Gewinner, Verlierer, Comebacks – so hat sich die Krankenkassen-Rangliste verschoben
Vor einem Jahr fiel die CSS vom Thron: Sie musste den Titel der Krankenkasse mit den meisten Grundversicherern an die Rivalin Helsana abgeben. Nun konnte die CSS den grossen Verlust vom Vorjahr wieder mehr als wettmachen. Sie gewann im vergangenen Jahr netto 90'600 Kundinnen und Kunden hinzu, wie die Chefin, Mirjam Bamberger, gegenüber CH Media festhält. «Das ist historisch.»
Für die CSS ist es tatsächlich ein Rekord, doch sie bleibt auf Platz 2. Denn auch die Helsana konnte kräftig zulegen und ihren Kundenstamm in der Grundversicherung um knapp 70'000 erhöhen. Auch sonst bleibt die Helsana mit Prämieneinnahmen aus Grund- und Zusatzversicherungen von total knapp 9 Milliarden Franken und einem Gewinn von 357 Millionen Franken die grösste Krankenkasse im Lande.
Dennoch zeigt sich die CSS mit dem vergangenen Geschäftsjahr mehr als zufrieden: Die Prämieneinnahmen stiegen um 3,6 Prozent auf gut 7,8 Milliarden Franken, der Gewinn sprang gar auf knapp 261 Millionen Franken, was rund einer Vervierfachung des Resultats gleichkommt. «Das ist das beste Jahresergebnis in unserer Geschichte», sagt Bamberger.
Hauptgrund hierfür sei der Gewinn, den die CSS in der Grundversicherung erwirtschaftet habe. Da das Krankenversicherungsgesetz festlege, dass Überschüsse integral in die Reserven fliessen müssten, kommen sie laut Bamberger indirekt wieder den Grundversicherten zugute.
Angesichts des besten Unternehmensergebnisses der Geschichte sowie der im Branchenvergleich tiefen Verwaltungskosten von «nur» 3,5 Prozent spricht Bamberger von einem «Rekordjahr». Danach liege die Latte für Bamberger, die erst per Anfang Februar von der Axa zur CSS gestossen ist, sehr hoch, wie sie selbst einräumt. Das gilt auch in Bezug auf den historisch hohen Zuwachs bei den Kunden. Auch wenn ein solch enormes Wachstum sich auch nicht jedes Jahr wiederholen müsse.
Wechsel im Mittelfeld
Gegen unten muss sich die CSS allerdings keine Sorgen machen. All die anderen Krankenkassen haben den Anschluss an die zwei grossen verloren. Das gilt auch für die Groupe Mutuel, die wie im Vorjahr auch heuer wieder einen grösseren Kundenverlust vermelden muss. Oder für die Swica, die mit Kleinstschritten vorwärtskommt.
Bewegung gab es im Mittelfeld, wie eine Umfrage von CH Media zeigt: Die Gewinnerin der Vorjahre, die Concordia, verliert netto knapp 40'000 Versicherte und fällt damit wieder hinter die Assura und die Visana zurück. Die KPT, die 2023 ihren Bestand mehr als verdoppeln konnte, publiziert ihre Zahlen erst im Mai, vermeldet aber einen «leichten Rückgang».
Wie alle Kassen ist die CSS mit steigenden Gesundheitskosten konfrontiert. Diese seien im vergangenen Jahr um 4,4 Prozent oder 4153 Franken pro Versicherten gewachsen, sagt Bamberger. Das dürfte auch im laufenden Jahr der Fall sein. Die grössten Treiber beim Gesundheitskostenwachstum verortet die CSS bei den ambulanten Behandlungen im Spital und in der Arztpraxis, beim stationären Spitalaufenthalt und bei den Medikamenten.
Bei den Arzneien unterscheidet Bamberger zwischen zwei unterschiedlichen «Kostentreibern»: Ersten seien da die neuen innovativen Medikamente, die zwar nur von sehr wenigen Patienten beansprucht würden, aber sehr teuer seien. Zweitens gebe es vergleichsweise günstige Medikamente, die sich aber immer grösserer Beliebtheit erfreuten. Musterbeispiel sind hier die Fettweg-Spritzen. «Deren Einsatz hat sich innert eines Jahres verdoppelt», sagt Bamberger. «Und ein Ende der Zunahme ist nicht abzusehen.» Die Kosten für die Fettweg-Spritzen beziffert die CSS allein für sich selbst mit einem «zweistelligen Millionenbetrag». Tendenz steigend.
Andere Kosten dürften aber stärker ins Gewicht fallen. Auch wenn den Kassen vorerst der Überblick fehlt. Grund ist das neue Tarifregelwerk Tardoc, das Anfang 2026 in Kraft gesetzt wurde und über das jährlich ambulante Behandlungen im Wert von rund 13 Milliarden Franken abgerechnet werden. Nicht der Tarif selbst ist das Problem, sondern dessen Umsetzung. Offensichtlich tun sich insbesondere die Spitäler schwer damit, weshalb sie bis anhin kaum Rechnungen für ihre ambulanten Leistungen verschickt haben. Die Spitäler seien trotz langer Vorlaufzeit «noch nicht parat», hielt Helsana-Chef Roman Sonderegger jüngst gegenüber CH Media fest.
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