochen zu einer ersten Zinssenkung durchringen können, wird in Analystenkreisen eher nicht erwartet.

Die Inflationsgefahr sei trotz des jüngsten Rückgangs noch nicht gebannt, meint etwa Thomas Gitzel von der VP Bank. Zwar seien noch immer wichtige teuerungsdämpfende Basiseffekte bei Energie oder Lebensmittelpreisen am Werk, doch im Dienstleistungsbereich und insbesondere bei Mieten sei das Gegenteil der Fall. Gerade deshalb dürfte die SNB mit Zinssenkungen behutsam vorgehen, sagt er.

Erst nach Jordan-Rücktritt?

Auch Alessandro Bee von der UBS sieht das so: Die leicht höher als erwartet ausgefallene Inflation heute und die leicht besseren BIP-Zahlen vergangene Woche machten eine Zinssenkung der SNB im März nicht wahrscheinlicher. Eine solche sei zwar nicht auszuschliessen, aber das UBS-Basisszenario bleibe beim Juni für die erste Senkung.

Fredy Hasenmaile von Raiffeisen verweist in Bezug auf die Mieten zudem darauf, dass im CPI vorerst bloss die Auswirkungen der ersten Referenzzinssatzerhöhung enthalten seien. Die auf April wirksam werdenden Erhöhungen aus dem zweiten Anstieg im vergangenen Dezember flössen hingegen erst ab Mai in die Teuerung ein. Er geht entsprechend davon aus, dass sich die Teuerung im späteren Jahresverlauf wieder mehr im oberen Bereich des Zielbandes bewegen wird.

Analyst Gitzel bringt derweil gar noch den am vergangenen Freitag bekannt gewordenen Rücktritt von SNB-Präsident Thomas Jordan bei seinen Überlegungen mit ins Spiel. Jordan wolle wohl vor seinem Amtsende im September sämtliche Inflationsgefahren gebannt wissen. Einen geldpolitischen Lockerungskurs könnte er deshalb seinem Nachfolger überlassen, so die Meinung. (rbu/awp/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die letzten Schweizer Sieger im Skiweltcup
1 / 13
Die letzten Schweizer Sieger im Skiweltcup
Abfahrt Männer: Marco Odermatt trumpft in Wengen gross auf und gewinnt am 11. und 13. Januar 2024 sowohl die verkürzte als auch die Original-Abfahrt.
quelle: keystone / jean-christophe bott
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Parlament streitet über Tabakwerbeverbot – das sagen Jugendliche, die rauchen
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
21 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Rethinking
04.03.2024 09:43registriert Oktober 2018
Teuerung gesunken bedeutet es wird teuerer, einfach weniger stark als letztes Jahr, aber teuer wird es trotzdem…
215
Melden
Zum Kommentar
21
Jagd auf Oligarchengelder und Nazi-Symbol-Verbot – darum geht es in der Sondersession
Die Teilnahme der Schweiz an der Repo-Taskforce im Zusammenhang mit Sanktionen gegen Russland, ein Verbot von extremistischen Symbolen und Dutzende Vorstösse: Das sind Themen der dreitägigen Sondersession des Nationalrates.

Diese beginnt heute Montag und dauert bis und mit Mittwoch. Sondersessionen führen die eidgenössischen Räte durch, wenn ihnen die Zeit in den ordentlichen Sessionen nicht reicht, um ihre Geschäftslast zu bewältigen. Sondersessionen können auch nur von einer Kammer durchgeführt werden. Anders als der Nationalrat muss der Ständerat nicht «nachsitzen».

Zur Story