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Geri Mueller gibt ein Interview im Wandelhalle an der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 9. September 2014, in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Im Fall #gerigate soll eine Mediation eine tragfähige Lösung zutage fördern. Bild: KEYSTONE

#gerigate

Mediator Markus Leimbacher: «Geri Müller und der Badener Stadtrat haben gemeinsame Interessen»

Am Montag ist eine Mediation zwischen Stadtammann Geri Müller und den weiteren sechs Badener Stadträten beschlossen worden. Der erfahrene Mediator Markus Leimbacher sieht Chancen für eine Lösung der verfahrenen Situation.

fabian hägler / aargauer zeitung

Ein Artikel der

An der ersten Sitzung mit Geri Müller, seit die Nackt-Selfie-Affäre vor gut drei Wochen publik wurde, hat der Badener Stadtrat eine Mediation beschlossen. Wer diesen Prozess leiten wird, wann die erste Sitzung stattfindet, wie die Zielsetzung lautet und bis wann sich der Stadtrat Zeit gibt, die verfahrene Situation zu lösen, wollte Jacqueline Keller Borner, Leiterin Kommunikation der Stadt Baden, auf Anfrage nicht beantworten.

«Zum Vorgehen bei der Mediation möchte sich der Stadtrat nicht äussern», sagt Keller Borner. Offen bleibt damit auch, wer die Idee einer Mediation im Stadtrat eingebracht und beantragt hat. Die Kommunikationschefin sagt dazu nur so viel: «Sie wurde vom Gesamtstadtrat beschlossen und hat zum Ziel, sobald als möglich zu einer für Baden tragfähigen Lösung zu kommen.»

Der erfahrene Aargauer Mediator und Anwalt Markus Leimbacher sieht durchaus Chancen für gemeinsame Lösungen im Fall Geri Müller. Aus seiner Sicht ist eine Mediation wohl das einzig probate Mittel in dieser Situation.

Herr Leimbacher, wie bewerten Sie den Entscheid des Stadtrats Baden, eine Mediation durchzuführen?
Markus Leimbacher: Dies ist seit drei Wochen der erste gemeinsame Entscheid von Stadtrat und Geri Müller, insofern bewerte ich dies positiv. Bisher gab es die fixen Positionen, dass Geri Müller auf seinem Amt beharrte, während der Stadtrat ihn zum Rücktritt aufforderte und ihm seine Ressorts entzog. Nun sind die Parteien offenbar zur Einsicht gelangt, dass eine Mediation ein möglicher Weg zur Lösung dieser verfahrenen Situation sein könnte.

Wie könnte die Mediation im Fall Geri Müller konkret ablaufen?
Es muss ein geeigneter Mediator gefunden werden, die Delegationen der Teilnehmer und die Agenda müssen definiert werden, und danach muss rasch eine Startsitzung stattfinden. Die wichtigste Bedingung, dass alle Beteiligten freiwillig bereit sind, an der Mediation teilzunehmen, ist offenbar gegeben.

markus leimbacher az archiv

Markus Leimbacher zur Mediation: «Eine Startsitzung muss rasch stattfinden.» Bild: AZ-Archiv

Wer könnte diese Mediation leiten?
Weil die Situation von politischen Interessen überlagert ist, hat diese Mediation einen völlig anderen Charakter als zum Beispiel bei Familienproblemen oder Führungskonflikten in der Wirtschaft. Es braucht aus meiner Sicht eine möglichst neutrale Person, die unbefangen und ohne vorgefasste Meinung an diese Aufgabe herangeht. Dies ist im aktuellen Fall allerdings schwierig, weil es wohl kaum jemanden gibt, der noch keine Haltung zum Fall Geri Müller hat.

Würde Sie persönlich eine solche Aufgabe reizen?
Natürlich wäre eine solche Mediation interessant und herausfordernd, aber ich bin nicht die geeignete Person dafür. Ich war für die Stadt Baden bereits als Projektleiter bei der geplanten Fusion mit Neuenhof tätig, zudem kenne ich alle Stadtratsmitglieder persönlich und bin mit den meisten per Du, mit Geri Müller verbindet mich die Zeit im Grossen Rat. Kurz gesagt: Ich habe für diese Mediation zu wenig Distanz. Optimal wäre wohl ein ausserkantonaler Mediator, der auch vom Politbetrieb etwas versteht.

