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Lawine losgetreten: Mit einer Zwischenbemerkung in der «Arena» machte Beatrix Grüter die Händedruck-Verweigerung von Therwil zu einem nationalen Thema.
screenshot: srf

Interview

Diese Frau brachte den Fall Therwil ins Rollen

Beatrix Grüters «Arena»-Auftritt schlug hohe Wellen: Die ehemalige FDP-Kantonsrätin aus dem Kanton Luzern war die Erste, die den verweigerten Händedruck in Therwil öffentlich ansprach.

Bojan Stula / bz Basel



Eigentlich war Beatrix Grüter (73) nur Studio-Zaungast in der «Arena»-Sendung vom 1. April, als die «Angst vor dem Islam» diskutiert wurde. Doch mit ihrer Zwischenbemerkung, dass an einer Schweizer Schule junge Muslime den Lehrerinnen nicht mehr die Hand reichen würden, gab sie die Vorlage zu einer mehrwöchigen hitzigen Debatte. Die pensionierte Lehrerin und frühere FDP-Kantonsrätin aus Willisau (LU) erklärt im «BZ»-Interview, wieso sie nach wie vor zu ihrer Kritik an der Händedruckverweigerung steht, und was sie von der Schweizer Öffentlichkeit erwartet.

Beatrix Grüter, Sie haben mit Ihrer Aussage in der «Arena» den Therwiler Behörden und der Sekundarschule einen regelrechten Shitstorm eingebrockt, wie man auf Neudeutsch sagt.
Beatrix Grüter: Dass Therwil in ein schiefes Licht geraten ist, tut mir leid.

Noch schlimmer traf es die muslimische Familie. Sie wurde zum Ziel einer medialen Kampagne, und die beiden Brüder gerieten sogar ins Visier der Sicherheitsbehörden.
Verlangen Sie jetzt ja kein Bedauern von mir! Ich habe in einem Kommentar aus Deutschland etwas gelesen, dass mir sehr gut gefallen hat: Wir sind ein freier Staat, jedermann kann ihn jederzeit verlassen. Es ist entscheidend, dass man den Fundamentalisten klar aufzeigt: So und so geht das bei uns. Ich bin gleichzeitig froh und erstaunt darüber, was ich alles ausgelöst habe. Ich bekam sogar eine Interviewanfrage von der ARD.

Aber für die beiden muslimischen Brüder muss der vergangene Monat die Hölle gewesen sein.
Vielleicht musste es soweit kommen, bis man endlich bei uns merkt, dass man solche Zustände offen ansprechen muss.

«Ich denke, dass nun vielen die Augen aufgegangen sind.»

Ging es Ihnen vor allem darum, den grassierenden muslimischen Fundamentalismus zu stoppen?
Mir ging es vor allem um die Diskriminierung der Frau. Die Art und Weise, wie in Therwil weibliche Lehrpersonen von jungen Muslimen diskriminiert worden sind, ist inakzeptabel. Ich habe da meine eigenen Erfahrungen gemacht. Mein Mann und ich besitzen eine Liegenschaft. Wenn wir bei Mietern zum Beispiel aus dem Kosovo darauf beharren, dass auch die Frau den Mietvertrag unterschreiben muss, macht der Mann grosse Augen, und die Frau fühlt sich in eine unangenehme Situation gebracht. Das geht doch nicht.

Es wurde aber weniger über die Gleichberechtigung als den muslimischen Fundamentalismus gestritten.
Die ganze Geschichte ist eine Gratwanderung, und das eine hängt mit dem anderen zusammen. Ich denke, dass wir in der Schweiz unseren Toleranzbegriff überdehnt haben. Jetzt müssen wir hinstehen und sagen: Halt, nicht weiter! Die Leute werden von Fundamentalisten dazu aufgehetzt, unsere Toleranz auszunützen.

Die SVP hat das Thema dankbar aufgenommen.
Natürlich löst diese Diskussion einen Rechtsrutsch aus. Ich habe selber zwölf Jahre lang im Luzerner Kantonsrat politisiert, stand aber nicht so weit rechts wie die SVP. Aber ich bin froh darüber, dass in dieser Frage fast alle Parteien am gleichen Strick ziehen. Ich denke, dass nun vielen die Augen aufgegangen sind.

Inwiefern?
Wenn der Vater sagt, dass die beiden Buben im Islam mit 14 Jahren volljährig sind und selber entscheiden können, dann geht das doch nicht. Unsere Gesetze besagen, dass die Volljährigkeit erst mit 18 beginnt.

Das heisst, sie plädieren für die kompromisslose Durchsetzung von Gesetzen und Werten, selbst gegen den Glauben?
Natürlich. Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Während des Ramadans hatten wir in unserer Liegenschaft zuerst ständig Probleme, weil bis spät in die Nacht mit Riesenkrach gefestet wurde. Als wir unseren muslimischen Mietern erklärten, dass es so nicht geht, wurde es schlagartig besser. Wir haben eine Linie gezogen.

«Ich habe fast ausschliesslich positive Reaktionen erhalten.»

Im Fall der Therwiler Sekundarschule ist es aber nicht so einfach, weil das Händeschütteln nirgends in einer Verordnung festgeschrieben steht. Insofern hat doch die Schule korrekt gehandelt, indem sie mit den beiden Schülern eine Übergangslösung getroffen und beim Kanton ein Rechtsgutachten angefordert hat.
Die Schule hat sich vielleicht schon richtig verhalten, aber der Hauptfehler liegt darin, dass das Gutachten im Oktober angefordert wurde und noch immer nicht vorliegt. Dass man das so lange vor sich her schiebt, ist doch einfach nur lächerlich. Ich weiss aber auch, dass die Kompromisslösung innerhalb der Therwiler Lehrerschaft einigen Unmut ausgelöst hat.

Woher?
Das verrate ich nicht. Ich muss diese Person schützen.

Sie haben nach Ihren beiden TV-Auftritten bestimmt zahlreiche Reaktionen erhalten. Auch negative?
Ich habe fast ausschliesslich positive Reaktionen erhalten. Viele Leute haben mir gratuliert, dass sich endlich jemand getraut, die Missstände offen auszusprechen. Die einzige negative Reaktion war jene von Charles Lewinsky in der zweiten «Arena», der bloss abgewiegelt hat. Das war völlig daneben. Ich bin schon erstaunt, was meine Aussage ausgelöst hat.

Hoffen Sie auf ein strenges Vorgehen der Baselbieter Behörden, sobald das Rechtsgutachten vorliegt?
Das Rechtsgutachten hat für mich bloss zweite Priorität. Zentral für mich ist dagegen, dass man jetzt dranbleibt und aufdeckt, wie die hiesigen Moscheen finanziert werden und wie viele Gelder aus Saudi-Arabien zu den hiesigen Extremisten fliessen. Gerade bezüglich der Moscheen-Finanzierung hoffe ich nicht, dass das Thema jetzt wieder versandet. 

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