Schweiz
Gesundheit

Schweizer Spitäler setzen auf Maskenpflicht

«Bis zur Pandemie gab es das noch nie»: Schweizer Spitäler setzen auf Maskenpflicht

Krankenhäuser führen die allgemeine Maskenpflicht wieder ein. Doch daran ist nicht nur Corona schuld. Und: nicht alle handeln gleich.
23.01.2024, 22:14
Bruno Knellwolf / ch media
Mehr «Schweiz»

In Spanien bringt die aktuelle Grippewelle die Gesundheitsversorgung an ihre Grenzen. Bereits müssen Operationen verschoben werden, um mehr Betten in den Spitälern für Grippe- und Covidkranke bereitzustellen. In der ersten Januarwoche gab es in Spanien pro 100'000 Einwohner 1000 Grippefälle.

Frau mit Maske guckt auf Handy.
Dass einzelne Spitäler in der Schweiz wieder eine angeordnete Maskenpflicht einführen, ist ein Paradigmenwechsel. (Archivbild)Bild: Shutterstock

Auch in der Schweiz ist die Grippewelle gestartet. Der Trend zeigt deutlich nach oben, wie die Fallzahlen aus dem obligatorischen Meldesystem wie auch die Daten aus dem Sentinella-Meldesystem des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) zeigen. Dieser Anstieg erstaunt Simon Ming vom BAG nicht. Über die Festtage gibt es jedes Jahr etwas weniger Arztkonsultationen, die gemeldet werden, weshalb die Fallzahlen dann stagnieren. Danach beginnt im Januar die Grippewelle und erreicht ihren Höhepunkt im Februar.

Gemäss der Weltgesundheitsorganisation WHO geht man vom Beginn der Grippesaison aus, wenn die wöchentliche Anzahl an Arztkonsultationen wegen Grippe über dem Schwellenwert von 68 pro 100'000 Konsultationen liegt. Im Moment liegt dieser sogenannte ILI-Wert in der Schweiz bei 107 Konsultationen.

Corona geht langsam zurück

Noch sind viele nicht wegen Influenzaviren, sondern wegen Sars-CoV-2 und anderer respiratorischer Viren krank. «Aber wir sehen am Universitätsspital Zürich, dass die Coronafälle seit vier Wochen langsam abnehmen, während gleichzeitig die Influenzafälle zunehmen», sagt Dominique Braun von der Klinik für Infektionskrankheiten. Diese Tendenz zeigt sich auch am Universitätsspital Basel, wobei aktuell noch ein eher ausgewogenes Bild zu sehen sei, sagt Caroline Johnson für das Universitätsspital Basel.

Gemäss dem BAG hat die Covid-19-Welle den Höhepunkt im Dezember überwunden und ist seitdem am Abnehmen, wie die gemessene Viruslast im Schweizer Abwasser zeigt. Bei Personen mit Atemwegserkrankungen werden aktuell nun am meisten Influenzaviren nachgewiesen, gefolgt von Sars-CoV-2 und Rhinoviren.

Im Vergleich zum Vorjahr sind die Fallzahlen von Influenza noch niedriger, aber mit denen in den «Vorpandemiejahren» vergleichbar, erklären die Experten des Universitätsspitals Basel. «Da die aktuelle Grippesaison jedoch noch nicht vorüber ist, werden die Fallzahlen sicherlich noch ansteigen. Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass die aktuelle Saison schwerer verläuft als die im Vorjahr.»

Spanien führt landesweite Maskenpflicht in Spitälern ein

In Spanien hat die Gesundheitsministerin Mónica García auf die starke Grippewelle reagiert. Gegen den Willen zahlreicher Regionalregierungen hat sie landesweit mit einem Ausnahmegesetz in Spitälern und Gesundheitszentren erneut eine Maskenpflicht eingeführt. Um die überfüllten Gesundheitszentren zu entlasten, will die Gesundheitsministerin auch, dass sich Arbeitnehmer bei leichten Atemwegserkrankungen für bis zu drei Tage selber krankschreiben können. Eine universelle Maskenpflicht in Spitälern wurde auch in Teilen der USA und von Grossbritannien eingeführt.

Und auch in der Schweiz kommt die Schutzmaske wieder zurück. «Auch weil wir um die Weihnachtszeit viele Covid-Fälle hatten, haben wir das im Universitätsspital Zürich schon Anfang Januar umgesetzt. Bei direktem Patientenkontakt und im Wartebereich muss eine Schutzmaske getragen werden», sagt der Infektiologe Braun. Das Universitätsspital Zürich muss vorsichtig sein, weil dort wahrscheinlich die vulnerabelsten Patientinnen und Patienten behandelt werden, zum Beispiel nach Organtransplantationen.

Bereits seit Ende November 2023 gilt im Universitätsspital Basel eine Maskenpflicht für Mitarbeitende und Besucher bei Patientenkontakt in allen ambulanten und stationären Bereichen. «Weiterhin gibt es zudem unabhängig von der aktuellen epidemiologischen Lage die Empfehlung, dass alle Patientinnen und Patienten, Besucher und Mitarbeitenden mit Erkältungssymptomen einen Mund-Nasen-Schutz tragen», erklärt Caroline Johnson für das Universitätsspital Basel. Im Kantonsspital St.Gallen gibt es dagegen bis heute noch keine allgemeine Maskenpflicht.

