Schweiz
Interview

SVP-Nationalrat will Bundesanwalt Lauber verhören

Quality Repeat: Swiss Federal Attorney Michael Lauber puts on his jacket at the end of a media conference at the Media Centre of the Federal Parliament in Bern, Switzerland, on Friday, 10 May 2019. Fe ...
Bundesanwalt Michael Lauber stellte sich heute den Medien. Experten hat er nicht überzeugt.Bild: KEYSTONE
Interview

«Man muss ihm vertrauen können»: SVP-Nationalrat will Bundesanwalt Lauber verhören

Jürg ackermann / ch media
Der SVP-Nationalrat Roland Büchel ist Fifa-Kenner. Der St. Galler kritisiert Bundesanwalt Michael Lauber.
11.05.2019, 06:3711.05.2019, 06:37

Wie beurteilen Sie den Auftritt von Bundesanwalt Michael Lauber?
Roland Büchel: Er war schwach, obwohl Michael Lauber einer der besten Kommunikatoren im Land ist. Mir fehlt noch immer eine glaubwürdige Erklärung auf die Frage des dritten Treffens mit Fifa-Präsident Gianni Infantino. Sich mit Vergesslichkeit herauszureden, genügt mir nicht. Ich habe darum in der SVP den Antrag gestellt, dass der Bundesanwalt vor der Fraktion Auskunft geben und kritische Fragen beantworten muss.

Rino Büchel, SVP Nationalrat
Aussenpolitiker und St. Galler SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel.bild: zvg

Gegen Bundesanwalt Lauber läuft ein Disziplinarverfahren. Ist seine Wiederwahl gefährdet?
Wenn es nächste Woche eine Empfehlung durch die Gerichtskommission gibt, dann wird er wohl wiedergewählt. Ganz grundsätzlich aber gilt: Bundesanwalt ist einer der wichtigsten Positionen im Land – mit sehr weitgehenden Kompetenzen. Ich muss ihm als kleiner Nationalrat nicht sagen, wie er die Arbeit machen soll. Aber ich stelle den Anspruch, dass er sie korrekt macht und ehrlich darüber Auskunft gibt. Man muss ihm vertrauen können.

Sollte die Wahl verschoben werden, bis ein Ergebnis dieses Disziplinarverfahrens vorliegt?
Das muss die Kommission entscheiden. Im Prinzip bin ich dagegen. Ich finde, wir müssen wie geplant im Juni entscheiden, ob wir ihm das Vertrauen weiter aussprechen können. Eine Bundesratswahl wird ja auch nicht verschoben, nur weil ein Kandidat in Schwierigkeiten ist.

Wie kann es sein, dass es im prestigeträchtigen Fifa-Dossier auch nach bald vier Jahren noch immer nicht zu einer Anklage gekommen ist?
Es dauert ganz klar zu lange. Auch für die Betroffenen. Vor allem dann, wenn es nicht zu einer Anklage kommen sollte. Da fragt man sich schon, wie das sein kann, wenn man auf die Mittel schaut, die der Bundesanwaltschaft zur Verfügung stehen.

Der Fifa-Fall steht unter Beobachtung der Weltöffentlichkeit. Muss die Schweiz einen Imageschaden befürchten?
Ja, damit ist zu rechnen. Und ich habe ehrlich gesagt keine Lust, dass wir wieder wie eine Bananenrepublik da stehen wie bei früheren Fifa-Geschichten. Der Fifa-Fall ist wichtig, aber er ist vor allem auch darum so gross, weil ihn Bundesanwalt Lauber so gross gemacht hat, beispielsweise durch seinen Auftritt mit der US-Justizministerin Loretta Lynch vor drei Jahren. Schon unmittelbar nach Laubers Wiederwahl vor vier Jahren machte der Fifa-Fall weltweit Schlagzeilen, weil Lauber mit einer gross inszenierten Pressekonferenz riesige Erwartungen geweckt hatte. (CH Media)

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