In den nächsten «zehn Tagen» entscheidet Trump, ob er einen neuen Krieg startet
Diese Rolle spielt er am liebsten. Donald Trump, amerikanischer Präsident, gab am Donnerstag den globalen Friedensstifter. Als Präsident des neuen «Board of Peace» leitete er in Washington die erste offizielle Sitzung des Gremiums, das in Trumps Augen die Vereinten Nationen stärken soll. Kritiker allerdings sagen, der Amerikaner wolle die Uno ersetzen.
Wobei: Sitzung ist vielleicht ein Wort, das einen falschen Eindruck erwecken könnte. Denn debattiert wurde an der Veranstaltung nicht.
Vielmehr nutzte der Gastgeber die Zusammenkunft, um eine 50 Minuten dauernde Rede zu halten, in der er alle Register zog. So tauschte Trump sich mit Gianni Infantino — der Generalsekretär des Fussball-Verbandes Fifa, der nebst 17 Staats- und Regierungschefs anwesend war — über die Vorzüge von Tarnkappenbomber und die Gefahr von Rolltreppen aus. Auch lobte er den Dokumentarfilm «Melania», in dem seine Gattin die Hauptrolle spielt. Und er beschwerte sich, einmal mehr, bitterlich über Norwegen, das ihn bei der Vergabe des Nobelpreises übergangen habe.
Vor allem aber machte Trump launige Bemerkungen über die anwesenden Gäste und seine Fähigkeiten, angeblich rund um die Welt Frieden zu stiften. Also sagte er: «Es gibt nichts Wichtigeres als Frieden.» Oder: «Wir haben nun Frieden im Mittleren Osten.»
Diese Bemerkung bezog sich vor allem auf Gaza — wurde der Friedensrat von Trump doch ursprünglich ins Leben gerufen, um den Gaza-Krieg zu beenden. Die Organisation hat sich zum Ziel gesetzt, den Waffenstillstand zu überwachen und den Wiederaufbau des zerstörten Landstreifens voranzutreiben. Mehrere Anwesende bekräftigten erneut, dass sie diesen Prozess finanziell und logistisch unterstützen würden.
So versprach Infantino, dass die Fifa in Gaza 50 Mini-Fussballplätze bauen werde. Auch ist die Konstruktion eines neuen Stadions mit bis zu 25'000 Sitzplätzen geplant, wie einem Videofilm zu entnehmen war, der mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt wurde. «Fussball ist die universelle Sprache dieser Welt», sagte der Fifa-Chef. Deshalb unterstütze auch seine Organisation die Ziele des Friedensrates im Mittleren Osten.
Trump sagt, die Verhandlungen mit Iran seien gut
Zum Mittleren Osten gehört aber auch der Iran. Und natürlich weiss Trump, dass der Rest der Welt gebannt mitverfolgt, wie er als Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte derzeit massiv Truppen in die Weltgegend verschiebt. So befindet sich der Flugzeugträger USS Abraham Lincoln vor der Küste Omans; zudem ist das grösste Kriegsschiff der Welt, die USS Gerald R. Ford, auf dem Weg ins Mittelmeer.
Trump könnte mit Hilfe dieses Waffenarsenals, das auch Kampfflugzeuge, Unterseebote und Tausende von Soldaten umfasst, bereits am Wochenende den Iran angreifen. Aus seinem Umfeld heisst es allerdings, dass der Präsident noch keine entsprechenden Befehle erteilt habe.
In seiner Rede während der Beratungen des Friedensrates deutete Trump an, dass der Moment der Entscheidung näher rückt. Der Iran sei derzeit ein «hotspot», sagte er, was sich mit Krisenherd oder Gefahrenherd übersetzen lässt. Er sagte aber auch, dass die Verhandlungen mit dem Regime in Teheran gut vorankommen würden. Die letzte Gesprächsrunde hatte am Dienstag in Genf stattgefunden, unter Vermittlung von Oman.
Allerdings machte Trump auch klar, dass sein Land in diesen Verhandlungen nicht zu Konzessionen bereit sei. So wiederholte er die Aussage, der Iran dürfe nie Nuklearwaffen besitzen. Wenn das Regime dieser «sinnvollen» Forderung widersetze, dann würden «schlimme Dinge» geschehen, warnte der Vorsitzende des Friedensrates. Und an die anwesenden ausländischen Vertreter gerichtet sagte er: «In den nächsten 10 Tagen» würden sie wahrscheinlich herausfinden, in welche Richtung es gehen werde.
Schweiz mit zwei Beobachter vertreten
Nun ist Trump berüchtigt dafür, dass er Fristen stellt und dann wieder vergisst. Der amerikanische Truppenaufmarsch im Mittleren Osten deutet aber darauf hin, dass er es dieses Mal ernst meint. Seine Verbündeten in der Politik und in den Medien jedenfalls warnen das Regime in Teheran davor, die Drohgebärden des amerikanischen Präsidenten zu ignorieren. So sagte der «Fox News»-Moderator Sean Hannity, zu dessen Fans auch Trump gehört: «Ich habe einen kleinen Ratschlag an die radikalen Anführer des Iran. Sie sollten vielleicht früher als gedacht ins Flugzeug nach Russland steigen. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt.»
Der Iran war an der Sitzung des Friedensrates, der aktuell ungefähr 30 Mitglieder zählt, natürlich nicht vertreten. Boykottiert wurde die Zusammenkunft des «Board of Peace» auch von China und Russland. Andere Staaten wählten einen Mittelweg und schickten Beobachter nach Washington, die an der Sitzung teilnehmen. Dazu gehörte auch die Schweiz. Nebst Botschafter Ralf Heckner war Monika Schmutz Kirgöz anwesend, die Leiterin der Abteilung für den Mittleren Osten und Nordafrika im Department für auswärtige Angelegenheiten. (aargauerzeitung.ch)
