Am Bezirksgericht Frauenfeld hat sich ein 39-jähriger Mann am Dienstag grösstenteils geständig gezeigt. Der Mann muss sich wegen des Vorwurfs der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern und der mehrfachen Vergewaltigungen verantworten. Seine Taten filmte er.
Am Dienstag befragte der vorsitzende Richter den Beschuldigten ausführlich zu jedem einzelnen Tatvorgang aus der Anklageschrift. «Es ist grauenhaft, ich übernehme die volle Verantwortung», sagte der Mann auf der Anklagebank unter Tränen. Zuvor schilderte der Richter Details eines schweren sexuellen Missbrauchs an einem Mädchen im Vorschulalter. Es ist einer von zahlreichen Vorwürfen.
Rund einem Dutzend Opfern flösste der Beschuldigte laut Anklage das Narkosemittel Ketamin ein. Danach verging er sich teils massiv an den bewusstlosen Mädchen und Frauen. Die sexuellen Übergriffe filmte er mit seinen Mobiltelefonen. Auf den von ihm erstellten Videos basiert die Anklage der Staatsanwaltschaft. Mehrere Opfer befanden sich im Vorschulalter.
Er habe selber sehr viel Ketamin konsumiert und sei abhängig gewesen, erklärte der Mann vor Gericht. Sämtliche Fragen des Richters beantwortete er, auch wenn er teils Erinnerungslücken geltend machte. Er erkenne sich auf den Videos, sagte er. «Für mich ist es schwer zu verstehen, wie ich in der Lage sein konnte, dies den Kindern und den anderen Opfern anzutun.»
Er selbst habe als Kind sexuellen Missbrauch erlebt, erklärte der Beschuldigte vor Gericht weiter. Das sei jedoch keine Entschuldigung für seine Taten. Was er getan habe, belaste ihn sehr und tue ihm leid für die Opfer und deren Familien. «Ich bin hier, um das alles zu klären», sagte er zum Richter.
Die Staatsanwaltschaft legt dem Mann mit Wurzeln in Lateinamerika eine lange Liste an Straftaten zur Last. Darin aufgeführt sind unter anderem sexuelle Handlungen mit Kindern, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung oder Schändung – alles mehrfach begangen.
Beantragt wird eine Freiheitsstrafe, deren Höhe die Staatsanwaltschaft am nächsten Prozesstag bekanntgeben will. Die Anklage verlangt unter anderem auch eine vollzugsbegleitende therapeutische Massnahme und einen anschliessenden Landesverweis für 15 Jahre.
Der Beschuldigte befand sich ab November 2020 für ein Jahr in Untersuchungshaft und sitzt seit drei Jahren im vorzeitigen Strafvollzug.
Die Opfer stammten aus dem persönlichen Umfeld des beschuldigten Vaters, wie der 41-seitigen Anklageschrift der Staatsanwaltschaft zu entnehmen war. Seine Taten verübte er demnach meist am eigenen Wohnsitz.
Den Fall ins Rollen brachte ein siebenjähriges Mädchen, das seiner Grossmutter Einzelheiten von den erlebten Übergriffen schilderte. Bei einer Hausdurchsuchung stiessen Ermittler schliesslich auf Videoaufnahmen mit mehr als einem Dutzend Opfern.
Eines der Kinder, ein circa 5- bis 7-jähriges Mädchen, an welchem der Beschuldigte gemäss Anklage sexuelle Handlungen vornahm und diese filmte, konnte nicht identifiziert werden.
Der Richter unterbrach die Verhandlung nach der Befragung des Beschuldigten. Sie wird am Donnerstag fortgesetzt. Dann findet der zweite von voraussichtlich vier Prozesstagen statt. (sda)