Schweiz
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Bundesraetin Viola Amherd aeussert sich an einer Medienkonferenz zum Programm Air2030, das die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge und eines neuen Systems zur bodengestuetzten Luftverteidigung beinhaltet, am Donnerstag, 2. Mai 2019, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Sie muss die Beschaffung neuer Kampfjets durchs Volk bringen – und sollte sich zuerst einen Dokfilm ansehen: Viola Amherd. Bild: KEYSTONE

Interview

Wie ein Dokfilm Viola Amherd beim Kampfjet-Kauf helfen soll – der Regisseur erklärt's

Ex-Astronaut Claude Nicollier empfiehlt Verteidigungsministerin Amherd, den Dokumentarfilm «Ein Volk auf der Höhe» zu schauen. Regisseur Frédéric Gonseth hatte 2014 den Abstimmungskampf über den gescheiterten Gripen-Kampfjet intensiv begleitet – und dabei auch für Bundesrätinnen nützliche Einblicke erhalten.



Herr Gonseth, der Expertenbericht von Claude Nicollier enthält folgende Empfehlung für Bundesrätin Viola Amherd: Sie solle Ihren Film «Ein Volk auf der Höhe» von 2017 mehr als einmal anschauen, «um wirklich zu verstehen, wie unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger die direkte Demokratie leben». Ehrt Sie das?
Frédéric Gonseth:
Natürlich, ich fühle mich geschmeichelt. Aber es ist nicht das erste Mal, dass sich der Bundesrat mit meinem Werk auseinandersetzt. Ich bot schon Ex-Verteidigungsminister Ueli Maurer an, den Film mit mir zusammen anzuschauen. Er lehnte das Angebot höflich ab. Sein Nachfolger Guy Parmelin hingegen hat ihn gesehen und ich habe dann mit ihm über die Lektionen aus dem Film beziehungsweise aus der Gripen-Abstimmung diskutiert.

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Filmemacher Frédéric Gonseth. Bild: outside-thebox.ch

Der Regisseur und sein Film

Der Romand Frédéric Gonseth (69) ist unabhängiger Filmemacher. Seit 1990 hat er 25 Dokumentar gedreht. Im 2017 erschienenen Film «Ein Volk auf der Höhe» (französisch: «La bataille du Gripen») begleitete Gonseth den Abstimmungskampf über den Gripen-Kauf im Mai 2014. Das Thema Militär, das niemanden kalt lässt, führte zu hitzigen Debatten und zu einer der am heftigsten umstrittenen Abstimmungen. «Sie liess Stimmen laut werden, ob gar gewisse Entscheide in Zukunft nicht mehr vom Volk getroffen werden sollten», heisst es im Pressetext zum Film. Der Film kann online für 10 Franken bzw. 4.50 Franken gekauft oder gemietet für werden. (cbe)

Was sind die wichtigsten Lektionen aus Ihrer Sicht?
Ich bin ein grosser Fan unserer halbdirekten Demokratie. Aber bei der Gripen-Kampagne hat sich auch gezeigt, dass sich vielleicht nicht alle Fragen gleichermassen dafür eignen, dem Volk gestellt zu werden. Die Diskussion über den richtigen Flugzeugtyp ist in meinen Augen so eine Frage.

Weshalb?
Die Entscheidung zur Beschaffung eines Kampfjets ist eine sehr komplexe, technische Frage. Deshalb war eine der Lektionen aus meinem Film: Es ist wahrscheinlich klüger, dem Volk einen Grundsatzentscheid darüber vorzulegen, ob es überhaupt neue Kampfjets will – und nicht ob es genau diesen Kampfjet will.

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Die etwas spezielle Nebenempfehlung 9 aus Nicolliers Bericht.

Für dieses Vorgehen sprach sich bereits Guy Parmelin aus. Seine Nachfolgerin Viola Amherd kann sich jetzt auch vorstellen, die Erneuerung der bodengestützten Luftverteidigung (Bodluv) vom Kampfjet-Kauf zu trennen. Ein kluger Schachzug?
Ich denke, Viola Amherd will Polemik vermeiden und so einen möglichst sachlichen Abstimmungskampf ermöglichen. Dazu passt auch die Empfehlung von Claude Nicollier, der Bundesrat solle vor der Volksabstimmung keine Diskussionen über den Kampfjet-Typ führen. Es ist sicher hilfreich, nicht zu viel hineinzupacken. Von dem her denke ich, die Trennung von Kampfjet- und Bodluv-Entscheid ist eine gute Idee.

