Schweiz
Gesellschaft & Politik

Post soll nur noch 90 Prozent der Briefe fristgerecht zustellen müssen

Post muss nicht mehr zu jedem nach Hause kommen

14.06.2024, 14:3014.06.2024, 14:59
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Der Bundesrat will der Post längere Zügel lassen. Sie soll nur noch 90 Prozent der Briefe und Pakete fristgerecht zustellen müssen. Auch die Verpflichtung, jedes ganzjährig bewohnte Haus mit Post zu versorgen, soll fallen.

Eine TV-Kamera steht vor Postfaechern, vor einem Interview mit Roberto Cirillo, CEO Schweizerische Post, am Mittwoch, 29. Mai 2024, in Bern. Die Post gab heute die Schliessung von 170 Poststellen beka ...
Nur noch 90 Prozent der Briefe und Pakete sollen den Vorgaben zufolge fristgerecht eintreffen.Bild: keystone

Das soll die Post bis 2026 um bis zu 45 Millionen Franken im Jahr entlasten. Wie der Bundesrat am Freitag mitteilte, ist die Finanzierung der Grundversorgung damit vorläufig sichergestellt.

Der Bundesrat reagiert in der anvisierten Verordnungsrevision mit einer kleinen Reform auf die Herausforderungen der Post. Sein Vorschlag gibt die Stossrichtung für eine Vernehmlassungsvorlage zur Revision der Postverordnung vor. Diese soll das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) bis Ende Februar 2025 erarbeiten.

Postgesetz muss revidiert werden

In einem zweiten Schritt hält die Landesregierung eine umfassende Modernisierung der Grundversorgung jedoch für unumgänglich. Für die dazu erforderliche Revision des Postgesetzes soll das Uvek 2025 Eckwerte zur Ausgestaltung der Grundversorgung ab 2030 vorlegen. Der Bundesrat legt sich deshalb nicht bereits zum aktuellen Zeitpunkt auf weitere Massnahmen fest.

Für die Haushalte bedeutet die zunächst geplante Verordnungsrevision eine geringere Pünktlichkeit der Post. Nur noch 90 Prozent der Briefe und Pakete sollen den Vorgaben zufolge fristgerecht eintreffen. Zurzeit gelten 97 Prozent bei Briefen und 95 Prozent bei Paketen. Die seit 2021 geltende Pflicht zur Zustellung an alle ganzjährig bewohnten Häuser soll entfallen.

Stärkeres digitales Angebot

Den durch die Digitalisierung veränderten Gewohnheiten von Bevölkerung und Firmen will der Bundesrat mit der Aufnahme des digitalen Briefs in die Post-Grundversorgung entgegenkommen. Die Briefmenge der Post ist im letzten Jahrzehnt um einen Drittel gesunken. Bis 2030 rechnet die Post mit einem weiteren Rückgang um 30 Prozent.

Der digitale Zahlungsverkehr ist weit fortgeschritten. Das schlägt sich am Postschalter nieder. Die Bareinzahlungen dürften dort bis 2030 sogar um 80 Prozent zurückgehen. Da Bargeld weiterhin eine wichtige Rolle spielt, will der Bundesrat indessen an analogen Barzahlungen festhalten.

Künftig soll das Zahlungsverkehrskonto aber auch ein Online-Zahlungsmittel, etwa eine Debitkarte oder eine Bezahl-App, und einen Internetzahlungsverkehr enthalten. Die Nutzung des digitalen Angebots ist freiwillig. (sda/ome)

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155 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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El_Chorche
14.06.2024 15:09registriert März 2021
Schlau durchdacht:

- unpassende Öffnungszeiten von Postfilialen einführen
- Postfilialen schliessen, weil dadurch wenig frequentiert
- Bonus weil Effizienzsteigerung

Leute... ich mag nicht mehr mitzählen, wann und wie oft wir verarscht werden.

Mag da jemand für die nächsten 100mal übernehmen? Ab Juli mach ichs dann wieder.
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goschi
14.06.2024 15:07registriert Januar 2014
Moment...
Weniger Filialen wurde doch begründet damit, dass ja alles am Hauseingang erledigt werden könne.

Jetzt will man aber eben dies einschränken?

Service pu...payable wohl eher!
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moutarde
14.06.2024 15:23registriert Januar 2016
… Roberto Cirillo kassierte letztes Jahr 671’000 Franken Fixlohn, 111’000 Franken Erfolgsbonifikation, Spesen und eine Repräsentationspauschale von 30’000 sowie sonstige Nebenleistungen = total 821’000 Franken.
Die Leistungen werden gekürzt und das Gehalt des CEO erhöht - irgendwie stimmt da was nicht.
Sorry, der Preis für die A- und B-Marken sind ja auch erhöht worden 😉
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