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Abstimmung zu Covid-19-Gesetz: Nun steigt auch die jüngste Blocher in die Politik ein

Rahel Blocher, 45, ist doppelt geimpft. Sie hat auch ein Zertifikat. Und sie gehört zu den reichsten Frauen der Welt. Jetzt macht sie mit dem Verein «Gesund und frei» mobil gegen das revidierte Covid-19-Gesetz.
18.10.2021, 05:42
Othmar von Matt / ch media

Den einzigen öffentlichen politischen Auftritt hatte Rahel Blocher (45) vor fast 30 Jahren. Die Jüngste der vier Kinder von Christoph Blocher sass mit Mutter Silvia in den Zuschauerreihen der «Arena». Ihr Vater kämpfte gegen den EWR-Beitritt.

Rahel Blocher möchte jetzt doch politisch in die Öffentlichkeit treten.
Rahel Blocher möchte jetzt doch politisch in die Öffentlichkeit treten. Bild: KEYSTONE

Als jugendliche Zuschauer betonten, die Jugend sei für den Beitritt, kroch Wut in ihr hoch. Sie hob die Hand, Moderator Filippo Leutenegger erkannte sie, gab ihr das Wort. Nicht alle Jugendlichen seien für den EWR, hielt sie fest – sie sicher nicht.

«Ich bin zu impulsiv»

Schon damals habe sie realisiert, sagt Rahel Blocher heute, dass sie nicht gemacht sei für die Politik. «Ich bin zu impulsiv.» Trotzdem tritt sie erstmals ganz bewusst politisch an die Öffentlichkeit. Sie kämpft als Aushängeschild des neuen Vereins «Gesund und frei» gegen das revidierte Covid-19-Gesetz, über das am 28. November abgestimmt wird.

Unternehmerinnen und Unternehmer haben sich im Verein zusammengeschlossen. Präsident ist Arzt Stephan Rietiker. Dem Komitee gehören auch Ökonomieprofessor Martin Janssen, Ernährungsberaterin Simone Wietlisbach und alt Nationalrat Claudio Zanetti (SVP) an. Es setzt sich für Freiheit, für eine evidenzbasierte Gesundheitsförderung und gegen eine Zweiklassengesellschaft ein.

Sie liess sich schnell mit Moderna impfen

Rahel Blocher zählt nicht zu den Massnahmenverweigerinnen. Sie liess sich schnell mit Moderna impfen. «Ich möchte kein Covid bekommen», sagt sie. «Ich lasse mich auch jedes Jahr gegen die Grippe impfen, seit ich sie einmal hatte.» Sie hat auch ein Zertifikat.

Rahel Blocher liess sich mit Moderna gegen das Corona-Virus impfen.
Rahel Blocher liess sich mit Moderna gegen das Corona-Virus impfen.Bild: keystone

Genau dieses Zertifikat ist es aber, das ihr aufstösst: «Mit ihm hat der Bundesrat eine versteckte Impfpflicht eingeführt und spaltet die Gesellschaft.» Ihr missfallen vor allem die Aggressivität gegenüber Nichtgeimpften und die «Nicht-Diskussion», wie sie sagt: «Diskussionen werden sofort mit dem Totschlagargument Aluhut beendet.»

Mit dem Zertifikat werde die Freiheit zu einer «Schein-Freiheit» und die Normalität zu einer «Schein-Normalität», sagt sie: «20 Prozent der Menschen haben kein Zertifikat – und sie werden bei vielen Anlässen ausgeschlossen.»

Sie spricht von «einer Art Brainwashing»

Auch Widersprüchlichkeiten bei den Informationen wecken Argwohn bei ihr. «Schweden, Dänemark und Finnland wollen junge Menschen unter 30 Jahren wegen der Nebenwirkungen nicht mehr mit Moderna impfen», sagt sie. «Die Schweiz macht aber weiter, als ob nichts wäre. Es findet nicht einmal eine Diskussion statt.» Sie spricht von einer «Art Brainwashing» der Gesellschaft, die im Gange sei.

