DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

EU-Skeptiker auf Vormarsch? So hat sich das Europaparlament seit der Gründung verändert

Im Mai wählen die EU-Bürger ein neues Parlament. Können die EU-Skeptiker ihren Siegeszug fortsetzen oder kommen jetzt die Grünen? Das sagen die Zahlen und die Experten.
15.04.2019, 19:1016.04.2019, 11:19

Vom 23. bis am 26. Mai findet in der EU zum neunten Mal die Wahl des Europaparlamentes statt. Rund 400 Millionen wahlberechtigte EU-Bürger sind dann aufgerufen, die Zusammensetzung des grössten transnationalen Parlamentes zu bestimmen.

Für die EU eine wegweisende Wahl. Das Parlament bestimmt gleichberechtigt mit dem EU-Ministerrat über die Rechtsgrundlage, über Abkommen mit Drittstaaten und über das Budget der Staatenvereinigung.

In der jüngsten Vergangenheit konnten besonders die EU-skeptischen Parteien gegenüber den traditionellen Fraktionen der Christ- und Sozialdemokraten aufholen. Aber auch die Liberale Fraktion ist wieder im Aufwind, wie ein Blick auf den Verlauf der letzten Wahlen zeigt:

Diese Fraktionen hatten jeweils die Nase vorn:

So hat sich die Zusammensetzung seit 1979 verändert:

Für das Jahr 2019 wurden die Schätzzahlen von «Europe Elects» verwendet. Die NGO hat sich der Analyse verschiedener Wahlen in Europa verschrieben und eine Vorhersage für 2019 erstellt. In dieser Vorhersage sind für Grossbritannien keine Mandate mehr vorgesehen, es fallen also Sitze weg.

Im Rückblick zeigt sich also, dass besonders die sozialdemokratischen und allgemein die linken Parteien in den Wahlen Federn lassen mussten. Die Sozialdemokratische Fraktion hatte bis zur Jahrtausendwende die Nase vorn, wurde dann jedoch von der Christlich-demokratischen Fraktion eingeholt.

Die Kommunistische Fraktion verschwand sogar in den Europawahlen 1990 und schloss sich der Linken Koalition an. Auch die Grünen konnten bisher im Europäischen Parlament nicht wirklich durchstarten. Die Mandate bewegen sich seit dem Einstieg in das Parlament 1989 zwischen 23 und 55 Mandaten.

Nigel Farage beim Wahlkampf für die Europawahlen.
Nigel Farage beim Wahlkampf für die Europawahlen.Bild: AP/AP

Zum Vergleich: Die EU-skeptischen Parteien, also Nigel Farages Partei «Europa der Freiheit und der direkten Demokratie» (EFDD) und die Partei «Europäische Konservative und Reformer» (ECR), konnten zusammen innert weniger Jahre 118 Mandate auf sich vereinen.

Doch kein Grünrutsch in Europa?

Doch die Frage stellt sich: Ist 2019 das Jahr der Grünen Parteien? In Deutschland dürfte sich die Zahl der Mandate der Grünen für das Europaparlament verdoppeln. Ähnliche Gewinne werden auch aus den Niederlanden, Finnland und Litauen erwartet, schreibt n-tv in einer Analyse.

Doch in vielen europäischen Ländern ist ein gegenteiliger Trend beobachtbar. «In Osteuropa ergeht es den Grünen ein wenig wie in Ostdeutschland. Die Menschen haben massive Umbrüche erlebt und uns Grüne gibt es in vielen Ländern Osteuropas noch nicht so lange. Daher haben wir Probleme», bestätigt auch die Fraktionschefin der europäischen Grünen, Ska Keller gegenüber dem Nachrichten-Portal.

Die Mandate der Fraktionen auf Länder aufgeteilt:

Ähnliches prognostiziert «Europe Elects». Die Grünen (7. Slide in der Grafik) werden laut der NGO nur in Deutschland stark zulegen können. Aus Osteuropa und dem Balkan werden keine Mandate dazu kommen.

Die Euphorie der Klimastreiks in Westeuropa verpufft damit an der Angst vor steigenden Asylzahlen in Osteuropa, meinen Experten. Doch auch die EU-Skeptiker werden ihren Siegeszug nicht fortsetzen können, schätzt die NGO.

Was die Europawahl für die Schweiz bedeutet

In der Schweiz leben laut Ausländerstatistik 1,4 Millionen EU-Bürger. Zählt man die 600'000 Schweizerinnen und Schweizer hinzu, die als Doppelbürger ebenfalls einen EU-Pass besitzen, ist rund ein Viertel des Landes direkt von der Europawahl betroffen.

Die EU rechnet mit 1,7 Millionen wahlberechtigten EU-Bürgern in der Schweiz. Das ist mehr, als es in einigen EU-Ländern gibt, schreibt die Delegation der Europäischen Union für die Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein in einer Pressemitteilung.

Ein chaotischer Brexit hätte für die EU verheerende Folgen

Video: srf

26 Küsse, die nichts gebracht haben – die EU steckt in der Krise

1 / 28
26 Küsse, die nichts gebracht haben – die EU steckt in der Krise
quelle: x01164 / francois lenoir
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

52 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Str ant (Darkling)
15.04.2019 20:42registriert Juli 2015
Das EU Parlament hat 5 millionen Unterschriften und zahlreiche Demos gegen das gerade beschlossene Zensurheberrecht ignoriert.
Bürger der EU wurden als Bots bezeichnet und belächelt.

Wenn man sowas bedenkt muss man sich nicht wundern!
16428
Melden
Zum Kommentar
avatar
Ökonometriker
15.04.2019 22:09registriert Januar 2017
So viele Parteien mit 'Demokraten' im Namen aber kaum einer fordert direkte Demokratie. Dabei ist es so offensichtlich und gut belegt, dass eine möglichste breite Aufteilung der Macht zu effizienteren Ergebnissen führt.
9527
Melden
Zum Kommentar
avatar
Juliet Bravo
15.04.2019 22:08registriert November 2016
Wär die Schweiz Mitglied, würden wir auch mehr SVPler als FDPler (liberale Fraktion), CVP (EVP-Fraktion) oder Sozialdemokraten schicken.
4314
Melden
Zum Kommentar
52
Ständerat verschiebt Entscheid über höhere Prämienverbilligungen

Der Ständerat entscheidet vorläufig nicht über eine Erhöhung des Bundesanteils an die Prämienverbilligung um 30 Prozent. Er hat in seiner ausserordentlichen Session am Montag zwei Motionen seiner Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK-S) zugewiesen.

Zur Story