DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Mein Gott, sind die spiessig! Die 17-Jährigen von heute interessieren sich für die Einwanderungsthematik und die Gender-Debatte

22.06.2015, 15:0822.06.2015, 16:20
No Components found for watson.kkvideo.

Das Bild der rebellischen Jugend gehört in die Mottenkiste: Laut einer Umfrage denken die Schweizer Jugendlichen in vielen politischen und gesellschaftlichen Fragen ähnlich wie frühere Generationen. Das grösste politische Problem ist aus ihrer Sicht die Einwanderung. 

Jeder fünfte Jugendliche betrachtet die Einwanderung als das grösste Problem, gefolgt vom Asylwesen und den Beziehungen der Schweiz zur EU. Das ergab eine schweizweite Umfrage der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ) unter knapp 2000 Jugendlichen, die 2015 volljährig werden – und damit erstmals abstimmen und wählen dürfen. 

Die Umfrage räumt mit mehr als einem Klischee auf. So sind die Jugendlichen durchaus an Politik interessiert und in ihren Ansichten nicht radikaler als der Rest der Bevölkerung. «Es gibt keinen Bruch zwischen den Generationen», sagte EKKJ-Präsident Pierre Maudet am Montag vor den Medien in Bern

International – und doch sehr schweizerisch 

Obwohl die Jugendlichen in einer international geprägten, vernetzten Welt aufwuchsen, befürwortet nur einer von zehn Befragten einen Beitritt der Schweiz zur EU. «Die Jugendlichen sind international – und doch sehr schweizerisch», sagte Studienautorin Sarah Bütikofer von der Universität Bern. 

Auch im Umgang mit Einwanderung zeigten sich die Jugendlichen als eher skeptischer als die Bevölkerung insgesamt. Eine Mehrheit (61,5 Prozent) findet dennoch, dass die Personenfreizügigkeit mit der EU gut ist für die Schweiz. 

Bild: KEYSTONE

Gleichzeitig stimmten allerdings über ein Drittel (36 Prozent) der Aussage zu, die Personenfreizügigkeit führe zu einer zu starken Einwanderung und müsse deshalb gestoppt werden. Jeder fünfte befragte Jugendliche hatte bei dieser Frage keine Meinung. 

Zwei Drittel wollen wählen 

Anders als oft beklagt sind die Jugendlichen nicht politikverdrossen: Jeder zweite Befragte interessiert sich für Politik. Bei den jungen Männern liegt dieser Wert höher als bei den Frauen. 

Zwei Drittel der 18-Jährigen möchten diesen Herbst bei den nationalen Wahlen ihre Stimme abgeben. Welche Parteien sie wählen, wurde in der Umfrage nicht gefragt. Da die Jugendlichen ähnliche Ansichten haben wie die älteren Generationen, erwartet Studienautorin Michelle Beyeler keine Verschiebung. Allerdings: «Parteien, die bei der Zuwanderung klare Positionen beziehen, haben Vorteile», sagte sie. 

Die Haltungen der Neuwähler gehen in einigen Punkten je nach Geschlecht auseinander, insbesondere was die Aufteilung von Familien- und Erwerbsarbeit betrifft. 29 Prozent der jungen Männer wollen, wenn sie eine Familie gründen, am traditionellen Modell festhalten: Der Mann arbeitet Vollzeit, die Frau kümmert sich um Kinder und den Haushalt. 

Diese Ansicht teilen nur 15 Prozent der jungen Frauen. Sollten sich diese Unterschiede mit zunehmendem Alter nicht reduzieren, könnte dies problematische Folgen für die Familiengründung und -stabilität haben, heisst es in der Studie. 

Graben zwischen Sprachregionen 

Neben der Kluft zwischen den Geschlechtern tut sich auch eine zwischen den Sprachregionen auf. Zwar ist der Röstigraben laut der Studie bei vielen Themen verschwunden, doch sind die Tessiner Jugendlichen in einigen Punkten anderer Meinung. Anders als die Jugendlichen in der Deutsch- und Westschweiz betrachten sie die Arbeitslosigkeit klar als wichtigstes Problem der Schweiz. 

Mehr als ein Drittel der Tessiner Jugendlichen sprechen sich zudem deutlich dafür aus, der einheimischen Bevölkerung bessere Chancen einzuräumen als der ausländischen. Schweizweit unterstützten nur 15 Prozent der Befragten diese Meinung. (aeg/sda) 

Flüchtlingshäuser Bucheggstrasse

1 / 18
Flüchtlingshäuser Bucheggstrasse
quelle: watson / watson
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Frauen sollten...

1 / 6
Frauen sollten...
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

9 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
saukaibli
22.06.2015 16:17registriert Februar 2014
Da scheint die SVP und die ihr zugewandten Boulevard-Medien einen guten Job gemacht zu haben. Anstatt die wichtigen Probleme zu erkennen scheinen die Jungen auf die Hetzkampanien der Rechtskonservativen hereinzufallen. Ich hoffe die nächste Generation ist wieder rebellischer und kämpft gegen diese stumpfsinnige, kurzsichtige und verblentete Einstellung an. Es wäre wirklich wieder mal an der Zeit für eine Revolution. Leider bin ich schon zu alt und resigniert für so etwas.
5834
Melden
Zum Kommentar
9
Warum dich die Inflation betrifft & was der Leitzins damit zu tun hat – kurz erklärt
Die Inflation trifft auch die Schweiz. Im Schnitt sind die Preise um 2,9 Prozent gestiegen. Warum dein Geld gerade an Wert verliert, was der Leitzins damit zu tun hat und wie die Schweizerische Nationalbank involviert ist, erfährst du im Video.

Die Preise in der Schweiz steigen. Der Franken verliert an Kaufkraft. Die Preise für Heizöl sind 80 Prozent höher als im Vorjahr. Teigwaren kosten 12 Prozent mehr, Kaffee sieben.

Zur Story