Schweiz
Gesundheit

Gesundheitskosten in der Schweiz in zehn Jahren um 500 Franken gestiegen

Lieber mit der feinen Klinge: Das Schweizer Gesundheitswesen braucht Reformen, aber die richtigen.
Die Gesundheitskosten pro Person sind in der Schweiz stark gestiegen.Bild: Getty Images

500 Franken pro Kopf mehr: Das treibt die Gesundheitskosten in die Höhe

Innert zehn Jahren sind die jährlichen Gesundheitskosten pro Kopf in der Schweiz um 500 Franken gestiegen. Das zeigt eine neue Studie im Auftrag der CSS. Interessant ist, welcher Faktor keine Rolle spielt.
16.07.2024, 12:5416.07.2024, 12:54
Reto Wattenhofer / ch media

Die Gesundheitskosten steigen stetig und mit ihnen die Krankenkassenprämien. Neue Zahlen lassen aufhorchen. Innerhalb von zehn Jahren haben die jährlichen Gesundheitskosten pro Kopf hierzulande um 579 Franken zugenommen – auf 3975 Franken. Das zeigt eine am Dienstag präsentierte Studie im Auftrag der CSS. Untersucht wurde die Kostenentwicklung in der obligatorischen Grundversicherung zwischen 2012 und 2021 der 1,53 Millionen Versicherten der grössten Krankenkasse der Schweiz.

css bericht Kostenentwicklung pro person schweiz 2012 bis 2021 nach kategorien juli 2024
Die Schere ist vor allem im ambulanten Bereich aufgegangen.Bild: css

Interessanter als die generelle Entwicklung ist die Frage, was die Kosten konkret in die Höhe treibt. Auch das haben die Studienautoren untersucht. Ihre Aufschlüsselung zeigt: Je nach Leistungserbringer fallen markante Unterschiede auf. Während die Kosten für stationäre Behandlungen im untersuchten Zeitraum leicht gesunken sind, ist mehr als die Hälfte des Anstiegs auf den ambulanten Bereich (Spital und Arzt) zurückzuführen.

Technologische Fortschritt ist Treiber

Der weitaus grösste Teil des Kostenwachstums lässt sich mit den nachgefragten Leistungen erklären. Zwar ist auch der Anteil jener Versicherten, die mindestens ein Mal pro Jahr eine Gesundheitsleistung in Anspruch nehmen, von 79 auf 82 Prozent gestiegen. Gross ins Gewicht fällt das jedoch nicht. Wer aber mit dem Gesundheitswesen in Kontakt kommt, fragt mehr Leistungen nach und generiert höhere Kosten.

Was die Untersuchung auch offenbart: Der technologische Fortschritt wirkt ebenfalls als Kostentreiber. Exemplarisch stehen dafür die Medikamentenkosten in Apotheken und bei Ärzten. Medikamente, die seit 2012 neu in die Grundversicherung aufgenommen wurden, führten zu jährlichen Mehrkosten von 180 Franken pro Kopf. Das entspricht beinahe einem Drittel des gesamten Wachstums. Dagegen sanken die Ausgaben pro versicherte Person um 33 Franken für Medikamente, die schon 2012 verfügbar waren.

Medikamente lagern in einem Regal der Apotheke Weissenau, die Apotheke des Spitals Interlaken, eingelagert und bewirtschaftet, fotografiert am Freitag, 10. Februar 2023 in Interlaken. Die Apotheke der ...
Neue Medikamente treiben die Kosten in die Höhe.Bild: KEYSTONE

Nur eine geringfügige Rolle spielt laut Studie der demografische Wandel. Angesichts der älter werdenden Schweizer Bevölkerung wäre zu vermuten, dass die Gesundheitskosten steigen, weil ältere Menschen durchschnittlich höhere Kosten generieren. «Allerdings hätte die Änderung der Altersstruktur in der Schweiz deutlich ausgeprägter ausfallen müssen, um einen substanziellen Anteil der Kostenentwicklung erklären zu können», schreiben die Autoren. Ohne Veränderung in der Bevölkerungsstruktur wären die Kosten zwischen 2012 und 2021 nur rund einen Siebtel tiefer gewesen als in der Realität. (aargauerzeitung.ch/ear)

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