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So funktioniert Social Distancing in Indonesien.
So funktioniert Social Distancing in Indonesien.Bild: EPA

Willst du heute Freunde treffen? Dieses Tool zeigt dir, warum das keine gute Idee ist

Dass Abstandhalten Leben rettet, sollte inzwischen bei allen angekommen sein. Doch was bringt Social Distancing wirklich? Ein neues Onlinetool bringt erste Antworten – und diese sind eindrücklich.
20.03.2020, 17:0321.03.2020, 18:57

Für viele Menschen ist es schwer abzuschätzen, wie gravierend es wirklich ist, wenn man sich trotz staatlichem Lockdown weiterhin unter die Leute mischt. Muss ich nun wirklich auf den Sonntagsbrunch verzichten? Darf ich meine Freunde wirklich nicht auf ein Feierabendbier treffen?

Ein kanadisches Team von Wissenschaftlern hat sich dieser Frage angenommen und ein interaktives Tool programmiert, das genau diesen Fragen nachgeht. Das Modell berechnet die Anzahl Infizierte und Tote – unter Berücksichtigung der Bettenkapazitäten in den Spitälern. Selbsterklärend handelt es sich dabei um eine Modellrechnung – doch diese gibt einen guten Anhaltspunkt, warum Social Distancing so wichtig ist.

Um ein Modell für das eigene Land zu erhalten, wählt man dieses zuerst aus. Danach kann man beginnen, damit herumzuspielen: Mit einem Slider ändert man die Anzahl Personen, auf die ein mit dem Coronavirus Infizierter (der sich dessen möglicherweise noch gar nicht bewusst ist) trifft.

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Wir haben für die Schweiz drei Szenarien durchgespielt.

Infizierter trifft täglich auf 15 Personen

Gehen wir davon aus, dass jeder Infizierte in der Schweiz im Schnitt täglich 15 verschiedene Leute trifft, darunter sind Sitznachbarn im ÖV, Büromitarbeiter, Servierpersonal im Restaurant und so weiter.

Das Modell für die Schweiz zeigt folgende Kurve. Nach rund 38 Tagen, also gut fünf Wochen, ist der Peak erreicht: Über 2 Millionen Menschen wären in der Schweiz gleichzeitig mit dem Coronavirus infiziert.

Uninfected = Nicht infizierte (hellgrau), Recovered = Genesene (dunkelgrau), Infected = Infizierte (gelb)
Uninfected = Nicht infizierte (hellgrau), Recovered = Genesene (dunkelgrau), Infected = Infizierte (gelb)Bild: corona-calculator.herokuapp.com

Und das hätte gravierende Auswirkungen auf unser Gesundheitssystem. Die Schweiz verfügt laut den Autoren über knapp 40'000 Spitalbetten. Zu Spitzenzeiten wären nach diesem Modell über 60'000 Personen auf ein solches Bett angewiesen – also hätte rund ein Drittel aller kritischen Patienten keinen Platz.

Hospitalized = hospitalisierte (hellrot), Dead = Tote (dunkelrot)
Hospitalized = hospitalisierte (hellrot), Dead = Tote (dunkelrot)Bild: https://corona-calculator.herokuapp.com/

Und das wiederum hätte fatale Folgen: Die Autoren kommen mit ihren Berechnungen auf rund 53'000 Tote während dieser Epidemie, alleine in der Schweiz.

Infizierter trifft täglich auf 8 Personen

Schaffen wir es, die Anzahl Personen, auf die ein/e Infizierte/r täglich trifft, gesamtschweizerisch auf einen Schnitt von 8 Personen zu reduzieren, ist schon eine klare Verbesserung sichtbar.

In diesem Modell wäre der Peak erst nach knapp 100 Tagen erreicht, also nach gut dreieinhalb Monaten. Die Anzahl gleichzeitig Infizierter würde die 500'000er-Marke wohl nicht überschreiten.

Uninfected = Nicht infizierte (hellgrau), Recovered = Genesene (dunkelgrau), Infected = Infizierte (gelb)
Uninfected = Nicht infizierte (hellgrau), Recovered = Genesene (dunkelgrau), Infected = Infizierte (gelb)Bild: corona-calculator.herokuapp.com

Zu Spitzenzeiten wären rund 12'000 Menschen hospitalisiert, sie alle hätten Platz in unseren Spitälern und könnten versorgt werden.

