Schweiz
Gesellschaft & Politik

Bauland-Affäre: Parmelin hätte informieren müssen

SVP-Bundesrat Guy Parmelin.
SVP-Bundesrat Guy Parmelin.
Bild: KEYSTONE

Bauland-Affäre: Bundesrat sagt, Parmelin hätte informieren müssen 

18.05.2016, 16:3018.05.2016, 16:30

Verteidigungsminister Guy Parmelin hätte den Bundesrat darüber informieren müssen, dass er Eigentümer einer landwirtschaftlichen Parzelle in der Bauzone ist. Zu diesem Schluss kommt der Bundesrat. Ob Parmelin in den Ausstand hätte treten müssen, bleibt offen.

Der Bundesrat befasste sich am Mittwoch mit den Fragen, die ihm die Geschäftsprüfungskommissionen der Räte im Zusammenhang mit Parmelins Bauland-Affäre gestellt hatten. Aus seiner Sicht hätte dieser im konkreten Fall seine Interessenbindung gegenüber dem Kollegium offenlegen sollen, wie es in einer Mitteilung heisst.

Parmelin (vorne) mit Kollegen aus dem Bundesrat.
Parmelin (vorne) mit Kollegen aus dem Bundesrat.
Bild: KEYSTONE

Der Bundesrat hätte anschliessend entscheiden können, ob die Voraussetzungen für einen Ausstand erfüllt sind. Dies ist dann der Fall, wenn ein unmittelbares persönliches Interesse an einem Geschäft vorliegt. Parmelin bestreitet das, gestand aber ein, einen politischen Fehler gemacht zu haben.

Er hatte sich Anfang März aktiv für die privilegierte Besteuerung landwirtschaftlicher Grundstücke eingesetzt. Damals war er selber noch Miteigentümer einer Parzelle, die davon profitiert hätte. Wegen einer Gewinnbeteiligung hätte er auch noch nach der Übertragung an seinen Bruder einen Vorteil davon, wenn auf dem Gewinn aus einem allfälligen Verkauf keine Bundessteuer bezahlt werden muss. Auf die Gewinnbeteiligung will der ehemalige Landwirt nun aber verzichten.

Hätte er in den Ausstand treten müssen?

Der Bundesrat nimmt zur Kenntnis, dass sich Parmelin der Offenlegungspflicht nicht bewusst gewesen war und dass er heute anders handeln würde. Offen bleibt, ob die Voraussetzungen für den Ausstand erfüllt gewesen wären. In dem Fall hätte Parmelin weder einen Mitbericht zur Besteuerung landwirtschaftlicher Grundstücke verfassen noch über das Geschäft abstimmen dürfen.

Der Bundesrat hält in dem Zusammenhang lediglich fest, dass der objektive Anschein der Befangenheit in diesem Fall nicht ausreicht, um die Ausstandspflicht zu begründen. Diese sei ein wichtiges Instrument zur Vermeidung von Interessenkonflikten und zum Schutz der Glaubwürdigkeit und der Akzeptanz des Bundesrates und seiner Entscheide, heisst es in der Mitteilung.

Die Geschäftsprüfungskommissionen wollen sich morgen Donnerstag mit den Antworten des Bundesrats zur Ausstandspflicht befassen. Eine Information darüber ist für den frühen Abend vorgesehen. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
5 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5
Strom vor Edison – wie ein Bündner Hotelier schneller war als die Glühbirne
Johannes Badrutt wollte den Gästen in seinem Hotel Kulm in St. Moritz etwas ganz Exklusives bieten. Er installierte das erste Wasserkraftwerk der Schweiz und brachte im Speisesaal die erste elektrische Lampe zum Leuchten – noch bevor Edison die Glühbirne erfand. Ein historisches Ereignis mit ungeahnten Folgen.
Es ist der 18. Juli 1879 abends. Eine illustre Gästeschar von 100 Personen hat sich im grossen Speisesaal des Hotels Kulm in St. Moritz zum Diner eingefunden. Das Hotel ist die erste Adresse im Ort, wo sich sommers wie winters die anspruchsvolle Kundschaft vor allem aus England verwöhnen lässt. An diesen Sommerabend hält Johannes Badrutt eine besondere Überraschung bereit. Als die Gäste an der langen Table d’hôte Platz genommen haben und die Dämmerung einsetzt, schaltet er das Licht ein.
Zur Story