Schweiz
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Familien mit drei und mehr Kindern sowie Alleinerziehende sind überdurchschnittlich von Armut betroffen. (Symbolbild) Bild: shutterstock

Bundesrat steht im Kampf gegen Armut in der Kritik – Tessin gilt als Vorbild

Massnahmen gegen Armut sind je nach Kanton verschieden. Deshalb soll der Bund den Lead übernehmen.

anna wanner / az



Mehr als 108'000 Kinder in der Schweiz sind von Armut betroffen, 615'000 Personen waren es 2016 insgesamt. Das lässt auch den Bundesrat nicht kalt. Er beurteilte den Problemdruck im April noch als «hoch». Damals bekräftigte er, sein Engagement fortführen zu wollen. Denn Ende Jahr läuft das Nationale Programm gegen Armut aus. Nächste Woche wird Bilanz gezogen.

Mit diesem Bekenntnis des Bundesrats will sich das Hilfswerk Caritas nun aber nicht zufriedengeben. Direktor Hugo Fasel hält es für «beschämend», dass der Bund sich künftig noch mit 500'000 Franken an der Armutsbekämpfung beteiligen will, zumal der im April veröffentlichte Bericht klare Handlungsfelder aufzeigt. «Trotzdem verabschiedet er sich aus der Armutspolitik», kritisiert Fasel. Das habe mit einer verfehlten Einstellung zu tun: «Der Bundesrat reduziert die Armutsfrage auf die Sozialhilfe.» Viel wichtiger sei es, die Armut zu verhindern, diese also präventiv anzugehen. Doch genau da fehle es an einer Verbindlichkeit des Bundes: Er überlässt diese Aufgabe weiterhin Kantonen und Gemeinden.

Der Bund soll übernehmen

Natürlich lässt sich dagegenhalten, dass Armutsbekämpfung auf verschiedenen Ebenen stattfindet: Über Arbeitslosenversicherung oder die AHV sowie über Massnahmen zur Weiterbildung und Integration, für die der Bund viel Geld aufwirft. Caritas verlangt von ihm nun aber, in der präventiven Armutsbekämpfung eine «Leaderrolle» zu übernehmen.

Denn die Differenzen zwischen den Kantonen sind gross – nicht nur bei der Höhe der Sozialhilfe oder der Prämienverbilligung. Caritas nennt fünf Bereiche mit dringendem Handlungsbedarf. Dazu gehört neben einer Garantie zur Existenzsicherung und verbindlichen Zielen zur Reduktion der Armut vor allem die Verhinderung von Familienarmut. Denn Kinder gelten als grosses Armutsrisiko: Familien mit drei und mehr Kindern sowie Alleinerziehende sind überdurchschnittlich von Armut betroffen. Geht es nach Caritas, soll deshalb der Bundesrat dafür sorgen, dass alle Kantone Massnahmen umsetzen.

Ab wann gilt man in der Schweiz eigentlich als arm?

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Video: srf

Zum Beispiel Tessin

Wie das funktionieren könnte, zeigt das Tessin. Eher unerwartet übernimmt der Kanton in der Armutsprävention eine Vorbildfunktion:

(vom)

Haben die Milliardär-Bosse ein schlechtes Gewissen?

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Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • Hackphresse 28.08.2018 11:28
    Highlight Highlight Der Pöbel wählt Rechts, der Pöbel kriegt Rechts, so einfach ist das. Dumm nur dass die Rechten gegen die EU und Asylanten bashen aber eigentlich für den Pöbel nichts machen. Wie Lemminge rennen die Wähler dem Sirenengesang hinterher und sind nachher umso enttäuschter und fallen dann wieder auf die gleichen Parolen ein.

    Vielleicht sollte mal jemand in der Arena vor laufender Kamera fragen, obs uns jetzt besser geht mit der SVP als stärkste Partei in einem MitteRechts Parlament, seit jetzt weiss auch nicht wie lang.
  • N. Y. P. D. 28.08.2018 11:05
    Highlight Highlight Milliarden für die Firmen und ihre Aktionäre.

    500'000.- Franken für die 615'000 Ärmsten pro Jahr. 1 Franken und 20 Rappen pro Person für das nationale Armutsprogramm.

    10 Rappen im Monat.

    Das muss man nicht weiter kommentieren. Im Land der grössten Millionärsdichte.
  • DerSimu 28.08.2018 08:15
    Highlight Highlight Naja, wenn sich in der SP z.B. Herr Wermuth mehr für plastische Chirurgie interessiert, gehen halt die wirklich wichtigen Themen unter.
  • Mirischgliich 28.08.2018 08:03
    Highlight Highlight Was möchte uns der Künstler mit dem Symbolbild sagen?

    - Interpretation Nr. 1:
    Mutter und Tochter spielen "Guggus Dada" mit einer Scheibe Toastbrot.

    - Interpretation Nr. 2:
    In der Schweiz gilt eine Familie erst dann als arm, wenn die Mutter depresdiv ist und die Kinder nichts mehr zu essen haben.
  • Blitzesammler 28.08.2018 06:51
    Highlight Highlight Ich finde es immer wieder beschämend, dass in einem Land in dem fast täglich zu hören ist das viele unserer Firmen hunderte Milionen Reingewinn erziehlen, es solche Familien aber auch Einzelpersonen gibt, die sich kaum ernähren können. eine Schande so was!
  • Schneider Alex 28.08.2018 05:59
    Highlight Highlight Wenn es die Wirtschaft nicht schafft, Arbeitsplätze mit existenzsichernden Löhnen anzubieten, muss der Staat (Bund, Kantone odeer Gemeinden) solche Arbeitsplätze schaffen.Es kann doch nicht sein, dass im Niedriglohnbereich der Staat mit der Sozialhilfe einspringen muss, damit das Einkommen zur Existenzsicherung reicht. Das ist doch pure Subventionierung von Niedriglohn-Jobs.
    Sinnvolle Arbeiten im öffentlichen Interesse gibt es genügend in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Sicherheit etc., die einen existenzsichernden Lohn verdienen. Der Staat muss dafür einen sekundären Arbeitsmarkt aufbauen

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