Schweiz
Gesellschaft & Politik

Andreas Glarner will Cédric Wermuth den Lohn kürzen

SVP-Glarner will SP-Wermuth den Lohn kürzen – dieser schweigt

Für zwei Monate hat sich Cédric Wermuth, Nationalrat und Co-Präsident der SP Schweiz, mit seiner Familie eine Auszeit von der Politik genommen. Deshalb will ihm Nationalrat und SVP-Aargau-Präsident Andreas Glarner nun den Lohn kürzen. Wermuth nimmt die Forderung kommentarlos zur Kenntnis, auch die SP äussert sich nicht.
22.02.2024, 20:52
Fabian Hägler / ch media
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Cédric Wermuth, Nationalrat und Co-Präsident der SP Schweiz (rechts), und Andreas Glarner, SVP-Nationalrat und Präsident der SVP Aargau
Cédric Wermuth, Nationalrat und Co-Präsident der SP Schweiz (rechts), und Andreas Glarner, SVP-Nationalrat und Präsident der SVP AargauBild: aargauerzeitung/keystone

Nationalräte verdienen im Jahr rund 130000 Franken. Ein Teil davon sind Sitzungsgelder, die sie nur erhalten, wenn sie im Bundeshaus anwesend sind. Einen Teil des Lohnes erhalten die Parlamentarier aber pauschal. Dies gilt auch für den Aargauer Nationalrat und SP-Co-Präsidenten Cédric Wermuth: Obwohl dieser nach der Wintersession, die kurz vor Weihnachten endete, eine zweimonatige Auszeit nahm, wird ihm Geld ausgezahlt.

SVP-Nationalrat und Kantonalpräsident Andreas Glarner stösst dies sauer auf. Er kündigt gegenüber Tele M1 an, nächste Woche einen Vorstoss einzureichen, um Wermuth den Lohn zu kürzen. Glarner sagt, er wolle das Parlamentsgesetz entsprechend ändern lassen. Weder die Parteileitung der SP Aargau, noch Ratskollegen von in Bern wollten sich gegenüber dem Regionalsender zu Glarners Forderung äussern. Der kritisierte Wermuth selber meldete sich zwar aus seiner Auszeit, nahm den angekündigten Vorstoss aber ohne Kommentar zur Kenntnis.

Glarner forderte schon früher einen Lohnverzicht

Andreas Glarner hatte den Entscheid von Cédric Wermuth, sich mit seiner Familie eine Auszeit zu gönnen, bereits Ende November 2023 kritisiert, als der SP-Vertreter dies auf Twitter publik machte. Als Nationalrat habe man eine Verpflichtung gegenüber den Wählerinnen und Wählern, betonte Glarner. «Diese muss Cédric Wermuth wahrnehmen, wenn er dies nicht tut, dann hoffe ich, dass er auf den Lohn verzichtet», sagte der SVPler bei Tele M1.

Maja Riniker (FDP), selber Mutter und designierte Nationalratspräsidentin im kommenden Jahr, äusserte sich differenzierter. Wermuth habe gesagt, dass er für die Öffentlichkeit nicht zur Verfügung stehe, «ich gehe aber davon aus, dass er an den Kommissionssitzungen teilnehmen wird», sagte sie. Aus ihrer Sicht sollte es in der Politik möglich sein, nach den Wahlen für zwei Monate die Priorität auf die Familie zu legen.

Wermuth äusserte sich auch damals nicht weiter zu seiner Auszeit. Politologe Mark Balsiger gab zu bedenken, das Parteipräsidium sei gerade in einem Wahljahr wie 2023 ein Knochenjob. Man dürfe Verständnis haben, wenn Wermuth eine längere Pause einlegen wolle, erklärte Balsiger. Das System der SP sei prädestiniert dafür, dass während der Auszeit Co-Präsidentin Mattea Meyer übernehme. (aargauerzeitung.ch)

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248 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Acai
22.02.2024 21:12registriert März 2017
Dann müsste auch Köppel massiv Geld zurückbezahlen für all seine Abwesenheiten.
Und wenn man schon dabei ist, könnte man diversen Altbundesräten auch gleich die Rente kürzen. Die wissen ja, wie man mit wenig Geld durchkommt und bekommen viel Zuviel.
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Elmas Lento
22.02.2024 21:11registriert Mai 2017
Die relevante Frage ist, gibt es während seiner Auszeit eine Session? Wenn ja wäre eine Kürzung legitim, wenn nein ist alles OK, denn ein NR-Mandat gilt ja nicht als Vollzeitjob.
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mille_plateaux
22.02.2024 22:18registriert Juni 2017
Wermuth hatte angekündigt, sich «nach Weihnachten für zwei Monate» zurückzuziehen. Also öppe vom 26.12.2023 bis zum 26.02.2024.

Aus der Webseite des Parlaments:

ORDENTLICHE SESSIONEN (JE 3 WOCHEN)
Frühjahr: 26. Februar – 15. März
Sommer: 27. Mai – 14. Juni
Herbst: 9. – 27. September
Winter: 2. – 20. Dezember

Der Mann verpasst keinen einzigen Arbeitstag. Und diese, ähm, «Recherchearbeit» hätte die Aargauer Zeitung ruhig selbst übernehmen können, statt dem Oberpolteri die Steigbügel zu halten.
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