Hospitalized = hospitalisierte (hellrot), Dead = Tote (dunkelrot) <br><em>Achtung: Skala hat sich verändert, im Vergleich zur obigen Grafik</em>
Hospitalized = hospitalisierte (hellrot), Dead = Tote (dunkelrot)
Achtung: Skala hat sich verändert, im Vergleich zur obigen Grafik
Bild: https://corona-calculator.herokuapp.com/

Trotzdem gehen die Autoren des Tools in diesem Fall von knapp 30'000 Toten in der Schweiz aus.

Infizierter trifft täglich auf 5 Personen

Schaffen wir es, den Schnitt auf fünf Personen herunterzubringen, hätte Covid-19 in der Schweiz kaum verheerende Folgen. Rund 30'000 Personen würden sich infizieren – man bedenke, heute Freitag zeigen die offiziellen Zahlen bereits gut 4000 Infizierte.

Uninfected = Nicht infizierte (hellgrau), Recovered = Genesene (dunkelgrau), Infected = Infizierte (gelb)
Uninfected = Nicht infizierte (hellgrau), Recovered = Genesene (dunkelgrau), Infected = Infizierte (gelb)Bild: corona-calculator.herokuapp.com

Während der intensivsten Zeit müssten gut 700 Personen im Spital versorgt werden. Die erwartete Zahl an Todesfällen läge bei rund 1500 Personen.

Hospitalized = hospitalisierte (hellrot), Dead = Tote (dunkelrot) <br><em>Achtung: Skala hat sich verändert, im Vergleich zur obigen Grafik</em>
Hospitalized = hospitalisierte (hellrot), Dead = Tote (dunkelrot)
Achtung: Skala hat sich verändert, im Vergleich zur obigen Grafik
Bild: https://corona-calculator.herokuapp.com/

Fazit

Was wir daraus lernen: Natürlich gibt es Menschen in der Schweiz, die täglich aus beruflichen Gründen dutzende andere Menschen treffen – darunter beispielsweise unser Gesundheitspersonal oder Personen im Detailhandel.

Wenn jedoch alle anderen mithelfen, den Schnitt so weit wie möglich herunterzuziehen, lässt sich Schlimmeres verhindern. Und das bedeutet für alle, denen es möglich ist: Bleibt zu Hause, reduziert den Kontakt zu anderen Menschen auf das absolute Minimum.

Hier kannst du das Tool selbst ausprobieren – mit anderen Zahlen, oder für andere Länder.

Zur Berechnung
Das Tool nutzt zur Berechnung der Ausbreitung das sogenannte SIR-Modell. Die Autoren gehen davon aus, dass 19% aller Infizierten hospitalisiert werden müssen. Bei den Sterblichkeitsraten nach Alter stützten sie sich auf eine Studie des Imperial College COVID-19 Response Team. Mehr Details zur Methodik beschrieben die Autoren hier. Es handelt sich bei den Berechnungen um Annäherungen an die Realität.

(lea)

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Coronavirus: Was du wissen musst

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Coronavirus: Was du wissen musst
quelle: ap / zoltan balogh
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Wegen Coronakrise sind in Italien die Spitäler am Limit

Video: srf

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51 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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farbar
20.03.2020 17:24registriert April 2015
Ich bin beeindruckt von den virologischen Voraussagen, aber auch von der Wirkung der Beachtung der Forderung: nicht mehr als 5 Personen täglich treffen. Das Virus arbeitet gegen uns ohne Verstand. Aber wir haben einen. Nutzen wir ihn!
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KarlWeber
20.03.2020 18:32registriert März 2017
Interessant, ich denke bei Treffen ist gemeint < 2m für ein paar Minuten ?

Dann treffe ich persönlich nur noch drei Personen. 2x Mitbewohner und 1x Freundin.
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DaniSchmid
20.03.2020 21:11registriert Februar 2014
Zu diesen ‚wieviele Spitalbetten...?‘ Gesankenspielen: Diese Betten sind im Fall nicht frei, sondern grösstenteils durch chronisch Kranke, Unfallopfer und andere besetzt. Wiegt euch mal besser nicht in falscher Sicherheit.
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