Claude Nicollier bezeichnete Sie in ihrem Bericht als «Historiker und überzeugten Patrioten». Wie kommt er zu dieser Beschreibung?
Das müssen Sie ihn fragen (lacht). Nein, ich denke, Nicollier hat in meinem Film herausgespürt, dass ich – bei all ihren Unzulänglichkeiten – ein Fan unserer demokratischen Institutionen bin und versucht habe aufzuzeigen, was für ein einzigartiges Land die Schweiz ist: Die Leute scheuen wirklich keine Arbeit, bei Volksabstimmungen zu einem sorgfältigen Entscheid zu kommen. Das finde ich toll und insofern bin ich schon ein Patriot.

Der Trailer zum Film

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Video: YouTube/Outside the Box

Wie haben Sie bei «Ein Volk auf der Höhe» die direkte Demokratie ergründet?
Zunächst einmal hatte ich grosses Glück, den Film überhaupt machen zu können. Normalerweise sind die Institutionen der Filmförderung in der Schweiz sehr vorsichtig bei politischen Themen. Mein grosser Vorteil war, dass ich freundschaftliche Beziehungen zu Vertretern beider Seiten hatte. Ich habe mich im Film jeglicher inhaltlicher Stellungnahme enthalten und habe konsequenterweise auch nicht an der Abstimmung teilgenommen. So konnte ich den Zuschauern einen nicht wertenden Einblick in die demokratischen Auseinandersetzungen in der Schweiz geben.

Bei der Pressekonferenz sagte Viola Amherd, sie habe bereits eine DVD Ihres Films im Büro liegen, aber sei noch nicht dazu gekommen, ihn anzuschauen. Würden Sie der Bundesrätin dabei Gesellschaft leisten, um Ihr den Film zu erklären?
Selbstverständlich stehe ich dafür zur Verfügung. Das wäre mir ein grosses Vergnügen (lacht).

Diese vier Kampfjets sind in der engeren Auswahl

Die Armee will neue Jets

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    Alle Leser-Kommentare
  • Skeptischer Optimist 04.05.2019 09:38
    Highlight Highlight Die Abfangjäger Beschaffung wird von Regierung und Oeffentlichkeit überbewertet. Es braucht derzeit keine neuen. Wenn die F-18 zu verlottert sind um weiter fliegen zu können, kann innert Jahresfrist Ersatz auf dem Gebrauchtmarkt beschafft werden.

    Die Doktrin sollte sich an der Österreichs in den 90er Jahren orientieren. Die haben immerhin einen richtigen Krieg in der Nachbarschaft erlebt.
    • [CH-Bürger] 04.05.2019 11:29
      Highlight Highlight @Skeptischer Optimist:
      woher sollen wir so schnell Occasionsflieger kriegen? von den Russen? Ukraine?
      wollen Sie wirklich Gebrauchtware? sorry, da sehe ich keinen Sinn dahinter!
      ausserdem ist es einiges komplexer, einen Ersatz für einen Sicherheitsjets zu beschaffen als für ein Auto... alle Mechaniker, Piloten, Supportpersonal muss aus- und umgebildet werden! das geht nicht einfach so von heute auf morgen...
    • Skeptischer Optimist 04.05.2019 11:45
      Highlight Highlight Für Occasionsflieger gibt es viele Quellen, potentielle Verkäufer sind alle grösseren Luftstreitkräfte. Die Italiener haben sich nach dem Verlottern der F-104 viele Jahre erfolgreich beholfen. Zuerst Tornado ADV, dann F-16. Ebenso die Australier mit der Ablösung der Canberra und des F-111.
    • [CH-Bürger] 04.05.2019 13:42
      Highlight Highlight Sie machen Ihrem Namen alle Ehre, Herr Optimist!
  • TheDoctor 03.05.2019 21:46
    Highlight Highlight Ueli Maurer schien an dem Geschäft nie sehr interessiert. Die GSoA sollte ihm eine Ehrenmitgliedschaft widmen..
  • Andi Weibel 03.05.2019 20:43
    Highlight Highlight Das Volk hat bei Gripen weiser und vorausschauender entschieden als Bundesrat und Parlament.

