Schweiz
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Bundesgericht entscheidet

Einmal Vater, immer Vater – auch wenn das Kind ein Kuckuckskind ist



Im Glauben, die Tochter seiner Lebensgefährtin sei auch die seinige, hat ein Mann aus dem Kanton Schwyz ein Mädchen als Vater anerkannt. Obwohl ein DNS-Test beweist, dass das Kind nicht von ihm stammt, kann die Vaterschaft nicht mehr aufgehoben werden, hat das Bundesgericht entschieden.

Grund dafür ist die verspätete Klage des Mannes. Das Gesetz sieht vor, dass binnen Jahresfrist ab Entdeckung des Irrtums geklagt werden muss – und spätestens fünf Jahre nach der Anerkennung.

Der Mann anerkannte das 1999 geborene Mädchen im Januar 2009. Fünf Monate später heiratete er die Kindesmutter. Die beiden kannten sich seit Jahren und hatten eine «wechselhafte Beziehung» geführt, wie das Bundesgericht in seinem Urteil schreibt. So hat der Mann Russland und die Kindesmutter bald nach der Geburt des Mädchens verlassen.

Vater wollte die junge Ehe nicht belasten

Eine Untersuchung der Spermien des Mannes im November 2009 und Mai 2010 ergab, dass er praktisch steril ist. Dies hätte den Beschwerdeführer gemäss Bundesgericht dazu bringen müssen, weitere Abklärungen bezüglich seiner Vaterschaft zu treffen.

Dies tat er nicht, weil er weder die frisch begründete Ehe noch das Verhältnis zum Mädchen belasten wollte. Zudem soll ihm die Kindsmutter in einem E-Mail von Ende September 2009 ausdrücklich bestätigt haben, dass er der Vater des Mädchens sei.

Auch für ihn sei durch das Spermiogramm nicht sichergestellt gewesen, dass er schon zehn Jahre zuvor zeugungsunfähig gewesen sei.

Anfechtung darf nicht leichtfertig möglich sein

Weil der Mann die Klage erst im Juli 2013 einreichte, als die Ehe gescheitert war, hat er gemäss Bundesgericht die Klagefrist verwirkt. Es sei zumutbar gewesen, schon früher Abklärungen zu treffen.

«Die genetische Abstammung ist nicht die einzige Rechtfertigung für ein Kindesverhältnis», halten die Lausanner Richter in ihrem Entscheid ausserdem fest. Die Anfechtung einer Anerkennung dürfe deshalb nicht leichtfertig möglich sein.

Weil es auch die sozial-psychologische Elternschaft gibt, rechtfertige es sich «sehr wohl, dass ein Kinderverhältnis bestehen bleibt, auch wenn feststeht, dass der rechtliche Vater nicht der genetische Vater ist».

(Urteil 5A_619/2014 vom 05.01.2015) 

(erf/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • moimoimoi 06.02.2015 14:17
    Highlight Highlight Art. 256c ZGB
    1 Der Ehemann hat die Klage binnen Jahresfrist einzureichen, seitdem er die Geburt und die Tatsache erfahren hat, dass er nicht der Vater ist oder dass ein Dritter der Mutter um die Zeit der Empfängnis beigewohnt hat, in jedem Fall aber vor Ablauf von fünf Jahren seit der Geburt.

    Schuld ist also nicht das Bundesgericht sondern der Gesetzgeber.
    • DarkStanley 06.02.2015 15:24
      Highlight Highlight Was hältst du von folgendem:
      Versäumnis des Vaters
      ?
    • DarkStanley 06.02.2015 15:34
      Highlight Highlight Ich meine natürlich:
      *Versäumnis des nicht-Vaters
      oder doch Vater??
      oder vielleicht so:
      *Versäumnis des gesetzlichen Vaters
  • Hugo Wottaupott 06.02.2015 13:02
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