Neues Verhalten nach der Pandemie

Dass einzelne Spitäler in der Schweiz wieder eine angeordnete Maskenpflicht einführen, ist ein Paradigmenwechsel. «Bis zur Coronapandemie gab es das unseres Wissens noch nie», erklärt Simon Ming vom BAG. Dominique Braun ist seit 2008 am Universitätsspital Zürich und hat das dort ebenfalls nicht erlebt. Zuvor trug eine Maske, wer Symptome von Erkältungskrankheiten zeigte. Früher habe man die maskentragenden Asiaten in Schweizer Städten als «etwas schrullig» betrachtet, sagt der Infektiologe. «Heute wundert sich niemand mehr.»

Auch die Spital-Netiquette, die Maske bei Husten zu tragen, werde heute viel konsequenter umgesetzt als vor der Pandemie. Bei der universellen Maskenpflicht im Spital gehe es darum, die Patienten gegenseitig zu schützen, aber auch das Gesundheitspersonal, das nicht wegen Corona oder Grippe ausfallen sollte. Für die Anordnung von Masken sind die einzelnen Kantone zuständig. Dass es nun zu einer landesweiten universellen Maskenpflicht zum Beispiel im öffentlichen Verkehr kommt, ist aber nicht zu befürchten. Dafür müsste ein bösartiges Virus auftauchen, das das ganze Gesundheitssystem lahmlegen könnte.

Wie wirkt die Grippeimpfung?
Die Grippe führt in der Schweiz in einem Winter üblicherweise zu 112’000 bis 275’000 Arztkonsultationen. Daraus ergeben sich mehrere tausend Hospitalisationen und auch Hunderte Todesfälle. Davon betroffen sind vorwiegend Menschen mit einem erhöhten Risiko für Grippekomplikationen. Dazu gehören Schwangere, Frühgeborene, ältere Menschen und Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen. Diesen wird deshalb in den Monaten November und Dezember eine Grippe- wie auch die Coronaimpfung empfohlen.

Da stellt sich jeweils immer die Frage, wie gut der Grippeimpfstoff wirkt. Der aktuelle Influenza-Impfstoff decke den Grossteil der Virenstämme ab, welche seit Saisonbeginn in Proben festgestellt wurden, erklärt Simon Ming vom BAG. Die Anzahl solcher typisierter Proben sei jedoch noch tief. Die definitive Beurteilung der Abdeckung wird deshalb erst Ende Grippesaison vorgenommen werden können. (Kn.)
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Spanische Grippe – die Mutter aller Pandemien
1 / 22
Spanische Grippe – die Mutter aller Pandemien
25 bis 50 Millionen Menschenleben kostete die Pandemie, die von 1918 bis 1920 auf der ganzen Welt wütete. Nicht mal der Erste Weltkrieg holte sich so viele Opfer. In absoluten Zahlen war die Spanische Grippe in etwa so verheerend wie die Pest von 1348: Der Schwarze Tod riss damals ein Drittel der europäischen Bevölkerung in den Tod. Spanisch nannte man die Grippe, weil die ersten Nachrichten über die Krankheit von dort herkamen. Im Bild: Das Militär-Notfallkrankenhaus im Camp Funston in Kansas 1918, wo das Virus mit hoher Wahrscheinlichkeit erstmals ausbrach. quelle: wikimedia ... Mehr lesen
Auf Facebook teilenAuf X teilen
«It's getting hot in here» – Rockband Velvet Two Stripes im Rüümli
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
17 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
13curls
23.01.2024 22:26registriert Dezember 2019
Immerhin etwas gutes durch die Pandemie - habe vor Corona zu arbeiten angefangen und wenn ein erkälteter Arzt eine Maske getragen hatte, musste er sich gefühlt 10x am Tag erklären. Heute ist es selbstverständlich.
Auch hatte dieses Jahr ein Grossteil der Pflege auf dem Notfall im Unispital Basel bereits vor der Pflicht eine Maske auf (zumindest als ich dort war) - einfach auch als Selbstschutz.
7710
Melden
Zum Kommentar
avatar
Raupe aka Raclonette
24.01.2024 06:31registriert Februar 2019
Das Personal arbeitet nun seit längerem wider täglich mit Maske während:
- Besucher nur eine Empfehlung haben, eine zu tragen.
- Büroangestellte des Spitals keine tragen müssen (und alle durch die Cafeteria schlendern).
- Besunch massenweise und mit der Maske unter der Nase oder garkeiner inkl. Kinderschar ein und aus gehen.
- Alle mit jedem ach so kleinen Käfer in den Notfall rennen, anstatt zuhause zu bleiben und Tee zu trinken.
-Sich das Spitalpersonal halb krank zur Arbeit schleppt, weil man ja eine Maske überziehen kann und dann niemanden ansteckt. (/s)

Paradigmenwelchsel?
244
Melden
Zum Kommentar
17
Vaterschaftsurlaub soll auch bei Totgeburt gewährt werden

National- und Ständerat haben sich darauf geeinigt, unter welchen Umständen ein Vaterschaftsurlaub bei einer Totgeburt eines Babys gewährt werden soll. Der Nationalrat schloss sich am Mittwoch einem Vorschlag des Ständerats an.

Zur Story