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Verzögerte Patriot-Lieferungen in die Schweiz: Das plant Pfister

So will Pfister auf die verzögerten Patriot-Lieferungen aus den USA reagieren

Der Krieg im Iran verändert die Lage für die Schweiz dramatisch: Sie steht auf Jahre hinaus ohne Luftabwehr da, weil die USA die Patriot-Systeme selbst brauchen. Bundesrat Martin Pfister will reagieren.
06.03.2026, 07:5306.03.2026, 09:16
Othmar von Matt / ch media

«Jetzt wissen wir, weshalb die Amerikaner uns gegenüber auf Tauchstation gingen», sagt Mitte-Nationalrat Reto Nause, auch Präsident der Allianz Sicherheit Schweiz. «Sie wussten schon lange, dass sie den Iran angreifen.»

epa09937880 A German soldier walks during presentation of how it works at the launching station of NATO's Patriot missile air defense system operated by German army unit Flugabwehrraketengruppe 2 ...
Fünf Patriot-Systeme hat die Schweiz in den USA bestellt. Jetzt ist klar: Sie kommen noch jahrelang nicht.Bild: keystone

Auf Tauchstation gingen die USA bei den fünf Patriot-Systemen, welche die Schweiz 2022 für zwei Milliarden Franken bestellt hat. Im Sommer kam aus den USA noch die offizielle Nachricht, die Lieferungen verzögerten sich, weil die Ukraine bevorzugt werde. Später herrschte totale Funkstille.

Die Schweiz wusste nicht, was Sache ist. Inzwischen hat sich die Situation geklärt. Die Lieferung der Patriot-Systeme, die zwischen 2026 und 2028 vorgesehen war, verzögert sich um Jahre. Die USA brauchen die verfügbaren Patriot-Systeme und Raketen selbst. Zudem ist nun auch klar, weshalb US-Präsident Donald Trump am 7. Januar den US-Rüstungskonzernen androhte, Dividendenausschüttungen und Aktienrückkäufe zu verbieten.

Trump wollte «America first» in der Rüstungsindustrie – wegen des Iran-Krieges. Besonders hart ging der US-Präsident Patriot-Herstellerin Raytheon an. Das Unternehmen reagiere am wenigsten auf die Bedürfnisse des US-Kriegsministeriums, kritisierte er.

Eine dramatische Situation für die Schweiz

Das Boden-Luftabwehrsystem Patriot grosser Reichweite (bis 160 Kilometer) gilt in vielen Nato-Staaten als Rückgrat der bodengestützten Luftabwehr. Genau so war Patriot auch in der Schweiz vorgesehen. Die fünf Feuereinheiten sollten 15'000 von 41'285 Quadratkilometern Fläche der Schweiz abdecken, ein Drittel.

Nun ist die Schweiz als Drittstaat in der Prioritätenliste weit nach hinten gerutscht. Das ist für das Land dramatisch. Damit fehlt ihm bis Ende 2028 jegliche Boden-Luftverteidigung. Ab Ende 2028 bis 2031 sollten die fünf bestellten Systeme Iris-T mittlerer Reichweite (bis 40 Kilometer) des deutschen Rüstungsunternehmens Diehl Defence eintreffen.

Sicherheitspolitiker Nause schlägt Alarm. «Wenn wir ein europäisches Luftabwehrsystem für grosse Reichweite beschaffen können, müssen wir das tun», sagt er. Damit bezieht er sich auf Samp/T, das System grosser Reichweite (bis 150 Kilometer) des französisch-italienischen Rüstungskonzerns Eurosam. Dessen Generalsekretär Jérôme Dufour hatte in der «NZZ am Sonntag» gesagt, es könne seine Systeme bis 2029 ausliefern. Samp/T ist einsatzerprobt in der Ukraine.

«Wir sollen alles nehmen, was wir erhalten»

«Wir sollten alles nehmen, was wir erhalten können», sagt Sicherheitspolitiker Nause. «Wir können gar nicht genug Luftabwehrsysteme beschaffen, um unser Land gut zu schützen.» Die Schweiz müsse neben Flugzeugen, Helikoptern, Marschflugkörpern und Raketen auch Drohnen von drei bis 300 Kilogramm abwehren können. «Zudem brauchen wir Kampfjets gegen Hyperschallraketen.»

Vieles deutet darauf hin, dass Bundesrat Martin Pfister genau das dem Bundesrat am Freitag vorschlagen wird. Pfister will zwar die Patriot-Beschaffung weiterführen, sie aber mit Samp/T-Systemen ergänzen.

