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Karl Gutbrod (Quelle: bz)

Karl Gutbrod: Langfristprognosen sind immer noch Lotterie. Aber ich tippe auf einen warmen, eher trockenen Juli. Bild: bz

Interview

Das sagt der Meteorologe zum Dauerregen: «Solche Wetterlagen haben wir etwa alle 10 Jahre»

Kaum zu glauben: Nächste Woche beginnt der Sommer, offiziell. Von Sommerwetter war aber in unseren Breitengraden bislang nicht annähernd etwas zu spüren. Die Intensität des Wetters hat wegen der Erwärmung zugenommen, sagt der Meteorologe Karl Gutbrod.

Stefan Schuppli / bz Basel



Was das Wetter uns heuer bietet, kommt nur alle zehn Jahre vor. Noch im Vorjahr war es gerade umgekehrt: Anfänglich auch wechselhaft, dann schön und warm, zwischendurch heiss. Jetzt langsam keimt Hoffnung: Es wird allmählich besser. Doch bis wir wirklich Badewetter haben, wird es noch etwas dauern. Die bz hat mit Karl Gutbrod, Geschäftsführer des Basler Wetterportals meteoblue.com, gesprochen.

Was ist eigentlich mit dem Wetter los?
Karl Gutbrod: Wir haben einen dauernden Tiefdruckeinfluss in Europa, der sich im Gegensatz zu anderen Jahren nicht nach Norden verschoben hat, und deshalb haben wir diese wechselhaften Wetterlagen.

Wie lange dauert diese Schlechtwetterphase schon an?
Im Prinzip mit kurzen Unterbrechungen seit Ende April, die letzten vier Wochen war sie sehr ausgeprägt.

Und wie lange wird sie noch andauern? Irgendwann muss doch Schluss sein.
Ja, sicher. Wir können sogar erfreulicherweise sagen, dass das im Verlauf der zwei nächsten Wochen passieren wird, so sehen jedenfalls die mittelfristigen Prognosen aus. Wir bekommen in Basel an diesem Wochenende bereits schöne Tage. Und in der kommenden Woche dürften gut die Hälfte der Tage niederschlagsfrei sein.

Kommen solche Schlechtwetterphasen oft vor?
Ja, nicht oft, aber immer wieder. 2006 war sehr ähnlich, 1995 war noch extremer, 1987 war auch ähnlich. Solche Wetterlagen haben wir etwa alle 10 Jahre.

Sie sind also nicht häufiger geworden?
Nein, die typische Art der Wetterlagen, die ändert sich kaum. Was sich etwas ändert, sind die Intensitäten und die Dauer.

Man hat fast den Eindruck, es sind Monsun-ähnliche Regengüsse, sehr viel Wasser und doch recht warm ...
Eine Grosswetterlage mit viel Niederschlag ist nichts Untypisches in Mitteleuropa. Aber die Ereignisse mit starkem Niederschlag, wie etwa Gewitter, nehmen zu.

Wie kommen solche Wetterlagen zustande?
Das Azorenhoch kann sich manchmal nicht bis nach Norden ausdehnen, und dann bleibt Mitteleuropa unter Tiefdruckeinfluss. Vermehrt dazu kommen die zunehmenden Temperaturen, sodass die Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann. Wenn dann kalte und wärmere Luftmassen aufeinanderstossen, führt dies zu heftigeren Regenfällen. Wenn dazu noch als Drittes eine Stauung der Wolken, z.B. an Gebirgen, dazukommt, dann bilden sich lokal sehr starke Niederschläge, die teils auch zu Überschwemmungen geführt haben.

Hat die aktuelle Situation etwas mit dem Klimawandel zu tun?
Die Wetterlage an und für sich überhaupt nicht. Das gibt es schon seit Tausenden von Jahren in stetiger Wiederholung. Aber die Niederschläge haben schon einen gewissen Bezug zu den Temperaturerhöhungen, denn Letztere sind die Voraussetzung dafür, dass sich die Intensitäten verstärken können. Man kann mit tieferen Temperaturen nicht derart heftige und konzentrierte Niederschläge bekommen, weil die Luft gar nicht so viel Wasser transportieren kann.

Also doch eine Art Monsun?
Nein, der Monsun ist ein anderes Phänomen, ein grossräumiges. Es braucht viel Ozean und eine grosse Landmasse in den Tropen, die von Meer umgeben ist. Das bekommen wir hier in der Schweiz innerhalb der nächsten 50 Millionen Jahre hoffentlich nicht. Monsun, das bedeutet flächendeckend tagelang starke Niederschläge. Die hiesigen Niederschläge sind zwar heftig, aber zeitlich und örtlich begrenzt.

Wie sieht die Langfristprognose für diesen Sommer aus?
Langfristprognosen sind immer noch Lotterie. Aber ich tippe auf einen warmen, eher trockenen Juli. So verlief 2006 auch.

Vergangenes Jahr war punkto Wetter einiges besser. Wie schätzen Sie den Sommer 2015 ein?
Da muss ich lachen. Letztes Jahr wurde zwei Monate lang über den wechselhaften Sommer geklagt. Das scheint wohl schon wieder vergessen zu sein. Und das Frühjahr 2015 war, zumindest in der Nordwestschweiz, bezüglich Temperatur und Niederschlag durchschnittlich – also immerhin trockener als 2016. (bzbasel.ch)

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