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Silvia Steiner attackiert Glarner: «Betreibt Hetze»

Die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner und SVP-Hardliner Andreas Glarner.
Die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner weist SVP-Hardliner Andreas Glarner in die Schranken.Bild: keystone/shutterstock/watson

«Wer so Hetze betreibt …»: Mitte-Steiner attackiert Glarner nach Gender-Tweet frontal

Die Sekundarschule in Stäfa ZH musste einen «Gender-Tag» absagen. Verantwortlich gemacht wird SVP-Hardliner Andreas Glarner. Nun kritisiert ihn die Zürcher Bildungsdirektorin scharf.
12.05.2023, 13:3212.05.2023, 19:00
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Die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner (Mitte) bezeichnet es als inakzeptabel, dass der Gender-Tag an der Sekundarschule in Stäfa nach Drohungen abgesagt werden musste. Eine derartige Hetze sei fehl am Platz.

Der Begriff «Gender» sei leider aufgeladen, hielt Steiner am Freitagmittag im Regionaljournal Zürich-Schaffhausen vom Schweizer Radio SRF fest. Dabei gehe es um Fragen der Gleichstellung oder darum, wie man mit Sexualität umgehe. Das seien Themen, die die Schule thematisieren müsse, was auch im Lehrplan 21 vorgesehen sei. An der Sekundarschule in Stäfa wurden seit zehn Jahren «Gender-Tage» durchgeführt.

«Wer in dieser Art Hetze betreibt und Personendaten veröffentlicht, nimmt seine Verantwortung als Politiker nicht wahr.»
Silvia Steiner

Dieser Unterricht hatte zuvor kaum Wellen geworfen – in diesem Jahr kam es allerdings zu einem Shitstorm in den sozialen Medien. Nach Drohungen und Telefon-Terror gegen Schulmitarbeitende sagte die Stäfner Schule den «Gender-Tag» vom kommenden Montag kurzfristig wieder ab.

Andreas Glarner Gender-Tag
SVP-Nationalrat Andreas Glarner twitterte die Telefonnummer einer Schulsozialarbeiterin.Bild: keystone/screenshot twitter

Dass etwa der Aargauer SVP-Nationalrat Andreas Glarner auf Twitter die Absetzung der Schulleitung gefordert hatte und die Einladung zum Gender-Tag mitsamt einer sichtbaren Handynummer einer Schulsozialarbeiterin veröffentlichte, kritisierte Steiner im Radio. «Wer in dieser Art Hetze betreibt und Personendaten veröffentlicht, nimmt seine Verantwortung als Politiker nicht wahr.»

Glarner «ohne Kenntnis der Fakten»

Das sei umso bedenklicher, als es jetzt zum zweiten Mal mit derselben Person (Glarner) passiere, und dies «wieder ohne Kenntnis der Faktenlage», hielt Steiner fest. Hätte man sich informiert, hätte man gesehen, dass der Anlass in Stäfa ein guter sei. Gegner des Gender-Tags glauben dies nicht und schreiben in sozialen Netzwerken von «Indoktrinierung an den Schulen».

Auch Andreas Glarner twitterte am Freitag, dass die Einladung das Logo der Transgender-Community getragen habe und die Kinder darin mit Gender-Stern angesprochen worden seien.

Da die Teilnahme am Anlass obligatorisch sei, habe er diese Einladung öffentlich gemacht. «Wir Eltern vertrauen unsere Kinder der Schule an.» Die Sekundarschule Stäfa will den Gender-Tag in Zukunft wieder durchführen – beim nächsten Mal unter einem anderen Namen.

Wiederholungstäter

Andreas Glarner stand bereits 2019 in der Kritik, weil er die Telefonnummer einer Lehrerin auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hatte.

Die Lehrerin hatte einem muslimischen Kind für das Fastenbrechen frei gegeben. Darüber enervierte sich der SVP-Nationalrat derart, dass er auf Facebook dazu aufrief: «Vielleicht möchte jemand der Lehrerin mitteilen, was man davon hält.» Glarner löschte die Personalien der Lehrerin erst einige Stunden später, nachdem die Schule ihm – laut Glarners Aussagen – damit gedroht habe, Anzeige wegen Persönlichkeitsverletzung einzureichen.

Nichts gelernt aus Vergangenheit

Dass Glarner die Lehrperson direkt angreift, sorgte für viel Kritik, da es in der Zürcher Volksschulordnung ausdrücklich vorgesehen ist, dass sich Kinder aller Konfessionen bei hohen religiösen Feiertagen dispensieren lassen können.

Ähnlich ist es beim Gender-Tag, der in Stäfa hätte stattfinden sollen. Dieser lief unter dem Lehrplan 21, welcher «Geschlechter und Gleichstellung» als fächerübergreifendes Thema und überfachliche Kompetenz festschreibt.

Der SVP-Nationalrat provoziert schon länger mit seinen Aussagen zu Bildungseinrichtungen. 2018 veröffentlichte er einen Auszug einer Klassenliste einer Dübendorfer Schule. Dies, weil auf der Liste nur einer von zwölf Namen «nicht ausländisch klang». Wenig später löschte Glarner den Beitrag und entschuldigte sich öffentlich.

(Mit Inhalten der Nachrichtenagentur sda)

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292 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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marchinon
12.05.2023 13:46registriert April 2018
Bitte liebe Aargauer:innen, wählt den Herrn Glarner im Herbst ab.

Wir machen dafür ein Jahr lang keine Rüebli- und Weisse-Socken-Witze und winken allen freundlich zu, die ein AG-Nummernschild haben.

Danke!
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Güggel
12.05.2023 13:45registriert März 2017
Glarner bekommt für sein unsägliches Verhalten immer wieder viel zu viel Aufmerksamkeit. Dass er nur provozieren will und an einer ernsthaften Debatte kein Interesse hat, ist hinlänglich bekannt. Kalt stellen und endlich abwählen wäre eine zielführende Strategie.
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Bächli
12.05.2023 13:43registriert März 2020
Glarners Provokationen haben System, auch wenn er sich im Nachhinein entschuldigt. Nichts gelernt und trotzdem viele Anhänger in den Blick-Kommentaren.
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