Inflation 2025 auf tiefstem Stand seit fünf Jahren
Die Inflation in der Schweiz ist im Gesamtjahr 2025 auf den tiefsten Stand seit 2020 gefallen. Im Jahresdurchschnitt blieb sie knapp im positiven Bereich, einzig im Mai war sie kurz in den deflationären Bereich gesunken.
Konkret belief sich die durchschnittliche Jahresteuerung 2025 auf 0,2 Prozent, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Donnerstag mitteilte. 2024 hatte sie bei 1,1 Prozent gelegen, 2023 bei 2,1 Prozent.
Den Höchststand 2025 erreichte die Inflation hierzulande bereits im Januar mit 0,4 Prozent. In der Folge ging sie deutlich zurück – begünstigt durch die Verunsicherung rund um die Zollpolitik von Donald Trump sowie die damit verbundene Aufwertung des Frankens, insbesondere gegenüber dem US-Dollar. Im Mai fiel die Teuerung dann mit -0,1 Prozent vorübergehend sogar leicht in den negativen Bereich. Danach zog sie wieder leicht an und lag Ende Jahr (Dezember) bei 0,1 Prozent im Plus.
Der durchschnittliche Preisanstieg 2025 ist laut BFS insbesondere auf höhere Preise für Wohnungsmieten, Schokolade sowie Mahlzeiten in Restaurants und Cafés zurückzuführen. Demgegenüber sind die Preise für Elektrizität, Benzin, Occasion-Autos und Medikamente gesunken. Die Preise der einheimischen Produkte haben sich im Jahresdurchschnitt um 0,7 Prozent erhöht, jene der Importgüter sind um 1,6 Prozent gesunken.
Deflation im Pandemiejahr 2020
Noch tiefer als im Jahresdurchschnitt 2025 lag die Inflation zuletzt im ersten Pandemiejahr 2020. Damals bewegte sich die Teuerung deutlich im negativen Bereich und betrug im Jahresmittel -0,7 Prozent. Ab 2022 kam es dann jedoch zu einem markanten Anstieg. Insbesondere der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine ab Februar 2022 liess die Rohstoffpreise und damit auch die Inflation stark anziehen.
Im August 2022 erreichte sie damals mit 3,5 Prozent einen seit Jahren nicht mehr gesehenen Höchststand. Im Jahresdurchschnitt 2022 stieg die Teuerung auf 2,8 Prozent. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) reagierte damals mit einer raschen und deutlichen Straffung der Geldpolitik und erhöhte die Leitzinsen markant, um den Preisdruck einzudämmen. Ziel der SNB ist es bekanntlich, die Inflation im Bereich von 0 bis 2 Prozent zu halten.
Mit dem erneuten Rückgang der Teuerung in Richtung Null senkten die Währungshüter die Zinsen später wieder. Seit einiger Zeit liegt der Leitzins erneut bei null. Die SNB-Spitze betonte dabei wiederholt, dass Negativzinsen wegen ihrer unerwünschten Nebenwirkungen nur als Notfallinstrument in Frage kämen.
«Hohe Hürden»
Ökonomen erwarten trotz der tiefen Inflation denn auch mehrheitlich keine weitere Zinssenkung. «Auch 2026 dürfte die Inflation auf einem sehr tiefen Niveau bleiben», sagte UBS-Ökonom Alessandro Bee gegenüber der Nachrichtenagentur AWP. Das dürfte allerdings kein Grund sein für weitere Zinssenkungen der SNB. Die Währungshüter hätten deutlich kommuniziert, dass die Hürden für Zinssenkungen in den negativen Bereich hoch seien. «Tiefe Inflation allein reicht nicht aus, um die SNB zu einer Zinssenkung zu bewegen», so Bee.
Dass die Inflation gegen Jahresende wieder ganz leicht angestiegen ist (auf 0,1 Prozent im Dezember von 0,0 Prozent im November), dürfte die SNB denn auch gerne gesehen haben. «In der SNB dürfte man durchatmen», sagt Thomas Gitzel von der VP Bank. Wäre die Inflationsrate weiter gefallen, hätte der geldpolitische Handlungsdruck zugenommen.
Ähnlich sieht das Karsten Junius von Safra Sarasin. Die Inflationsentwicklung im Dezember sollte für die SNB eine Erleichterung sein. Er rechnet damit, dass sich dieser Trend in den nächsten Quartalen fortsetzen wird. «Die Geldpolitik der SNB ist damit gut aufgestellt. Weitere Zinssenkungen wären unnötig», glaubt er.
Auch die SNB erwartet tendenziell weiter ansteigende Raten. Für 2026 erwartet sie im Jahresdurchschnitt eine etwas höhere Inflation von rund 0,3 Prozent. Ab 2027 dürfte sich die Inflation gemäss den SNB-Prognosen mit 0,6 Prozent dann wieder etwas deutlicher von der Null-Linie entfernen. (sda/awp)
