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App zeigt, wo die Schweizer Velo fahren: Nur die Verkehrsplaner wollen nichts von der Heatmap wissen

Das Fitness-App Strava sammelt Daten von Velofahrern und Joggern und visualisiert diese in einer Heatmap. Pro Velo fordert, dass Städte solche Daten als Planungsgrundlage für neue Velo-Routen benützen. Zürich winkt ab, Bern zeigt sich offen.
23.03.2015, 13:5011.11.2020, 09:36
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Daten von weltweit über 77 Millionen Velo- und knapp 20 Millionen Jogging-Routen hat das «Social-Fitness-Netzwerk» Strava bereits gesammelt. Und daraus jetzt eine Heatmap entwickelt; eine Karte, die zeigt, wo Strava-Nutzer am häufigsten Joggen und Velo fahren.

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In Zürich beispielsweise sind die Wege am Wasser (Sihl, Limmat, Seeufer) deutlich am beliebtesten, am meisten Velofahrer sind auf den Verkehrsachsen (Langstrasse – Kornhausbrücke und Bahnhofquai) anzutreffen.

Berner Jogger laufen entlang der Aare.
Berner Jogger laufen entlang der Aare.bild: screenshot strava heatmap

Auch in Bern führen die Jogging-Routen entlang der Aare, die von Velofahrern am meisten frequentierte Strasse ist die Lorrainebrücke (siehe Bilder). Hier geht's zur Karte.

Am häufigsten benutzte Velo-Route: Lorrainebrücke – Bahnhof.
Am häufigsten benutzte Velo-Route: Lorrainebrücke – Bahnhof.bild: screenshot strava heatmap
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Strava bietet Städten Daten zum Verkauf an

Die App nützt nicht nur dem Unternehmen Strava und wettbewerbsverrückten Sportlern sondern auch Städteplanern: Die Datensätze können wichtige Anhaltspunkte dazu liefern, wo neue Lauf- und Velowege gebaut werden müssen – eine Mobilitätsstatistik, rascher und billiger als Verkehrszählungen.

Strava
Die «Social-Fitness-App» Strava selber bewirbt sich vor allem mit dem Wettbewerbsgedanken: Nutzer landen auf einer Rangliste, können so Strecken vergleichen und sich mit anderen Sportlern – sogar Profis wie Michael Albasini oder Laurens Ten Dam – vergleichen, die ihre Trainingsausfahrten auf Strava veröffentlichen. Im Gegensatz dazu liefert der Nutzer Strava viele persönliche Daten; Gewicht, Alter, Gesundheit. Fans sagen, mit der Heatmap können in Städten, in denen man sich nicht auskennt, beliebte Routen gefunden, in der eigenen Stadt vielleicht auch mal gemieden werden. Kritiker von Apps wie Strava monieren, mit der ständigen Vermessung des Selbst würde man Opfer des eigenen Kontrollwahns.

Der US-Staat Oregon nutzt den Datensatz bereits. Das Verkehrsministerium erhält gegen Lizenzzahlungen Zugang zu Strava-Daten über die Wege, die Läufer und Velofahrer benutzen. Um Datenschutz-Bedenken aus dem Weg zu räumen, betont Strava, die Informationen würden in «anonymisierter und aggregierter Form» weitergegeben. Ein Rückschluss auf einzelne Nutzer sei damit nicht möglich.

Sollen die Städte solche Daten als Planungsgrundlage nehmen?

«Jegliches Material ist interessant»

Ist das die Zukunft der Datenerhebung? Und ist dies eine Option für die Schweiz? Beim Zürcher Tiefbauamt wird auf die eigene, mittlerweile fünfjährige Mobilitätsstatistik verwiesen. «Es gibt einen Masterplan Velo, dessen Grundlage unsere eigenen Verkehrszählungen sind», teilt Mediensprecher Stefan Hackh mit.

Der jüngste Streich der Velo-Stadt Zürich: Ein 60-Zentimeter-Radstreifen an der Rämistrasse. Video: YouTube/watson

Auf Strava angesprochen sagt er: «Über den Daumen gepeilt scheint es mir zu wenig repräsentativ, zu sehr nur eine Momentaufnahme.» Erst wenn genug Daten vorhanden seien, sei es eine Überlegung wert, «sich das mal anzuschauen».

Jogger am Wasser: Die beliebtesten Lauf-Routen in Zürich sind entlang der Flüsse Limmat und Sihl und entlang des See-Ufers.
Jogger am Wasser: Die beliebtesten Lauf-Routen in Zürich sind entlang der Flüsse Limmat und Sihl und entlang des See-Ufers.bild: screenshot strava heatmap

Auch die Stadt Bern erhebt Daten zum Veloverkehr mit einem Zählstellen-Netz. «Das sind aber nur wenige Zählstellen, ausserdem dauert es dann jeweils zwei, drei Jahre, bis die Daten aufbereitet sind», sagt Judith Albers von der Fachstelle Fuss- und Veloverkehr. Mit alternativen Erhebungsmethoden wie Daten von Fitness-Apps habe man sich noch nicht auseinandergesetzt.

«Punkto Velostatistik ist die Schweiz ein Entwicklungsland.»
Jean-François Steiert, Präsident Pro Velo Schweiz

Nationalrat Jean-François Steiert, Präsident von Pro Velo Schweiz, kann darauf nur trocken lachen. Obwohl drei von vier Schweizern ein Velo besässen, sei das mit Zählmaschinen erhobene Datenmaterial ausgesprochen schlecht. «Punkto Velostatistik ist die Schweiz ein Entwicklungsland», sagt Steiert.

Bis jetzt beschränkten sich die Städte und Kantone auf «Ad-Hoc-Empfehlungen». «Dabei wäre jegliches Material interessant, auch wenn es nicht unbedingt wissenschaftlichen Kriterien entspricht», sagt Steiert. Pro Velo fordere deshalb, dass auch solche alternativ erhobenen Datensätze geprüft werden.

Wieso fahren Zürcher Velo?

Eine Animation von Michael Eugster, ZHdKVideo: YouTube/Michael M. Eugster
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5 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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zhch
23.03.2015 22:19registriert Januar 2015
Das Problem: Auf Strava werden Touren von Sportlern hochgeladen... Und das ist gerade NICHT der Alltags-Veloverkehr, dem man helfen möchte.
Toll und eine echte Verkehrsentlastung wären:
Pendelstrecken bis in die Innenstadt (mit Vorrang & durchgängig!), v.a. entlang beider Seeufer. Besonders wirksam in Kombination mit hoher Maut für Autos.
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