Erektionshilfe und Mittel gegen Haarausfall: Diese Medikamente werden illegal importiert
In der Schweiz werden wieder mehr Arzneimittel illegal importiert. Im vergangenen Jahr hat das Bundesamt für Zoll insgesamt 6'647 Sendungen abgefangen, in welchen widerrechtlich Medikamente verschickt wurden. Das schreibt Swissmedic, die nationale Zentral- und Kontaktstelle zur Bekämpfung von Heilmittelfälschungen, in einer gemeinsamen Mitteilung. Damit wurden 17 Prozent mehr illegale Importe registriert als noch im Jahr zuvor.
Von einer allgemeinen Zunahme kann man zwar nicht sprechen. In den Jahren davor lagen die Zahlen etwa gleich hoch wie heuer, im Jahr 2022 sogar etwas höher. Dafür zeichnen sich nun neue Trends ab.
So geht der Anteil beschlagnahmter Erektionsförderer weiter zurück. Machten diese vor vier Jahren noch fast 80 Prozent der illegal importierten Mittel aus, sind es heute noch 41 Prozent und immer noch die grösste importierte Medikamentengruppe. Die Präparate sind oft überdosiert und verbinden mehrere Wirkstoffe miteinander, die in der Schweiz wegen ihrer Nebenwirkungen jeweils nur als Einzelpräparat erlaubt wären.
Die überwiegende Mehrheit der illegalen Medikamentenimporte geht auf Einzelpersonen zurück, die für sich selbst bestellen. Sie erhalten lediglich eine Verwarnung, das beschlagnahmte Material wird vernichtet. In grösseren Fällen leitet Swissmedic sogenannte Verwaltungsstrafverfahren ein. Im vergangenen Jahr wurden 70 solcher Verfahren eingeleitet, das sind doppelt so viele wie im Vorjahr. Zwei Drittel davon betrafen Importe von Erektionsförderern – sie werden also häufiger im grossen Stil importiert.
Immer mehr Importe aus Westeuropa
Mit dem Rückgang von nicht zugelassenen Viagra-Alternativen legen dafür andere Präparate zu, vornehmlich gegen Haarausfall. Deren Anteil hat sich in den vergangenen drei Jahren vervielfacht. Heute machen sie einen Fünftel der illegal importierten Arzneimittel aus. Am drittmeisten werden Hormone importiert (12 Prozent), dazu zählt auch Melatonin.
In kleinerem Ausmass wurden auch Medikamente importiert, die stark abhängig machen können: Schlaf- und Beruhigungsmittel, Nasensprays und Schlankheitsmittel. Antibiotika und ähnliche Stoffe machen knapp drei Prozent der illegalen Importe aus. Das sei dennoch bedenklich, schreibt Swissmedic, weil dieser Konsum zu Resistenzen führen könne.
Neue Trends gibt es auch in der Herkunft der Sendungen: Immer mehr davon stammen aus westeuropäischen Ländern. Stammten 2022 noch weniger als ein Zehntel der Lieferungen aus Westeuropa, sind es heute 40 Prozent, insbesondere aus Frankreich und Deutschland. Rückläufig sind dafür die Lieferungen aus Indien und Osteuropa.
Gleichzeitig stossen auch die Behörden an ihre Grenzen. Viele Arzneimittel dürfen importiert werden, solange die Menge den Monatsbedarf für eine Person nicht überschreitet. Kriminelle Zwischenhändler teilen grössere Bestellungen gezielt in viele kleine Teilsendungen auf und umgehen so die Kontrollen. Der Bund hat in einer internationalen Schwerpunktaktion im November über 2'000 Sendungen kontrolliert. Darin konnten solche Muster erkannt und über 200 Teilsendungen zugeordnet und beschlagnahmt werden. (aargauerzeitung.ch)
