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Husten und Erkältung über Monate hinweg: Das steckt dahinter

Kranke Frau (Symbolbild)
Seit Monaten krank.Bild: Shutterstock

Husten und Erkältung über Monate: Woher das kommt und was man dagegen tun kann

In der Schweiz gibt es viele Menschen mit Langzeiterkrankungen. Der Präsident der Haus- und Kinderärzte Schweiz und ein Infektiologe sagen, was man dagegen tun kann und warum es so ist.
18.01.2024, 09:03
bruno knellwolf / ch media
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Seit Oktober ist der Fünfzigjährige nicht mehr gesund. Sein Hals ist verschleimt, nach dem Aufstehen beginnt der tägliche Auswurf. Noch nie in seinem Leben hat er dermassen viele Taschentücher gebraucht. Auch der Husten lässt ihn nicht los, und während Wochen war sein Gehör aufgrund der Erkältung eingeschränkt.

Wie dieser Mann klagen derzeit viele über langwierige Atemwegserkrankungen. «In der Sprechstunde beobachten wir, dass immer wieder Patientinnen zu uns kommen, die länger Beschwerden haben», sagt dazu Philipp Luchsinger, Präsident der Haus- und Kinderärzte Schweiz. Ob das mehr Betroffene sind als in den Jahren zuvor, lasse sich statistisch nicht belegen. Es gibt schlicht keine Daten dazu.

Sars-CoV-2 beschäftigt uns wieder intensiv

Dass Menschen in der Schweiz lange krank oder «halbkrank» sind, hat mehrere Gründe. «Es sind verschiedene respiratorische Viren im Umlauf, so wie früher auch. Aber wir haben seit vier Jahren mit Sars-CoV-2 ein neues Virus, das uns gerade seit diesem Herbst wieder intensiv beschäftigt», sagt Luchsinger. Da sich die wenigsten Menschen diesen Winter schützen, kommt es immer wieder zu Ansteckungen mit all den verschiedenen Viren. «Wie viele maskentragende Personen sehen Sie durchschnittlich in einem Tram?», fragt Luchsinger rhetorisch.

«Symptome wie Husten können nach einer respiratorischen Infektion zum Teil über mehrere Wochen anhalten», sagt Stefan Kuster, Chefarzt an der Klinik für Infektiologie am Kantonsspital St.Gallen. Es sei nicht aussergewöhnlich, dass man sich in der Erkältungszeit im Herbst und Winter mit unterschiedlichen Viren nacheinander anstecke.

Dazu gehören neben dem Coronavirus Influenza, RSV, Parainfluenza, Metapneumovirus auch noch andere. «So entsteht in der Summe das Gefühl, man sei anhaltend krank. Effektiv sind es aber meist unterschiedliche Infektionen in kürzeren Abständen», sagt Kuster. Kaum bekommt das Immunsystem den einen Erreger in den Griff, kommt schon der nächste. Trockene und von einer Infektion gereizte Schleimhäute sind dann besonders anfällig für eine nächste Infektion.

Wir haben zu wenig Geduld

Diese dauernden Infektionen haben auch damit zu tun, «dass wir uns häufig zu wenig Zeit geben, um uns zu kurieren, Kontakte und Aktivitäten zu reduzieren, um einen Infekt abheilen zu lassen», sagt der Präsident der Hausärzte. Dabei spielen gemäss Luchsinger gesellschaftlicher Leistungsdruck eine Rolle und je nachdem auch herausfordernde Situationen an den Arbeitsstellen, welche das Loslassen erschweren.

Diesen Winter machen uns zudem nicht nur Viren zu schaffen. Nach der Pandemie sind die Mykoplasmen wieder erwacht und «ergänzen den Kreis von Erkältungskrankheiten», wie Kuster sagt. Das sind Bakterien, die eine grippeähnliche Erkrankung auslösen und lange krank machen. Betroffen war vorwiegend China. «Bei uns sind Mykoplasmen erst vor Kurzem vermehrt aufgetreten und nicht in einer Häufigkeit, die relevant wäre», sagt Luchsinger. Machen dagegen lässt sich wenig. Bei ganz schweren Mykoplasmen-Erkrankungen werden Antibiotika eingesetzt.

