Du glaubst nicht, was in online bestellten Medis alles drin ist
Ein Klick, ein Paket, viele Risiken: Jedes Jahr fängt die Schweiz Tausende illegaler Medikamente ab – bestellt im Internet aus aller Welt. Die SRF-Gesundheitssendung «Puls» beleuchtet den illegalen Medikamentenmarkt und seine Gefahren. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse:
Von Antibiotika bis Zolpidem
Jeden Tag erreichen die Schweiz rund eine halbe Million kleine Pakete. Darin befinden sich auch immer wieder illegale Arzneimittel, etwa gefälschte Medikamente gegen Krebs oder AIDS. «Die Anbieter spielen mit dem Leben kranker Menschen», sagt der RTS-Journalist Alain Orange, der eine aufwändige Recherche zu diesem Thema durchgeführt hat.
Rund 50 bis 60 Beschlagnahmungen von Medikamenten erfolgen pro Tag. Im Jahr werden so rund 7000 bis 8000 Präparate aus dem Verkehr gezogen. Der Bund geht davon aus, dass nur etwa 20 Prozent des tatsächlichen Volumens erfasst werden. Der grösste Teil bleibt unentdeckt.
Am häufigsten wird echtes oder gefälschtes Viagra bestellt. Mehr als die Hälfte der Sendungen, die der Zoll abfängt, entfällt auf Potenzmittel. Im Frühling steigt vor allem die Nachfrage nach Diätspritzen, im Winter nach Antidepressiva. Oftmals stammen die Produkte aus Indien, Pakistan oder Polen. Günstige Preise, Diskretion und der Verkauf ohne Rezept machen das Geschäft lukrativ. Doch für die Konsumentinnen und Konsumenten können sie gefährlich sein.
Risiken und Nebenwirkungen
Viele der Arzneimittel sind überdosiert oder enthalten zusätzliche Wirkstoffe. In einem Potenzmittel wurde sogar eine bis zu zehnmal höhere Wirkstoffmenge festgestellt. Analysen zeigen nicht nur Überdosierungen, sondern auch zu geringe Wirkstoffmengen oder völlig andere Substanzen als deklariert. Das kann zu schweren Nebenwirkungen führen – etwa Herz-Kreislauf-Problemen, Vergiftungen oder lebensgefährlichen Reaktionen. Für Konsumentinnen und Konsumenten ist das Risiko kaum erkennbar – die Produkte wirken oft täuschend echt.
So gehen die Fälscher vor
Oft ist es schwierig zu erkennen, woher die Produkte tatsächlich stammen. Teilweise werden Schweizerkreuze auf Verpackungen gedruckt oder sogar das Swissmedic-Logo missbraucht. Die Sendung zeigt das Beispiel eines Online-Shops einer angeblichen Apotheke in Genf – die Adresse ist falsch, die Telefonnummern führen in die USA und nach Grossbritannien.
Die Manipulation kann potenziell lebensgefährlich sein, wie ein Beispiel zeigt: Ein Experte zeigt ein beschlagnahmtes Produkt. Dabei handelt es sich um ein Insulinpräparat, bei dem die Originalbeschriftung entfernt und durch ein Ozempic-Etikett ersetzt wurde. Das ist besonders gefährlich, da sich Betroffene so unbeabsichtigt Insulin spritzen. Dies kann eine schwere Unterzuckerung auslösen, zu Kollapsen führen und lebensbedrohlich sein. In der Schweiz wurden bereits mehrere medizinische Notfälle in diesem Zusammenhang gemeldet.
Rechtliche Konsequenzen
Für kleine Bestellungen von Arzneimitteln werden in der Regel keine Bussen ausgesprochen, sofern sie den Umfang eines Monatsvorrats für eine Person nicht überschreiten. Bei mehr als einem Monatsvorrat werden die Medikamente beschlagnahmt und vernichtet. Es fallen keine Gebühren an. Strafrechtlich relevant wird es erst, wenn ein Weiterverkauf angenommen wird. In solchen Fällen drohen hohe Bussen oder sogar Freiheitsstrafen.
Anders ist die Rechtslage bei der Einfuhr von Dopingmitteln: Schon kleinste Mengen sind verboten und können Bussen sowie strafrechtliche Verfahren nach sich ziehen. Doch die Verkäuferinnen und Verkäufer sind kreativ: Anabolika werden beim Versand etwa in Hundefutter oder in Kinderspielzeug versteckt.
Gefahren im Schönheitsstudio
Gefälschte Produkte sind auch im nichtmedizinischen Bereich verbreitet. Vorsicht ist vor allem bei Botox- und Filler-Behandlungen geboten. Die Sendung berichtet von Vorfällen mit deformierten Gesichtszügen oder abgestorbenem Gewebe, das ärztlich behandelt werden muss. Die Kosten tragen in vielen Fällen die Krankenkassen.
Risiken von Nahrungsergänzungsmitteln werden oft unterschätzt
Auch Nahrungsergänzungsmittel sind im digitalen Markt sehr beliebt. In der Schweiz wird jedes vierte Nahrungsergänzungsmittel im Internet bestellt. Rechtlich gesehen gelten sie nicht als Medikamente, sondern als Lebensmittel. Gerade deshalb unterliegen sie weniger strengen Kontrollen. Untersuchungen zeigen jedoch: In rund 90 Prozent der Fälle wurden verbotene oder nicht deklarierte Stoffe festgestellt. Viele Konsumentinnen und Konsumenten gehen fälschlicherweise davon aus, dass Nahrungsergänzungsmittel grundsätzlich harmlos sind. Doch Experten empfehlen, immer mit Fachpersonen zu sprechen, bevor man Ergänzungsmittel einnimmt.
