Schweiz
Gripen

«Rundschau»-Bericht zum Gripen war laut UBI nicht tendenziös

Während des Gripen-Abstimmungskampfs gingen auf beiden Seiten die Wogen hoch.
Während des Gripen-Abstimmungskampfs gingen auf beiden Seiten die Wogen hoch.Bild: DENIS BALIBOUSE/REUTERS
Medien

«Rundschau»-Bericht zum Gripen war laut UBI nicht tendenziös

17.10.2014, 13:5617.10.2014, 14:25
Mehr «Schweiz»

Ein «Rundschau»-Bericht wenige Wochen vor der Abstimmung über den Gripen bezog nicht einseitig Position für die Gegner des Jets. Zu diesem Schluss ist die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) am Freitag in einer öffentlichen Beratung gekommen.

Die SRF-Sendung verstiess in den Augen der UBI nicht gegen das im Radio- und Fernsehgesetz festgeschriebene Sachgerechtigkeitsgebot. Auch die erhöhte Sorgfaltspflicht, die im Vorfeld von Abstimmungen erfüllt werden müsse, sei nicht verletzt worden. Der Beitrag war rund einen Monat vor dem Urnengang über die Gripen-Beschaffung ausgestrahlt worden.

Darin wurde unter anderem die Frage aufgeworfen, ob die Beschaffung neuer Kampfjets angesichts der Bedrohungslage nötig sei. Zu Wort kam auch ein deutscher Politologe und Sicherheitsberater, der die Gripen-Beschaffung als unnötig bezeichnete. Die Schweizer Flotte wurde zudem mit jener Österreichs sowie jener von Tschechien und Ungarn verglichen.

Im Anschluss wurde ein aufgezeichnetes Gespräch mit Verteidigungsminister Ueli Maurer ausgestrahlt, in dem dieser harsche Kritik am Beitrag äusserte. Dieser sei «tendenziös».

Genau diese Kritik nahm auch eine Popularbeschwerde auf, die bei der UBI einging. Neben der «mangelnden Objektivität» beanstandeten die Beschwerdeführer zudem die «respektlose Gesprächsführung» von «Rundschau»-Moderater Sandro Brotz.

Bundesrat Maurer äusserte sich in der Rundschau negativ über den gezeigten Beitrag zum Gripen.
Bundesrat Maurer äusserte sich in der Rundschau negativ über den gezeigten Beitrag zum Gripen.Bild: KEYSTONE

Kritik an Experten-Auswahl

Bei der Beurteilung des Umgangs waren sich die neun Mitglieder der UBI einig: Der Moderator habe dem Bundesrat den nötigen Respekt entgegengebracht. Zwei UBI-Mitglieder sahen allerdings die erhöhte Sorgfaltspflicht im Vorfeld von Abstimmungen verletzt.

Beanstandet wurde dabei insbesondere die Wahl des deutschen Politologen. Zwar sei dessen Verbindung zur SP transparent gemacht worden. Als ziviler Experte geniesse er aber eine grössere Glaubwürdigkeit als die Militärexperten, die zu Wort kamen. Letztere zähle das Publikum automatisch zu den Gripen-Befürwortern, während der Politologe «über der Auseinandersetzung» stehe. Auch zur Wahl der Vergleichsländer wurde in der UBI Kritik laut.

Schliesslich lehnte die Kommission die Beschwerde mit 7 zu 2 Stimmen ab. Das Publikum habe sich eine eigene Meinung bilden können. Und: Bundesrat Maurer habe ausreichend Gelegenheit erhalten, auf die im Beitrag aufgeworfene Kritik an der Gripen-Beschaffung Stellung zu nehmen.

UBI-Präsident Roger Blum wies zudem darauf hin, dass gerade Maurer die Medien zu einem schonungslosen Umgang mit den Behörden angehalten habe. Dies habe die «Rundschau» mit dem Beitrag beispielhaft umgesetzt.

Über 100 Beschwerden

Die «Rundschau»-Sendung vom 16. April hatte auch die SRG-Ombudsstelle auf Trab gehalten. Beim Ombudsmann Achille Casanova gingen über 100 Beschwerden ein.

Casanova wies diese aber allesamt ab. Zwar habe der Bericht «die hohen Anforderungen an die Ausgewogenheit, welche im Vorfeld einer Volksabstimmung verlangt werden», nicht erfüllt. Die Einseitigkeit des Beitrags sei aber durch das anschliessende Gespräch mit Maurer «weitgehend geheilt» worden. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
500 Franken pro Kopf mehr: Das treibt die Gesundheitskosten in die Höhe
Innert zehn Jahren sind die jährlichen Gesundheitskosten pro Kopf in der Schweiz um 500 Franken gestiegen. Das zeigt eine neue Studie im Auftrag der CSS. Interessant ist, welcher Faktor keine Rolle spielt.

Die Gesundheitskosten steigen stetig und mit ihnen die Krankenkassenprämien. Neue Zahlen lassen aufhorchen. Innerhalb von zehn Jahren haben die jährlichen Gesundheitskosten pro Kopf hierzulande um 579 Franken zugenommen – auf 3975 Franken. Das zeigt eine am Dienstag präsentierte Studie im Auftrag der CSS. Untersucht wurde die Kostenentwicklung in der obligatorischen Grundversicherung zwischen 2012 und 2021 der 1,53 Millionen Versicherten der grössten Krankenkasse der Schweiz.

Zur Story