Schweiz
Gesellschaft & Politik

Serge Gaillard verteidigt umstrittene Pläne zur 2. und 3. Säule

So verteidigt der Chefsparer des Bundes die umstrittenen Pläne zur 2. und 3. Säule

Bundesrätin Karin Keller-Sutter will die Altersvorsorge umkrempeln und dabei gewisse Steuervorteile abschaffen. Die Idee stiess bei den Bürgerlichen auf heftige Kritik – so erklärt sich Ökonom Serge Gaillard, der hinter dem Vorschlag steckt.
27.10.2024, 12:1327.10.2024, 18:26
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Vergangenes Wochenende sorgte eine Meldung aus Bundesbern schweizweit für Aufregung. «Keller-Sutters Angriff auf den Mittelstand und die Grossverdiener», titelte die «SonntagsZeitung» und berichtete dabei, dass der Bundesrat die «Steuervorteile der dritten Säule und Pensionskassen abschaffen» wolle. Betroffen seien davon Mittelstand und Grossverdiener – Menschen mit tiefen Einkommen hingegen sollen von der Änderung profitieren.

Der umstrittene Vorschlag stammt dabei aus einer Expertenkommission des Bundesrates. Präsidiert wird diese von Ökonom Serge Gaillard. Dieser wehrt sich nun gegen die heftige Kritik aus dem bürgerlichen Lager. Bei der Umsetzung der Reform bestünde weiterhin ein Vorteil, sagte Gaillard in einem Interview mit der «SonntagsZeitung».

Serge Gaillard, Praesident der Expertengruppe, ehemaliger Direktor EFV, spricht waehrend einer Medienkonferenz der Expertengruppe zur Aufgaben- und Subventionsueberpruefung des Bundes, am Donnerstag,  ...
Ökonom Serge Gaillard hat mit einer Expertengruppe das Vorhaben ausgearbeitet.Bild: keystone

Durch ein geringeres Einkommen im Alter sei der Steuersatz tiefer als jener, den man im Erwerbsleben hatte. «Es lohnt sich weiterhin, im normalen Rahmen in die zweite und dritte Säule einzuzahlen», versichert Gaillard. Weniger attraktiv werde einfach der steueroptimierte Renteneinkauf mit 50 oder 55 Jahren. «Das ist ja auch nicht das Ziel der Altersvorsorge», sagt Gaillard.

Bundesrat lehnte andere Idee ab

Gaillard berichtet zudem, dass man in der Expertengruppe nicht um jeden Preis bei der Altersvorsorge habe ansetzen wollen. «Wir haben dem Bundesrat auch andere Vorschläge auf der Einnahmeseite unterbreitet», sagt er, «zum Beispiel die Einführung einer Grundstückgewinnsteuer auf Bundesebene.» Warum der Bund diesen Vorschlag versenkt habe, wisse er nicht.

Dass der Vorschlag nun auf Kritik stösst, überrascht Gaillard nicht. «Die meisten Massnahmen sind Sparvorschläge. Und überall, wo der Bund spart, gibt es Verlierer», sagt er. Trotzdem seien Einsparungen sinnvoll. Denn: «Häufig lassen sich die angestrebten politischen Ziele mit weniger Steuergeld erreichen.»

Kapitalbezugssteuer soll geändert werden

Konkret wird in der Vorlage eine Gesetzesanpassung gefordert, welche die Kapitalbezugssteuer betrifft – die Steuer, die man entrichten muss, wenn man sein angespartes Altersguthaben aus der zweiten und dritten Säule als Kapital anstatt als Rente beziehen möchte.

Gegenüber den Rentenbezügern waren die Kapitalbezüger bisher im Vorteil, wenn sie mehrere Säule-3-Konti besassen und das Altersguthaben gestaffelt bezogen haben, da die Kapitalbezugssteuer progressiv ist. Die Rente hingegen muss als Einkommen zu einem höheren Steuersatz versteuert werden. Diese «Ungleichheit» möchte der Bundesrat nun aus der Welt schaffen: Indem auch die Kapitalbezugssteuer einkommensabhängig gemacht werden soll, würden viel mehr Menschen in eine höhere steuerliche Progression fallen. Sie müssten also mehr Steuern bezahlen.

Letztendlich dürfte die Aufregung um die Vorlage umsonst gewesen sein. Auf linker Seite, wo die Idee auf Anklang stösst, ist der Optimismus gering. SP-Nationalrätin Jacqueline Badran sagte gegenüber watson: «Die Rechten werden das Vorhaben versenken.» Sie erwarte nicht, dass es der Vorschlag durchs bürgerlich dominierte Parlament schaffe. (dab)

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128 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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CH-Bürger
27.10.2024 13:09registriert Juni 2018
Diesmal spreche ich wahrscheinlich aus dem Herzen aller Mittelständler, denn uns wurde aufgrund unserer Altersvorsorge immer empfohlen, in die 3. Säule einzuzahlen. Wir haben es getan und durch Verzicht alles oder zumindest einen Teil für die 3. Säule gespart und dies, obwohl das Geld in den letzten Jahren fast null Zinsen gebracht hat. Jetzt, was für ein Zufall, werden wir Babyboomer schon wieder zur Kasse gebeten, obwohl wir hier 3 mal beschissen werden, indem uns der sogenannte Steuervorteil wieder weggenommen wird, wir einen mickrigen Zins hatten und das Geld gebunden war.
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Only G
27.10.2024 12:41registriert Dezember 2016
I doubt this: im Alter wird zwar das Einkommen geringer, es fallen aber praktisch alle Abzüge raus. Dadurch sinken die Steuern deutlich weniger als das Einkommen (trotz Progression).
Das gleiche Spiel wie bei der 13. AHV: am Schluss bezahlt man den „Vorteil“ wieder selber (da geht auch ein schöner Teil als Steuern zurück).
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Pitch Black
27.10.2024 17:07registriert März 2022
Warum soll ich das Kapital der Säule 3a Jahrzehnte nicht zur Verfügung haben wenn ich es so oder so als Einkommen versteuern muss. Der Zins ist auch nicht viel höher also verzichte ich auf eine Säule 3a habe die Flexibilität und kann mein Geld anlegen wie ich will und auch jederzeit beziehen wenn notwendig. Der einzige Vorteil hat ja darin bestanden das eben nicht als Einkommen versteuert werden muss.
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