Bundesrat Martin Pfister, spricht an einer Medienkonferenz ueber die Staerkung der Sicherheit und Verteidigung der Schweiz, am Mittwoch, 28. Januar 2026, im Medienzentrum Bundeshaus in Bern. (KEYSTONE ...
Bundesrat Martin Pfister will heute offenbar seine neuen Pläne vorschlagen.Bild: keystone

Ständerat Dittli will Antworten auf offene Fragen

«Ich erwarte jetzt von Bundesrat Pfister konzeptionelle Überlegungen zur Frage, wie wir mit den vorhandenen Mitteln den Luftraum schützen wollen», fordert FDP-Ständerat Josef Dittli. «Und welche Rüstungsgeschäfte wir dafür zurückstellen.»

Dittli spricht damit auch Beschaffungen an für die Boden-Luftverteidigung mittlerer und kurzer Reichweite und für die Drohnenabwehr. Mit Iris-T beschafft die Schweiz ein Abwehrsystem mittlerer Reichweite. Zudem will das Land in den nächsten zehn Jahren 670 Millionen in die Drohnenabwehr investieren.

MBDA, das europäische Rüstungsunternehmen mit Standorten in Frankreich, Grossbritannien, Italien, Deutschland und Spanien, bietet in diesen Bereichen die ganze Palette: mit Mistral 3, einem tragbaren Flugabwehrsystem kurzer Reichweite (bis 8 Kilometer), mit dem bodengestützten Flugabwehrsystem VL Mica mittlerer Reichweite (bis 40 Kilometer) und dem Drohnenabwehrsystem Sky Warden.

Weshalb die Schweiz in den Fokus geraten kann

Mitte-Sicherheitspolitiker Nause sieht mit dem Krieg im Iran Gefahren auch für die Schweiz. «Der Iran fährt eine neue Strategie», sagt er. «Er weitet den Konflikt geografisch wahllos aus, um maximalen Schaden anzurichten und ihn damit möglichst teuer zu machen.»

Nause befürchtet, «dass künftige Aggressoren dieses Muster übernehmen, wenn es in Europa zu Konflikten kommt», wie er sagt. «Der Iran greift auch die Golfstaaten an, die ja grösstenteils als Vermittler auftraten. Das zeigt: Auch die Schweiz kann von heute auf morgen bedroht werden, trotz ihrer Neutralität.»

Das wird zwar kaum vom Iran ausgehen. Seine Raketen reichten nicht bis in die Schweiz. «Russland hingegen lagert in Kaliningrad Raketen und Marschflugkörper», sagt Nause, «die es bis in die Schweiz schaffen.» Deshalb hoffe er eines: «Dass die Schweizer Bevölkerung endlich realisiert, wie radikal sich die Bedrohungslage verändert hat.» (aargauerzeitung.ch)

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21 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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leykon
06.03.2026 08:51registriert Juni 2017
Deshalb hoffe er eines: «Dass die Schweizer Bevölkerung endlich realisiert, wie radikal sich die Bedrohungslage verändert hat.»

Die Bevölkerung hat schon lange begriffen, dass auf die USA kein Verlass ist. Darum Nein zu den Patriots und Nein zu den F-35A-Kampfjets.
Die einzigen, die es nicht kapiert haben, sind Mitte/SVP, die kein Rückgrat haben und lieber Trump in den Ar... kriechen

Beschämend 🤷‍♂️
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Eugen1999
06.03.2026 08:37registriert November 2019
Das ist jetzt die andere Seite der Weggli-Batzendynastie in Bern. Vor lauter Tüpflischysserei steht der ganze VBS-Verein im Lauch. Milliarden verlocht (z.B. F35, Patriot, Drohnen) und nun nichts als jammern. Ich sehe das VBS und die Armasuisse nur noch als Verein der optimierten Unfähigen gecoacht von aalglatten Abzockern. Diesen Verein bändigen ist wie ein gordischer Knoten und jeder BR zappelt an den Fäden dieses Molochs. Mal drauf hauen Herr Pfister!
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bokl
06.03.2026 08:57registriert Februar 2014
Lieber BR Pfister. Heute sollten Sie zwei Telefonate tätigen.

1. Anruf in den USA und Patriot-Bestellung stornieren
2. Anruf in der Ukraine. Kooperation aufgleisen zur (Eigen-)Produktion von Drohnenabwehrsystemen. Und dabei die "einfachen" Ansätze der Ukrainer übernehmen. Ein HighTech-Swiss-Finish ist unnötig.
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