Schweiz
Justiz

Rösti liess Bauern über Pestizide mitentscheiden – wohl rechtswidrig

Die Pläne von Energieminister Albert Rösti kommen in der Strombranche nicht gut an.
Albert Rösti (SVP) gab Bauern Einfluss auf Grenzwerte für hochgiftiges Pestizid.Bild: Peter Schneider

Rösti liess Bauern über Pestizid-Grenzwerte mitentscheiden – das sorgt für Kritik

Das Bundesamt für Umwelt hat bei der Festlegung von Grenzwerten im Gewässerschutz Interessen der Bauern höher gewichtet als wissenschaftliche Erkenntnisse. Das Bundesamt für Justiz hält dieses Vorgehen für rechtswidrig.
18.02.2026, 14:3118.02.2026, 14:31

Das Insektizid Deltamethrin wird in der Landwirtschaft gegen Schädlinge eingesetzt. Gelangt es in Gewässer, ist es jedoch für Fische und andere Wasserlebewesen hochgiftig. Im Januar wurden im Fluss Wyna bei Beromünster im Kanton Luzern hohe Konzentrationen von Deltamethrin gemessen. Das hatte die «NZZ am Sonntag» berichtet.

Der Bundesrat hatte trotz dessen keinen neuen Grenzwert bei Deltamethrin sowie bei drei weiteren als schädlich eingestuften Wirkstoffen festgelegt.

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Im Fluss Wyna wurden hohe Konzentrationen von Deltamethrin gemessen.Bild: KEYSTONE

Interne Dokumente, die der «Rundschau» vorliegen, zeigen nun: Umweltminister Albert Rösti entschied bei einer Sitzung im Herbst 2023, dass zuerst die Bauern gefragt werden müssten, welche Pestizide sie mangels Alternativen dringend bräuchten.

Daraufhin hätten ein Vertreter des Bauernverbandes sowie zwei Vertreter der kantonalen Pflanzenschutzdienste Deltamethrin und drei andere Pestizide für alternativlos erklärt. Das Bundesamt für Umwelt strich somit diese vier Pestizide von der Liste mit spezifischen Grenzwerten.

Weitere Dokumente zeigen laut SRF, dass das Bundesamt für Justiz mehrfach beim Bundesamt für Umwelt intervenierte. Beim Festlegen von Grenzwerten dürften nur wissenschaftliche Kriterien zählen, nicht landwirtschaftspolitische. Bereits im April 2024 stufte das Bundesamt für Justiz das Vorgehen als rechtswidrig ein – und bestätigte dies im Januar 2025 erneut.

Auf Anfrage des SRF teilt das Umweltdepartement UVEK mit, die rechtlichen und fachlichen Fragen seien in den Ämterkonsultationen geprüft worden. Der Bundesrat habe das Vorgehen als rechtlich zulässig eingestuft. Die Verordnung sehe zudem eine schrittweise Einführung der Grenzwerte vor, um die Versorgungssicherheit der Landwirtschaft nicht zu gefährden.

Die revidierte Gewässerschutzverordnung befindet sich derzeit in der Vernehmlassung. Danach entscheidet der Bundesrat über die definitive Fassung. (hkl)

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Alice36
18.02.2026 14:47registriert Juni 2017
Was in Crans Montana und im Wallis mit dem Brandschutz geschah läuft bei Rösti einfach im grossen Stil mit dem Gewässerschutz und den Bauern. Wann bitte ist in diesem Land mal Schluss mit der Sauhäfeli-Saudeckeli Politik die alle zu fahren scheinen? Es muss immer zuerst ein Unglück geschehen bis die Obrigkeit aus ihrer selbstgefälligen Lethargie erwacht und etwas unternimmt. Müssen erst Flüsse und Seen sterben bevor der Bauer und Rösti merken das sie sauberes Wasser brauchen? Dieses Trauerspiel läuft mit den Mittelland Seen schon seit Jahren und kein Schwein interessiert es.
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Valso
18.02.2026 14:41registriert Juli 2022
Schon bei der Trinkwasserinitiative waren es die Bauer, die massiv gegen dieses linke Anliegen schimpften. Unterdessen bin ich einigen begegnet die unterdessen schockiert sind, weil in ihrem bäuerlichen Bekanntenkreis da und dort ein Bauer, eine Bäuerin schon vor dem Pensionsalter Anzeichen von Alzheimer zeigen. Heute würden sie anders abstimmen.
Da fragt man sich schon, ob der Bauernverband wirklich die Interessen der Bauern vertritt?!
Leicht zynisch kann man auch anmerken, dass wir so längerfristig die AHV entlasten.
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btdnl
18.02.2026 14:51registriert November 2020
Was die SVP eben so macht um ihre Macht bei der Landbevölkerung zu erhalten. Gift aus SG im Bodensee oder Gift im Trinkwasser? Nein, die armen armen Bauern müssen doch Geld verdienen.
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