Mediator Beat Stocker sagte «20 Minuten», er würde neben Geri Müller und dem Stadtrat auch die Ortsparteien an der Mediation beteiligen.
Das sehe ich anders, aus meiner Sicht muss bei den Teilnehmern zahlenmässig ein Gleichgewicht herrschen. Es sollte nicht sein, dass Geri Müller bei der Mediation fünf Stadträten gegenübersitzt, die seinen Rücktritt verlangen. Denkbar wäre zum Beispiel, dass Geri Müller mit einer Vertrauensperson einerseits und zwei Stadtratsmitgliedern andererseits an den Gesprächen teilnimmt.

Wie muss der Mediator vorgehen, um die verfahrene Situation im Fall Geri Müller zu lösen?
Es geht nicht darum, das Geschehene aufzuarbeiten, sondern für die Zukunft gangbare Wege zu finden. In einer ersten Phase braucht es eine Auslegeordnung. Dabei wird geklärt, wo die Interessen und Bedürfnisse beider Seiten liegen. Danach muss man herausfinden, wo es gemeinsame Interessen der beiden Parteien gibt.

Sehen Sie in diesem Konflikt wirklich gemeinsame Interessen, die Fronten sind doch völlig verhärtet?
Die gibt es durchaus: Ich glaube, dass beiden Seiten das Ansehen der Stadt Baden am Herzen liegt. Zudem möchten wohl Geri Müller und der Stadtrat, dass der Konflikt rasch gelöst wird, weil die Situation sie belastet. Von diesen Übereinstimmungen kann man ausgehen, um eine Lösung zu finden.

Wie könnte diese aussehen?
Das lässt sich heute schwer beurteilen, und es ist auch nicht die Aufgabe des Mediators, selber eine Lösung vorzuschlagen. Er muss mit seiner Gesprächsführung darauf hinwirken, dass die Teilnehmer der Mediation selber Vorschläge erarbeiten und eine Lösung finden, hinter der alle stehen können.

Wie lange kann die Mediation dauern, wann muss die Lösung stehen?
Grundsätzlich dauert die Mediation so lange, wie beide Parteien mitmachen. Einen konkreten Zeitrahmen kann ich nicht nennen, aber aus meiner Sicht sollten in ein, zwei Monaten erste Ergebnisse vorhanden sein. Es ist wichtig, dass die Bevölkerung spürt, dass der Prozess läuft und Fortschritte macht.

Der Badener Stadtrat ist bei Fragen zur Mediation sehr zurückhaltend – finden Sie das richtig?
Über den Inhalt der Mediationsgespräche darf nichts nach draussen gelangen, diese müssen vertraulich sein, bis eine gemeinsame Lösung feststeht. Deshalb würde ich auch den Namen des Mediators nicht publik machen – er würde sonst sicher von den Medien bestürmt, man würde seine Erfolge und Misserfolge bei früheren Mediationen ausbreiten und damit seine Position infrage stellen. Aber die Stadt muss offen kommunizieren, wie die Agenda aussieht und zum Beispiel mitteilen, wann die Startsitzung stattfindet.



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    Alle Leser-Kommentare
  • papparazzi 10.09.2014 16:33
    Highlight Highlight Mediation:

    Wie Ihr wisst, wurde die Privatsspäre von unserem Geri verletzt. Also am besten äussert sich jeder mal zu diesem Vorfall der "Fötteli":

    Stadtrat 1 (SP): "Mein Problem, ich habe die Fotos noch nie sehen können".

    Stadtrat 2 (CVP): "Wenn mir das passiert wäre, hätte ich mich beim Bauernkalender beworben."

    Stadtrat 3 (SVP): "Geri du bisch än Grüsäl und hesch dini Glaubwürigkeit vörschpillt"!

    Stadtrat 4 (GLP):" Geri mir vöschtönd din biologischä Triib. Es isch halt öffentlich. Do nützt au din Zauberstaab nüüt."

    Geri: " I has prophezeit, am Schluss bliibt eifach dä Pimmäl". ut (d')
    • Romeo 10.09.2014 21:20
      Highlight Highlight An paparazzo. Hier ein bizeli Relax für dich.
      Play Icon

      Enjoy :)
  • papparazzi 10.09.2014 15:59
    Highlight Highlight An romeo von "Julia"

    ... hat man Angst vor anderen Kommentaren und Argumenten gegen die eigene festgefahrene Meinung, dann stelle man den Account einfach so ein, dass niemand auf die Kommentare antworten kann.

