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Auch Homosexuelle sollen Blut spenden dürfen – sofern sie ein Jahr lang keusch waren



Der Dachverband Blutspende SRK will ebenso wie der Bundesrat, dass künftig auch Schwule Blut spenden können. Der Dachverband prüft derzeit Vorschläge dazu. Einer davon sieht vor, dass Schwule spenden können, wenn sie ein Jahr lang keinen Sex hatten.

«Wirklich glücklich bin ich mit dem Vorschlag auch nicht», sagte Rudolf Schwabe, Direktor von Blutspende SRK, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Ziel des Dachverbandes sei eine individuelle Begutachtung des Risikoverhaltens – etwa um herauszufinden, ob jemand regelmässig mit wechselnden Partnern ungeschützten Sex hat und so das Risiko für eine AIDS-Übertragung hoch ist. Eine individuelle Prüfung forderte im Juni auch der Schwulen-Dachverband Pink Cross.

Teilnehmer an der Zurich Pride Demonstration in der Zuercher Innenstadt am Samstag, 14. Juni 2014. Die Demonstration der Zurich Pride ist die politische Manifestation der LGBT-Community & Friends der gesamten Schweiz. (KEYSTONE/Walter Bieri )

Ein Schwules Paar bei der Zurich-Pride-Veranstaltung.
Bild: KEYSTONE

Allerdings sei es schwierig, diese individuelle Begutachtung bei den Behörden durchzusetzen, sagte Schwabe. Das Heilmittelinstitut Swissmedic, welches die Zulassungsbedingungen absegnen muss, habe entsprechende Anträge bisher abgelehnt.

Zwischenlösungen möglich

Eine Mitarbeiterin des Blutspendedienstes Zuerich hilft einem freiwilligen Spender beim Blutspenden, aufgenommen am 2. Juli 2003 im Blutspendedienst ZH des Limmattal-Spitales in Schlieren. (KEYSTONE/Martin Ruetschi) === ,  === : FILM]

Bild: KEYSTONE

Der Vorschlag, Schwule spenden zu lassen, wenn diese ein Jahr lang auf Sex verzichtet haben, sei derzeit als einer von mehreren möglichen Zwischenschritten im Gespräch, erklärte Schwabe. Er bestätigte damit einen Bericht der «Basler Zeitung» vom Dienstag. Diesen Passus wenden derzeit auch die USA und Schweden an, weshalb man entschlossen habe, ihn zu prüfen.

Derzeit ausgeschlossen vom Blutspenden sind Männer, die mit Männern Sex haben, wie Peter Balzli, Mediensprecher von Swissmedic auf Anfrage präzisierte. Es gehe nicht darum, Menschen mit einer bestimmten Orientierung von der Blutspende auszuschliessen, sondern solche mit einem bestimmten Risikoverhalten.

Swissmedic müsse die Sicherheit von Arzneimitteln, und damit auch Spenderblut, überprüfen, verteidigte Sprecher Balzli die Haltung des Heilmittelinstituts. Deshalb seien gewisse Personengruppen, so auch frisch Tatöwierte oder Schwangere, vom Blutspenden ausgeschlossen.

Bundesrat zeigt sich offen

Der Bundesrat hatte sich Anfang September in Antworten auf eine Interpellation und eine Motion offen gezeigt für Blutspenden von Männern, die mit Männern Sex haben. Die Verantwortung dafür überwies der Bundesrat allerdings an die regionalen Blutspendezentren: Diese hätten die Möglichkeit eine Änderung der genehmigten Verfahren bei Swissmedic zu beantragen.

Teilnehmer an der Zurich Pride Demonstration in der Zuercher Innenstadt am Samstag, 14. Juni 2014. Die Demonstration der Zurich Pride ist die politische Manifestation der LGBT-Community & Friends der gesamten Schweiz. (KEYSTONE/Walter Bieri )

Bild: KEYSTONE

Die Blutspende SRK habe bisher erst eine informelle briefliche Absichtserklärung an Swissmedic geschickt, sagte Balzli. Für eine Änderung der Kriterien brauche es aber ein formelles Gesuch mit neuen wissenschaftlichen Fakten, die beweisen, dass das Spendeverbot ungerechtfertigt sei. Allerdings sagte Schwabe: «Wissenschaftlich gibt es nicht viel Neues zum Thema.»

Schwabe setzt seine Hoffnungen nun in Gespräche mit Swissmedic. Ein erstes Treffen sei noch für den Oktober geplant. Wann das Gesuch eingereicht werde, sei noch offen und hänge vom Erfolg der Gespräche ab, so Schwabe.

(sda)

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