    Aber klar ist es den Rüstungslobbyisten lieber, den Stimmbürgern die Katze im Sack zu verkaufen.
  • Pafeld 03.05.2019 08:41
    Highlight Highlight Der Typ und der Hersteller sind mir an und für sich Wurst. Ich will, dass das Evaluationsverfahren, die Kriterien und die damit verbundenen Geschäfte klar transparent sind. Diese sind nämlich der springende Punkt. Solange sich Armee- und Wirtschaftsfilz im Hinterzimmer ein Wunschabkommen ausklüngeln und das Volk dann einfach nur noch zu überteuerten Preisen für einen vergoldeten Flieger blechen kann, gibt es keine neuen Kampfflugzeuge. Denn wenn die Vergangenheit beim Flugzeugkauf etwas bewiesen hat, dann dass sämtliche Geschäfte an einer vorgeschobenen Klassifizierung gescheitert sind.
    • Don Sinner 03.05.2019 09:48
      Highlight Highlight Gut getroffen. Es wird leider auch diesmal so laufen, weil die grossen Buben ihre Lieblingsspielzeuge wollen und der Filz mitabsahnen. Frau Amherd - CVP, VS - spielt selbstverständlich mit, macht die grosse PR-Tour mit einem vermeintlichen "Sympathieträger" des Volkes und verteilt mutmasslich munter noch mehr Geld: Wieviel schieben sie Nicollier zu? Welche - Walliser(Filz)- - PR-Agentur(en) kassieren mit? Transparenz? Auch die dritten im Spiel machen mit: die vereinigte Schweizer Presse applaudiert. Es stinkt schon jetzt - wieder - in den Himmel bei diesem unsäglichen Geschäft.
    • Christoph Bernet 03.05.2019 10:11
      Highlight Highlight @Don Sinner: Claude Nicollier hat angekündigt, sein Honorar einer noch unbekannten wohltätigen Institution zu spenden. https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-74100.html
    • Don Sinner 03.05.2019 10:17
      Highlight Highlight Christoph Bernet: Danke für die Info. Allein, mir altem Skeptiker fehlt manchmal der Glaube. Doch wer weiss...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Helvetiavia Philipp 03.05.2019 08:19
    Highlight Highlight Kann man den Dok irgendwo anschauen?
    • Christoph Bernet 03.05.2019 09:22
      Highlight Highlight @Helvetiavia Philipp: Hier kann der Film gemietet (4.50 CHF) oder gekauft (10 CHF): https://outside-thebox.ch/de/einvolkaufderhohe/
    • _stefan 03.05.2019 15:13
      Highlight Highlight @Helvetiavia Philipp: Der Dok wird bestimmt rechtzeitig vor der Abstimmung im SRF laufen ;)
  • Quecksalber 03.05.2019 08:05
    Highlight Highlight Hauptsache kein Jet aus Trumpistan.
    • Bangarang 03.05.2019 15:02
      Highlight Highlight Lieber einen aus Putanien?
    • _stefan 03.05.2019 15:35
      Highlight Highlight @Quacksalber: Bei der Auslieferung ab 2025 wird Trump eh kein Thema mehr sein.

      Unsere Institutionen müssen langfristig denken; ein einzelner Mensch darf unsere gemeinsame Bestrebtheit nach Freiheit, Sicherheit und Frieden nicht gefährden.

      Trump ist ein sehr kurzer Abschnitt in der Geschichte der Neuzeit. Man sollte ihn bei langfristigen Fragen auch so behandeln.
    • Quecksalber 04.05.2019 11:12
      Highlight Highlight Nein aus europäischer Produktion um die lokale Industrie zu stützen.
  • Cpt. Jeppesen 03.05.2019 07:57
    Highlight Highlight Frau Amherd sollte sich besser einen Film über modernen Luftkampf ansehen. Dann würden sie vielleicht erkennen, dass die 30 oder 40 teueren Kampfjets von einem Agressor im Krisenfall innert 10 Minuten vom Himmel geholt werden.
    Allfällige Feinde, die zuerst über NATO Staaten walzen müssen, bevor sie die Schweiz angreifen können, verfügen über fliegende Luftraumaufklärung (AWACS). Die sehen unsere Jets starten bevor wir den Feind sehen und schiessen Raketen auf die Jets wenn diese gerade gestartet sind, von hinter dem Horizont.
    Wg. Luftpolizei, das ginge auch billiger.
    • martinfortuna 03.05.2019 10:48
      Highlight Highlight ja, schon, aber unsere Flieger kreisen konstant über uns...oder?
      You can hardly hit a moving target!!
      Leicht ironisch gemeint...stimme Ihnen voll zu...
      Die einzige Chance wäre, die Jets rund um unser Land herum zu stationieren!
  • brudi 03.05.2019 07:32
    Highlight Highlight Ein bisschen gar dürftige

Neue Studie zeigt: 33'000 Suizidversuche innert eines Jahres in der Schweiz

Die Studienautoren sind selber erstaunt, wie viele Befragte über Suizidversuche berichten. Am höchsten sind die Zahlen bei Menschen mit geringer Bildung und bei Alleinstehenden.

Je höher die Bildung, desto seltener versuchen Menschen, sich das Leben zu nehmen. Das hat sich in einer Befragung von fast 20 000 in der Schweiz wohnenden Menschen deutlich gezeigt. In den zwölf Monaten vor der Befragung hatte im Schnitt jede tausendste Person mit einem Hochschul- oder Fachhochschulabschluss einen Suizidversuch gemacht. Bei denjenigen, die nur die obligatorische Schule abgeschlossen haben, waren es dreizehn von tausend.

Erstaunt sind die Autoren darob nicht. «Wenn wir …

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