    Jetzt weiss ich auch wieso das mit Romeo und Julia nicht klappen konnte. Romeo liess vorher alle Antworten von Julia sperren und abfangen, damit er einen Einwegdialog führen konnte:-) ut (dp)
    • Romeo 10.09.2014 19:12
      Highlight Highlight Lieber Paparazzo. Ich habe weder etwas blockiert {die Zensur übernimmt Watson}, noch habe ich festgefahrene Meinungen. Ich akzeptiere gerne jederzeit stichhaltige Argumente. Dolce vita a te, caro Paparazzo :))
  • Ceci 10.09.2014 09:37
    Highlight Highlight Jetzt zeigt der Geri sis Schnäbi, die anderen Buben verbannen ihn vom Sandkasten und Papa kommt schlichten...
    Und wer übernimmt die Kosten dieser Mediation? Wohl der Steuerzahler. Das kann's doch irgendwie nicht sein, oder?
  • Christian Denzler 10.09.2014 08:51
    Highlight Highlight Wer keine Argumente hat, der lügt (siehe öffentliche Krankenkasse und die Fehlinformationen der Bürgerlichen) und wer in einer fairen Volkswahl kein Stich gegen seinen Kontrahenten hat, versucht ihn an solchen Lappalien aufzuhängen (siehe CVP-Vizeammann). Wäre der Fall umgekehrt und die Linke würde den Rücktritt eines Bürgerlichen verlangen würde von einer Verschwörung, einer Schmierenkomödie oder Missachtung eines gewählten Politikers geredet. Im Fall Geri Müller scheinen aber alle ihrer moralischen Überlegenheit sicher (wenn es schon keine rechtliche Übelegenheit gibt).
    • Romeo 10.09.2014 10:46
      Highlight Highlight Ich teile diese Meinung absolut. Persönlich wurde ich auch wegen so etwas ähnlichem gelüncht (nicht öffentlich). Natürlich keine Nacktfötteli. Wenn man exponiert ist, gibt es immer solche welche einen los werden wollen.
      Der grosse Fehler ist, einen Angriffspunkt zu bieten. In Geris Fall hat er den Fehler ja auch eingeräumt. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass das Ganze nicht sauber ist, und die Drahtzieher auch noch büssen müssen.
    • papparazzi 10.09.2014 12:34
      Highlight Highlight "Es geht hier in zweiter Instanz um die "Moral".

      Die Brisanz und die aktuelle Untragbarkeit mit Integritätsverlust und Glaubwürdigkeitsbankrott im Falle von Herr "Sexgüsi" sind in erster Instanz vor allem auf die Verantwortung und die wichtige Rolle der öffentlichen Person zurückzuführen.

      Mit seinem "herumeiern" macht sich Herr Müller gänzlich zum Hofnarr und zerstört seine letzte Glaubwürdigkeit!

      Mediation kann nur eingesetzt werden, wenn beide Parteien einen Konsens finden wollen!

      Mediation darf nicht zur "Reinwaschung" von selbstverschuldeten Fehlern missbraucht werden"! ut (dp)
    • Romeo 10.09.2014 13:39
      Highlight Highlight Paparazzi no. Hat man ähnliche Interessen mit schwer lösbaren Meinungsverschiedenheiten, braucht's ebenfalls einen Mediator.
    Weitere Antworten anzeigen
  • urano 10.09.2014 08:30
    Highlight Highlight wenn der rücktritt gefordert wird, dann soll bitteschön der gesamte stadtrat zurücktreten und sich neuwahlen stellen. dann hat dieses heuchlerische theater ein ende. dann werden wir sehen, ob die s sex scheinheiligen stadträte wieder gewählt werden !
    • Romeo 10.09.2014 10:46
      Highlight Highlight Tolle Idee.
  • kettcar #lina4weindoch 10.09.2014 07:50
    Highlight Highlight "So, Geri - ich daf öich du säge oder? - aso Geri, Ruth, Roger, Markus ich begrüesse eu rächt härzlich zu üsere erschte Mediationssitzig. Wien ehr wüssed, hed de Geri es Bild vo sim Schnäbi ane Frau gschickt. Fömmer bi dir a Markus: Wie gods dir do debi? Was god dir düre Chopf?".
    Ich gang abe wenn ich mir die Szene vorstell :D Aber immerhin, da selles düre, wenn sie scho of die Art en Konkurrent wennd loswerde.
    • Citation Needed 10.09.2014 09:33
      Highlight Highlight Sehr unsachlicher Kommentar! Hehe. Und der erste Lacher des Tages. ;-)

Bald könnte die 5. Initiative gegen Tierversuche kommen

Das Schweizer Stimmvolk dürfte erneut über ein Tierversuchsverbot entscheiden können. Eine entsprechende Volksinitiative ist auf der Zielgeraden.

Das Komitee der Initiative «Ja zum Tier- und Menschenversuchsverbot – Ja zu Forschungswegen mit Impulsen für Sicherheit und Fortschritt» sammelte bereits über 111'000 Unterschriften, wie dessen Website zu entnehmen ist. 100'000 sind für das Zustandekommen nötig.

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