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Reiserückkehrer müssen vielleicht bald nur noch sieben Tage in Quarantäne.
Reiserückkehrer müssen vielleicht bald nur noch sieben Tage in Quarantäne.Bild: KEYSTONE

Warum die Reise-Quarantäne nun auf sieben Tage verkürzt werden könnte

Die Reise-Quarantäne soll auf sieben Tage verkürzt werden. Stein des Anstosses war eine ETH-Studie. Dem Kanton Bern geht das zu wenig weit: Er würde die Quarantäne gleich ganz abschaffen.
14.10.2020, 20:14

Es ist komisch, in Zeiten von explodierenden Fallzahlen über Lockerungen zu reden, doch genau das wird derzeit gemacht.

Der Bund will gemäss Tages-Anzeiger die Reise-Quarantäne-Regel von heute zehn auf sieben Tage senken. Geplant sei eine sogenannte Test-und-Freigabe-Strategie: Wer am sechsten Tag der Quarantäne einen PCR-Test macht und ein negatives Resultat erhält, darf die Wohnung ab dem siebten Tag wieder verlassen. Den Test müssten die Betroffenen selber finanzieren.

ETH-Studie sieht besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis

Stein des Anstosses war die Covid-Taskforce des Bundes. Sie hat eine Studie in Auftrag gegeben, in der Aufwand und Nutzen der Quarantäne aufgerechnet wurden, um die optimale Mischung zu finden. Das Ergebnis: Das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis entsteht, wenn Personen nach sechs Tagen Quarantäne getestet werden und bei negativem Resultat am siebten Tag aus der Quarantäne entlassen werden. Die Studie ist noch nicht peer-reviewed.

Die drei ETH-Forscher machen jedoch darauf aufmerksam, dass jede Reduktion der Quarantänezeit die Verbreitung des Virus erhöht. Die Inkubationszeit beträgt nämlich nach wie vor bis zu zwei Wochen. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass eine zehntägige Quarantäne 90 Prozent aller Ansteckungen durch Kontaktpersonen verhindere. Bei einer einwöchigen Quarantäne mit Test sind es immerhin noch 82 Prozent.

Betrachtet man nur die Zahlen der Reisenden aus Risikoländern, wird die Differenz kleiner. 73 Prozent der Ansteckungen werden mit einer Quarantäne von zehn Tagen vorgebeugt, 72 Prozent bei sieben Tage mit Test.

Immense Kosten für Wirtschaft und Gesellschaft

Bereits seit einiger Zeit wird über die Quarantäne-Regel diskutiert. Weil die Corona-Fallzahlen mittlerweile in ganz Europa stark steigen und auch die Schweiz die eigens gesetzte Grenze von täglich 60 Infektionen pro 100'000 Einwohner überschreitet, zweifeln vor allem wirtschaftsnahe Kreise am Sinn der Quarantäne. Sie beklagen, dass die grosse Anzahl an Personen in Quarantäne immense gesellschaftliche und wirtschaftliche Kosten nach sich ziehe.

Auch die Gesundheitsdirektion des Kantons Bern hält die jetzige Regelung für überflüssig: «Die Reisequarantäne kann aus Sicht des Kantons Bern aufgehoben werden», sagte der Sprecher des Berner Gesundheitsdirektors Pierre Alain Schnegg (SVP). Dies, weil aus Sicht des Kantons die Gefahr einer Ansteckung im Ausland mittlerweile oftmals kleiner sei als in der Schweiz selbst. Deswegen sollen sich Reiserückkehrer einfach testen lassen.

Laut den Forschern der ETH würde eine solche Strategie aber nicht einmal einen Drittel der Infektionen unterbinden. Sie schlagen deswegen eine flexible Quarantänedauer vor – abhängig von Reisedauer und Verbreitung des Virus im Reiseland.

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