Eigentlich wollte Blocher im Verein aus dem Hintergrund agieren. Schnell war aber klar: Wer Blocher heisst, kann vor allem damit helfen, Öffentlichkeit herzustellen. «Im Sinne der Sache» habe sie sich entschlossen, den Schritt zu wagen: «Man muss etwas unternehmen. Es zeichnet sich kein Ende ab.»

Sie weiss, was es bedeutet, Blocher zu heissen

Dennoch soll das Engagement ein Einzelfall bleiben. Die Unternehmerin ist mit Politik gross geworden. Sie steht der SVP nahe, ist aber parteilos. Und sie war sich sicher, dass sie sich nie politisch engagieren wird. «Ich habe beim Vater mitbekommen, welche Nachteile die Politik hat», sagt sie. Die Arbeit sei streng, man sei eine Person des öffentlichen Interesses. «Geht man mit meinem Vater irgendwo hin, wird er immer von Menschen angesprochen.»

Sie weiss, was es bedeutet, den Namen Blocher zu tragen. «Ich habe wohl mit tausend Personen studiert», witzelt sie. «Alle kennen mich, aber ich kenne die meisten nicht.» Das sei immer so gewesen für sie.

Rahel Blocher tritt unprätentiös auf. Sie ist ledig, besucht gern Konzerte und Theatervorstellungen. Sie ist ein grosser Fan des Kult-Klassikers «The Show Must Go Wrong» im Bernhard Theater. Sie wird die Show bald zum vierten Mal besuchen.

Rahel Blochers schwarzer Humor

«Ich lache gerne und schätze guten Humor sehr», sagt Blocher. Sie nimmt für sich eine gute Prise schwarzen Humors in Anspruch. Kein Wunder, hat sie sämtliche 66 Kriminalromane von Agatha Christie gelesen, in denen der belgische Detektiv Hercule Poirot und die altjüngferliche Hobbydetektivin Miss Marple wichtige Rollen spielen.

Rahel Blocher liest gerne Cozy-Mystery-Krimis. Also keine Action-Thriller mit Mord und Totschlag. Sondern Kuschelkrimis, in denen es höchstens einen Toten gibt und die in erzählendem Stil verfasst sind.

Sie studierte Wirtschaftswissenschaften an der Uni St.Gallen, bezeichnet sich selbst aber als Buchhalterin. «Ich habe Rechnungswesen und Controlling studiert», sagt sie. «Das ist höhere Buchhaltung. Letztlich ist sowieso alles Buchhaltung.» Heute ist sie Geschäftsführerin der Robinvest AG. Diese Investitionsgesellschaft der Familie gehört ihrem Vater.

Mit 8.5 Milliarden steht sie auf Rang 306 der Welt

Blocher ist auch Stiftungsrätin der Stiftung Schweizer Musikinsel Rheinau. Vor allem aber hält sie mit ihren Schwestern Magdalena Martullo und Miriam Blocher Baumann 70 Prozent der Aktien der Ems-Chemie. Das macht Rahel Blocher gemäss Bloombergs Milliardären-Index zu einer der reichsten Frauen der Welt. Im Index von Freitag lag sie auf Rang 306 mit einem geschätzten Vermögen von 8.5 Milliarden Dollar. Magdalena Martullo liegt mit 8.7 Milliarden nur knapp vor ihr – auf Rang 291.

Damit fragt sich: Wäre sie nicht logische Nachfolgerin bei der Ems-Chemie, falls Martullo dereinst für Ueli Maurer in den Bundesrat gewählt würde? «Mit solchen Dingen befassen sich Aussenstehende», sagt Rahel Blocher. «Ich führe solche Diskussionen nicht auf Vorrat.» Eine Absage tönt anders. (saw/ch media)

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quelle: keystone / christian merz
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