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In den Niederlanden, wie hier in Utrecht, müssen Restaurants wieder um 00.00 Uhr schliessen.
In den Niederlanden, wie hier in Utrecht, müssen Restaurants wieder um 00.00 Uhr schliessen.
Bild: keystone

Fallzahlen explodieren in den Niederlanden: Wie es dazu kam und ob es bei uns auch so wird

Die Niederlande haben zwar rund doppelt so viele Einwohner wie die Schweiz, beim Impftempo und den bisherigen Massnahmen sind wir aber ziemlich ähnlich unterwegs. Jetzt explodieren die Fallzahlen in den Niederlanden. Ein Vorgeschmack darauf, was auch auf uns zukommt?
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15.07.2021, 13:3315.07.2021, 13:49
Reto Fehr
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Der niederländische Premierminister hat zugegeben, dass die massive Wiedereröffnung Ende Juni eine «Fehleinschätzung» war, aber der Schaden ist angerichtet: Das Land erlebt derzeit einen massiven Anstieg an Fällen. Und ist in vielen Punkten mit der Schweiz vergleichbar.

In den Niederlanden war die Freude nur von kurzer Dauer. Am Mittwoch, 7. Juli, gab die Regierung bekannt, dass sie «keine andere Wahl» habe, als neue Beschränkungen zu verhängen. Nur zwölf Tage nachdem die meisten Schutzmassnahmen aufgehoben wurden.

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Die Situation in den Niederlanden

Das Land ist derzeit mit einem starken Anstieg der Infektionen konfrontiert. In nur einer Woche ist die Zahl der festgestellten Fälle von 500 auf 7000 pro Tag gestiegen – ist also um den Faktor 14 gestiegen. Insgesamt wurden in den letzten sieben Tagen fast 52'000 Menschen positiv getestet. Eine «noch nie dagewesene» Entwicklung, so Gesundheitsminister Hugo de Jonge.

Zum Zeitpunkt der Lockerungen sank die Infektionszahl noch. Im 7-Tagesschnitt lag man knapp unter 40 – ähnlich wie aktuell in der Schweiz.

In den letzten drei Wochen ist die durchschnittliche Zahl der neuen Fälle um mehr als 7600 gestiegen, berichtet der Reuters Covid-19 Tracker.

Wie kam es dazu?

Diese Explosion von Fällen wird natürlich durch die Delta-Variante verursacht, die viel ansteckender ist als der ursprüngliche Coronavirus-Stamm. Wie weltweit, so wird auch in den Niederlanden diese Mutation dominant.

Die Verbreitung der «indischen Variante» erklärt jedoch nicht alles. Laut Experten, die von Sky News interviewt wurden, haben junge Menschen viel damit zu tun. Hierfür gibt es zwei Hauptgründe:

  • Erstens haben junge Menschen ein intensiveres soziales Leben und frequentieren Orte wie Bars und Diskotheken, wo Abstände viel weniger respektiert werden.
  • Zweitens ist dieser Teil der Bevölkerung weniger wahrscheinlich durch Impfstoffe geschützt: Eine grosse Anzahl junger Menschen ist nicht oder nur teilweise geimpft.

Die Daten unterstützen diese Hypothese. Die Behörden gaben an, dass 37 Prozent der Infektionen, die zu einer Quelle zurückverfolgt werden konnten, in Lokalen des Nachtlebens auftraten, berichtete die Associated Press. So gab es beispielsweise anfangs Juli in Utrecht ein zweitägiges Festival, das zum Superspreader-Event wurde. Über 1000 Fälle werden mit dem Festival in Verbindung gebracht – und dies, obwohl die Veranstalter sich an die Massnahmen hielten und Besucher ihre Impfung, den negativen Test oder eine durchgemachte Infektion nachweisen mussten.

Die Infektionen bei den 18- bis 24-Jährigen stiegen um 262%, während bei den 25- bis 29-Jährigen die Neuerkrankungen um 191% zunahmen.

Wie schlimm ist die Situation?

Die Behörden versichern, dass «der Anstieg der Infektionsrate derzeit keine Bedrohung für gefährdete Gruppen oder für die Kapazität des Gesundheitssystems darstellt», schreibt die Regierung auf ihrer Website.

Trotz der explosionsartigen Zunahme der Fälle ist die Zahl der Krankenhauseinweisungen in der letzten Woche nur geringfügig gestiegen: Es wurden 60 neue Patienten ins Krankenhaus eingeliefert.

Allerdings könnte sich dies bald ändern. Aktuell stecken sich vor allem Jüngere an, die weniger häufig ins Spital müssen. Die niederländische Task-Force warnte aber vor einer kommenden Überlastung des Gesundheitswesens.

Es gibt jedoch keinen Grund, unsere Wachsamkeit zu verringern. Die Behörden «können nicht ausschliessen», dass die Zahl der Krankenhausaufenthalte wieder steigt. Ausserdem kann eine so hohe Zahl von Infizierten ein Risiko für diejenigen darstellen, die nicht vollständig geimpft wurden.

Wir haben hier zum Vergleich noch die Entwicklung der Hospitalisationen in Grossbritannien dazu genommen. Dort stiegen die Fallzahlen rund einen Monat vor jenen in den Niederlanden. Die Hospitalisationen nahmen aber erst jetzt zu und stehen aktuell bei rund wöchentlich 40 pro Million Einwohner.

Wie reagiert die Regierung?

Als Reaktion auf diesen Ausbruch ergriffen die Behörden eine Reihe von Massnahmen, darunter die Schliessung von Nachtclubs und von Restaurants um Mitternacht. Am Montag sagte Ministerpräsident Mark Rutte zu den Wiedereröffnungen:

«Wir dachten, wir könnten es schaffen, aber es hat sich in der Praxis nicht bewahrheitet. Wir haben eine Fehleinschätzung gemacht und entschuldigen uns dafür.»
Ministerpräsident Mark Rutte.

Die neuen Restriktionen gelten bis am 13. August.

Wird es bei uns ähnlich?

Auch die Schweizer Task-Force warnte bereits, dass der Anstieg der Hospitalisationen – wie in Grossbritannien – erst bevorstehen könnte. Denn die Impfquote liegt bei uns tiefer.

Im Gegensatz zu den Niederlanden sind bei uns aber nur die Impfstoffe Moderna und Pfizer/BioNTech zugelassen, welche bisher gegen die Delta-Variante besser zu schützten scheinen als AstraZeneca oder Johnson&Johnson, welche in den Niederlanden ebenfalls zugelassen sind.

Zudem sind unsere Massnahmen weiterhin strenger als in den Niederlanden und das Niveau der Fallzahlen war dort vor Delta schon höher.

Absehbar bleibt, dass die Fallzahlen auch bei uns weiter steigen werden.

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