Schweiz
Gesundheit

Wegovy und Ozempic: Abnehmspritzen treiben Gesundheitskosten in die Höhe

FILE - The injectable drug Ozempic is shown Saturday, July 1, 2023, in Houston. Even as millions of older adults clamor for drugs such as Ozempic and Wegovy, monthly use of the medications known as GL ...
In der Schweiz herrscht eine grosse Nachfrage nach Ozempic-Spritzen.Bild: keystone

Hype um Abnehmspritzen in der Schweiz kostet Millionen

Abnehmspritzen wie Wegovy und Ozempic sind momentan in aller Munde. Doch der Hype bringt auch massiv höhere Gesundheitskosten mit sich.
16.07.2024, 13:3216.07.2024, 14:58

Der Hype um Diabetes- und Abnehmspritzen treibt nach Ansicht von CSS-Chefin Philomena Colatrella die Kosten im Gesundheitswesen massiv in die Höhe. «Die Ausgaben für alle Kassen in der Schweiz werden nächstes Jahr mehrere Hundert Millionen Franken betragen.»

«Was wir beobachten, ist eine sehr starke Mengenausweitung.»
CSS-Chefin Philomena Colatrella

Für die CSS schätze man die Kosten allein für den Appetitzügler Wegovy nächstes Jahr auf über fünfzig Millionen Franken, sagte Colatrella in einem am Dienstag online veröffentlichten Interview mit den Tamedia-Portalen. Ob im Gegenzug andere Therapiekosten sinken, wisse man noch nicht. Auch die Langzeitfolgen seien noch nicht klar. «Was wir beobachten, ist eine sehr starke Mengenausweitung.»

Ein Ländervergleich mit den USA, Deutschland und Kanada zeigte, dass die Schweiz bei den Fett-weg-Spritzen den höchsten Pro-Kopf-Einsatz hat, wie aus einer am Montag veröffentlichten Studie im Fachmagazin «Jama Internal Medicine» hervorging. Die Schweiz zählt zu den wenigen Staaten, wo die Kosten für die Spritze unter bestimmten Bedingungen von der Grundversicherung erstattet werden.

Bei hohen Umsätzen sollen Preise sinken

Die CSS-CEO plädierte für neue Preis- und Finanzierungsmodelle. «Wir brauchen neue Ansätze, um hochwirksame und hochinnovative Arzneimittel auch künftig finanzieren zu können.» Die Versicherer wollten den Zugang zu neuen Medikamenten sicherstellen, deswegen müssten sie sich über die Preise unterhalten. Ansetzen will Colatrella bei den umsatzstarken Therapien wie mit Wegovy und dem Diabetesmittel Ozempic. «Je grösser der Umsatz mit einem Medikament ist, desto mehr Preisabschläge sind denkbar.»

Für Colatrella braucht es zudem bessere Daten zur Wirksamkeit von Therapien. «Uns fehlen die Daten, wie beispielsweise das systematische Erfassen von Therapieerfolgen. Deshalb können wir nicht messen, ob den steigenden Kosten auch ein entsprechender Mehrwert an Gesundheit gegenübersteht.»

Die Schweizer Arzneimittelbehörde Swissmedic hat Wegovy 2022 zugelassen. Die Kassen übernehmen teils die Kosten seit März dieses Jahres.

Bereits Lieferengpässe

Die Medikamente Ozempic, Saxenda und Wegovy sind Präparate, die mittels eines Injektionsstiftes, auch Pen genannt, selbst verabreicht werden können. Ursprünglich für die Behandlung von Diabetespatienten konzipiert, reduzieren sie auch den Hunger, was jenen hilft, die abnehmen möchten. Die monatlichen Kosten für eine solche Therapie belaufen sich auf gegen 200 Franken.

Für Wegovy etwa braucht es gemäss der Zulassung ein Rezept von einem spezialisierten Arzt, wofür Adipositas (BMI ab 30) oder deutliches Übergewicht (BMI ab 27) mit Begleiterkrankung vorliegen muss. Inzwischen gibt es weltweit teils Lieferengpässe für die Abnehmspritzen. Bei diesen bestehen zudem teils beträchtliche Nebenwirkungen, die Langzeitfolgen sind noch unbekannt. In der Schweiz sind laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) 11 bis 13 Prozent der Erwachsenen stark übergewichtig. (sda)

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105 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Gordi
16.07.2024 14:03registriert April 2021
Ich bin adipös, habe eine Behinderung und bin sehr schlecht mobil, gebunden an meine Wohnung ausser an Tagen an dennen es mir sehr gut geht. ich bin zwar nur 95 kg (Stand vor einer Woche) aber abnehmen ist durch meine Einschränkungen immer sehr sehr schwer gewesen. Nun hat mir meine Fachärztin Diabetologie/Endokrinologe Vegovy verschrieben, mit zusätzlicher Physiotherapi und Zielsetzungen die erreicht werden müssen (5% Gewichtsabnahme in 16 Wochen.) In meinem Fall macht das Medikament durchaus Sinn. Ich war erst etwas skeptisch aber nehme es nun seit 1 Woche und habe schon 4.5 Kg runter.
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Kimbo Slice
16.07.2024 14:13registriert April 2018
Gerade passend zum anderen Artikel betreffend KK Prämien. Gegen Übergewicht helfen langfristig nur Bewegung und Kaloriendefizit, kostet dann auch keine 200.- im Monat. Hatte selbst 10 Jahre massiv zu viel auf den Rippen. Kann nicht ganz nachvollziehen wieso dies von der KK übernommen wird.
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EinBisschenSenfDazu
16.07.2024 13:43registriert September 2022
Ich weiss ja nicht, ob das auch die Krankenkassenkosten nach oben schraubt. Klar ist auf jeden Fall, dass das ganz gross angelegte Pflästerlipolitik ist. Anstelle der Reduktion von überhöhten Mengen Zucker, Fett und Co. in unseren Lebensmitteln subventionieren wir Fett-weg-Spritzen. Bin ich der einzige, der das hirnrissig findet?
(ausgenommen medizinisch bedingte Anwendungen natürlich..)
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