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Board of Peace: Warum die Schweiz im Friedensrat von Trump Beobachterin ist

Warum die Schweiz im neuen Friedensrat von Trump als Beobachterin mitmacht

Gleich zwei Vertreter des Aussendepartements sassen am Donnerstag in Washington im Publikum, als Trumps «Board of Peace» erstmals zusammentraf. Was sagen sie über das Gremium?
20.02.2026, 09:1220.02.2026, 09:13
Renzo Ruf

Als sich am Donnerstag in Washington der Friedensrat zur ersten offiziellen Sitzung traf, da war auch eine Delegation aus der Schweiz im Raum. Auf Einladung der amerikanischen Regierung, die beim «Board of Peace» die Fäden zieht, nahmen nebst Monika Schmutz Kirgöz, die Leiterin der Abteilung für den Mittleren Osten und Nordafrika im Aussendepartement EDA, auch der Schweizer Botschafter Ralf Heckner an der dreistündigen Veranstaltung teil.

epa12758455 The Gaza reconstruction plan is shown on a screen during the Board of Peace meeting at the Donald J. Trump U.S. Institute of Peace in Washington, USA, 19 February 2026. Established by Dona ...
Vorne halten die Mitglieder des neuen Friedensrat («Board of Peace») ihre Reden, im Publikum sitzen die Beobachter und hören zu: Die erste Sitzung am Donnerstag in Washington.Bild: keystone

Und zwar als Beobachter, die sich nicht direkt ins Geschehen einmischen konnten. Im Publikum sassen auch Diplomaten aus Deutschland, Österreich, Italien – von den grossen Schweizer Nachbarn war einzig Frankreich nicht vertreten.

Nach der Sitzung sagte Schmutz Kirgöz: «Es war wichtig, dabei zu sein.» Die Sitzung habe sich, so wie von den amerikanischen Organisatoren angekündigt, vornehmlich um Gaza und die Situation der Palästinenser gedreht. Das sind Themen, zu denen die Schweiz viel zu sagen hat, und deshalb habe sich das EDA einbringen wollen. «Wir wollen wissen, wohin die Reise geht», sagte Schmutz Kirgöz an einer Pressekonferenz in Washington. Schliesslich sei das «Board of Peace» derzeit das einzige länderüberschreitende Gremium, in dem (im Auftrag der Uno notabene) die Zukunft von Gaza diskutiert werde.

,Monika Schmutz Kirgoez, Chefin Abteilung MENA, spricht an einer Medienkonferenz ueber die aktuelle Lage der Schweizer Vertretungen in Israel und im Iran, am Freitag, 20. Juni 2025, im Medienzentrum B ...
Diplomatin und EDA-Vertreterin Schmutz Kirgöz.Bild: KEYSTONE

Eine dauerhafte Mitgliedschaft im Friedensrat, dessen Präsident auf Lebenszeit Donald Trump heisst, kostet eine Milliarden Dollar. Schmutz Kirgöz wollte den anwesenden Medienschaffenden nicht verraten, ob sie sich nach ihrer Rückkehr nach Bern für einen Beitritt der Schweiz zum Friedensrat einsetzen werde. Der Bundesrat klärt die weiteren Schritte derzeit ab. Letztlich müssten aber auch das Parlament und das Stimmvolk Ja zu einem Betritt sagen.

Grundsätzlich aber, sagte die EDA-Vertreterin, setze sich die Schweiz für den Multilateralismus, das Völkerrecht und die Vereinten Nationen ein. Wer wollte, konnte aus dieser Aussage schliessen, dass Bundesbern der neuen Organisation skeptisch gegenübersteht.

Noch unklar, wann Friedensrat wieder tagt

Trump nahm am Donnerstag die Kritiker der neuen Organisation direkt ins Visier. Er bezeichnete die Haltung einiger ungenannter Weltpolitiker dem Friedensrat gegenüber als Getue («playing a little cute»). Mit ihm aber werde das nicht funktionieren. Früher oder später würden alle Mitglieder werden, prognostizierte Trump.

Ralf Heckner, swiss ambassador USA, 22.1.2025
Ralf Heckner, der Botschafter der Schweiz in den USA.Bild: zvg/EDA

Botschafter Heckner sagte dazu: «Ich habe mich persönlich nicht angesprochen gefühlt.» Die Aussage Trumps sei nicht als versteckte Drohung gegen Beobachternationen wie die Schweiz zu verstehen. Das hätten ihm auch seine Kontakte im amerikanischen Aussenministerium versichert.

Dennoch muss Bern natürlich aufpassen, sich nicht allzu stark zu exponieren — schliesslich diskutieren die Schweiz und die USA derzeit über ein neues Handelsabkommen, das bis Ende März vorliegen soll.

Wann sich der Friedensrat zum nächsten Mal treffen wird, wurde am Donnerstag nicht bekannt. Und deshalb ist auch unklar, ob die Schweiz auch weiterhin einen Beobachterstatus geniessen wird. Das ist wohl eine Entscheidung, die Trump noch nicht getroffen hat.

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56 Kommentare
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HenryJames
20.02.2026 09:19registriert Februar 2018
Für einmal habe ich volles Vertrauen in das Schweizer Volk, dass spätestens es den Beitritt zu diesem Horrorgremium ablehnen wird.
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uicked
20.02.2026 09:26registriert Oktober 2017
Ein Friedensrat dessen beitritt 1 Mia kostet. Deren Präsident auf Lebzeit D.T ist. Das stinkt ja bis hier nach Korruption.
Zum Glück können wir in der Schweiz abstimmen.
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ImmerMitderRuhe
20.02.2026 09:14registriert Februar 2023
Die Schweiz: unangefochten Weltmeister im Beobachten.
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