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3 Morde in der Schweiz: Spanier heute in Zürich vor Gericht

3 Morde in der Schweiz: Spanier heute in Zürich vor Gericht

Wegen dreifachen Mordes in Zürich und Laupen BE muss sich heute Dienstag ein 47-jähriger Spanier vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten.
02.12.2025, 06:4402.12.2025, 14:42

Der Mann wurde mithilfe von DNA-Spuren überführt, ist aber nicht geständig. Bei allen drei Tötungsdelikten spricht die Zürcher Staatsanwaltschaft von einem regelrechten «Overkill». Der Angeklagte habe die Tötungen «mit grösster Brutalität zu Ende» geführt.

Das Gebaeude des Bezirksgerichts an der Wengistrasse 30 in Zuerich fotografiert am 3. Oktober 2016 in Zürich. (KEYSTONE/Manuel Lopez)
Der Prozess findet am Zürcher Betriebsgericht statt.Bild: KEYSTONE

Seinen ersten Mord soll er im Dezember 2010 begangen haben, als er seine frühere Psychoanalytikerin habe ausrauben wollen. Gemäss Anklage ging er am 15. Dezember 2010 in ihre Praxis im Zürcher Seefeldquartier, um nach Wertsachen und Geld zu suchen.

Psychologin mit vierzehn Stichen getötet

Dabei war er mit einem Messer und Kabelbindern ausgerüstet – für den Fall, dass er ihr begegnen sollte. Er habe verhindern wollen, dass die 56-Jährige ihren ehemaligen Patienten erkannte und hätte anzeigen können, heisst es in der Anklage.

Als er im Behandlungsraum auf die Psychologin traf, griff er die Frau sogleich an. Vierzehn Mal stach er auf die Frau ein. Die Stiche in Hals und Rücken waren tödlich. Sie verblutete.

Fünf Jahre später – der mittlerweile geschiedene Gerüstbauer lebte in Laupen BE – kam der Mann wegen depressiver Störungen und eines Suizidversuchs in die Psychiatrie. Dort sei er entwichen und habe daraufhin seine Ex-Frau an ihrem ehemals gemeinsamen Wohnort bedroht.

Ehemalige Nachbarn in Laupen getötet

Am 15. Dezember, auf den Tag genau fünf Jahre nach seinem ersten mutmasslichen Mord in Zürich, betrat er das Haus seiner früheren Nachbarn in Laupen, um es nach Wertsachen zu durchsuchen.

Er nahm an, dass niemand zu Hause sei, allerdings stand das ältere Ehepaar plötzlich in der Wohnung und überraschte ihn. Mit einem spitzen und einem «hammerähnlichen Gegenstand» ging der Beschuldigte sofort auf das Paar los und tötete es.

Die Frau überlebte zunächst, der Beschuldigte schleifte sie jedoch die Kellertreppe hinunter, sodass sie schliesslich an einem offenen Schädel-Hirn-Trauma starb.

Die Liste der massiven Verletzungen des Ehepaars füllt in der Anklageschrift mehrere Seiten. Auch hier spricht die Staatsanwaltschaft von «Overkill», also dem «zu Ende führen» mit grösster Brutalität.

Er habe verhindern wollen, dass die ehemaligen Nachbarn, die ihn ertappt hätten, bei der Polizei anzeigen würden. Der Spanier ist nun unter anderem wegen mehrfachen Mordes und mehrfachen Raubes angeklagt. Das Strafmass will die Staatsanwaltschaft erst am Prozess bekanntgeben.

Erster Massen-DNA-Test der Schweiz

Lange blieben diese drei Morde ungeklärt. Ans Licht kam der mutmassliche Täter nur dank DNA-Tests. Nach dem Mord an der Psychoanalytikerin ordnete die Zürcher Staatsanwaltschaft den ersten DNA-Massentest der Schweiz an, allerdings ohne Ergebnis.

Nach dem Mord am Ehepaar in Laupen BE stellten die Behörden ebenfalls DNA fest – und dieses Mal lieferte das System einen Treffer. Die DNA in Laupen wurde bereits am Tatort in Zürich gefunden.

Den Berner Strafverfolgungsbehörden gelang es schliesslich, in Spanien einen Verdächtigen zu identifizieren. Ende Januar 2024 wurde der Mann bei seiner Einreise in Genf angehalten und verhaftet. (sda)

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Epstein unterhielt gute Beziehungen zu Schweizer Banken – die Sonntagsnews
Mögliche Exhumierungen von Opfern der Brandkatastrophe, Widersprüche bei den Gehaltsangaben von Moretti und WEF-Löhne im Visier des Bundes : Das und mehr findet sich in den Sonntagszeitungen.
Die Walliser Staatsanwaltschaft wälzt den Entscheid über mögliche Exhumierungen von Todesopfern der Brandkatastrophe in Crans-Montana VS laut der «NZZ am Sonntag» auf die Familien ab. Sie ordne Exhumierungen und Obduktionen nur an, wenn die Opferfamilien das explizit verlangten, sagten Anwälte von Familien zur Zeitung. Laut Gesetz müsste die Staatsanwaltschaft selbst entscheiden, ob das notwendig sei. Die Ermittlungsbehörde habe auf eine Anfrage nicht reagiert. Akten der Staatsanwaltschaft zeigen laut der Zeitung, weshalb die Schweiz nur zwei Opfer obduzierte: Zwei Wochen nach dem Brand sollte die Kantonspolizei demnach herausfinden, ob bei Schweizer Bestattungsunternehmen noch unbeerdigte Leichen lagen. Die zwei Obduzierten seien vermutlich schlicht die letzten Opfer gewesen, die noch nicht beerdigt waren, schlussfolgerte die «NZZ am Sonntag».
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