Verschleimung hat mit einer Entzündungsreaktion zu tun

Zu schaffen machen vielen vorwiegend die Verschleimungen. Verantwortlich dafür ist eine Entzündungsreaktion der Schleimhäute, die manchmal auch die eigentliche Infektion überdauert. Diese Entzündungsreaktionen der Schleimhaut mit der daraus entstehenden Anschwellung ist auch der Grund, dass die Belüftung des Mittelohrs beeinträchtigt wird. Somit wird das Gehör bei vielen über Tage und Wochen deutlich beeinträchtigt.

Da verzweifelt manch einer und konsultiert den Hausarzt. Das empfiehlt deren Präsident, wenn beeinträchtigende Beschwerden über einige Tage anhalten und keine Besserung zu verspüren ist. «Insbesondere bei starken Ohrschmerzen, bei hohem Fieber über drei Tage, bei Atemnot und generell schlechtem Zustand», sagt Philippe Luchsinger, der in Affoltern am Albis eine Praxis führt.

Salbeitee gegen Halsschmerzen

Ansonsten ist Geduld gefragt. «Kurzfristig können abschwellende Nasentropfen eingesetzt werden, längerfristig verschiedene entzündungshemmende Medikamente. Und ganz viele Hausmittelchen, die erleichternd wirken». Salbeitee soll zum Beispiel gegen Halsschmerzen wirken.

Salbeitee tea
Salbeitee.Bild: Shutterstock

Um eine Dauererkältung loszuwerden, ist es wichtig, genug zu schlafen und viel zu trinken. Sport sollte nicht im Übermass betrieben werden. Eine Wunderpille gegen Erkältungen gibt es nicht, das eigene Immunsystem muss die Infektionen in den Griff bekommen. Wer nun von einer ewigen Erkältung betroffen ist, muss aber nicht fürchten, daran auch im nächsten Jahr zu leiden.

Vor Dauererkältungen ist niemand verschont. Ein deutscher Hausarzt hat allerdings im «Spiegel» erklärt, dass ihm eine Gruppe besonders auffalle. In seiner Praxis sieht er viele zwischen 20 und 50 Jahre alte Patientinnen und Patienten, die völlig erschöpft daherkommen. Leute, die mitten in der Arbeitswelt stehen, in der Praxis weinen und psychisch leiden und anfällig auf Infektionen seien.

Gefährdet sind natürlich auch Menschen mit schwachem Immunsystem. Dazu gehören unter anderem alte Menschen, Diabetiker, Herzkranke. Das sind auch jene, denen das Bundesamt für Gesundheit BAG eine Impfung gegen Corona und Grippe empfiehlt. Diese Menschen machen allerdings nur einen Teil der zurzeit Dauer-Erkälteten aus.

In einigen Ländern gibt es punktuell wieder Maskenpflicht

Masken würden im Prinzip das Risiko reduzieren, sich immer wieder anzustecken. Im Alltag sind die Viren allerdings überall, Kinder bringen sie aus der Schule heim, auf unseren Schleimhäuten siedeln Bakterien und Viren an, die zu einer Erkrankung führen können. So ist die Wirkung beschränkt.

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In Spanien leiden zurzeit dermassen viele Menschen an Atemwegserkrankungen, dass Spaniens Gesundheitsministerin letzten Mittwoch gegen den Willen zahlreicher Regionalregierungen landesweit in Krankenhäusern und Gesundheitszentren erneut eine Maskenpflicht eingeführt hat.Bild: shutterstock

Allerdings gibt es Länder, welche die Maske wieder einführen. In Spanien leiden zurzeit dermassen viele Menschen an Atemwegserkrankungen, dass Spaniens Gesundheitsministerin letzten Mittwoch gegen den Willen zahlreicher Regionalregierungen landesweit in Krankenhäusern und Gesundheitszentren erneut eine Maskenpflicht eingeführt hat.

Auch in den USA und in Grossbritannien gilt in vielen Spitälern wieder Maskenpflicht. In Schweizer Spitälern wie zum Beispiel in St.Gallen gibt es keine allgemeine Pflicht. Es gelten die üblichen Standardmassnahmen, die die Übertragung respiratorischer Viren inklusive Corona reduzieren: Zum Beispiel, bei Verdacht eine Maske zu tragen und bei Krankheit zu Hause zu bleiben.

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