Schweiz
Justiz

Crans-Montana: Opfer-Angehörige konfrontieren Morettis

«Ihr habt unsere Kinder getötet!» – Angehörige konfrontieren Morettis vor Anhörung

12.02.2026, 10:0912.02.2026, 14:17

In Sitten wird Jessica Moretti, Bar-Betreiberin des «Le Constellation» in Crans-Montana, am Donnerstag erneut befragt. Vor Ort sind auch diverse Angehörige von jungen Menschen, die in der Neujahresnacht in der Bar ums Leben kamen.

The owner of "Le Constellation" bar in Crans-Montana, Jacques Moretti of France, left, is screamed at by a mother of a victim, right, ahead of the hearing before the public prosecutor of the ...
Jacques Moretti trifft am Donnerstag in Sitten ein.Bild: keystone

Wie der «Blick» schreibt, hatten die Familienmitglieder diese Aktion auf Social Media geplant. «Die Eltern müssen kommen, um Druck auszuüben», heisst es in einem Aufruf auf Tiktok. In einem anderen steht, man wolle «La Moretti» konfrontieren. «Nicht um zu provozieren. Nicht um zu schreien. Einfach nur, damit sie uns sieht. Damit sie uns in die Augen schaut und durch sie hindurch die Augen unserer Kinder sieht.»

Wie es im Bericht weiter heisst, kam es am Donnerstagmorgen zu hitzigen Szenen, als die Morettis eintrafen. Gemäss dem «Blick» stürmten mehrere Angehörige auf das Paar zu und konfrontierten dieses mit Tränen in den Augen. «Ihr habt unsere Kinder getötet!», war etwa zu hören. Gemäss 20 Minuten soll der Bruder eines Opfers versucht haben, Jessica Moretti zu treten.

Jacques Moretti fühlte sich angegriffen und reagierte spontan:

«Wenn wir zahlen müssen, werden wir zahlen. Wir sind keine Mafia, wir sind Arbeiter. Wir werden unsere Verantwortung übernehmen, wir werden uns der Sache annehmen, das versprechen wir Ihnen, wir sind hier, um Gerechtigkeit zu erlangen.»

In einem Video ist zu sehen, wie es die beiden nur mithilfe eines Polizisten ins Gebäude schaffen. Im Blick-Bericht ist von mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen die Rede. Erst als die beiden Barbetreiber im Gebäude verschwanden, leerte sich der Platz langsam wieder.

Der Vater eines Opfers erklärte gegenüber dem Blick, die Konfrontation der Morettis sei «eine Herzensangelegenheit». Es gehe dabei nicht um Publicity. «Aber es sollte keine Mutter oder kein Vater ihren Sohn beerdigen oder im Spital besuchen müssen.»

Nach diesen Tumulten reagierte die Walliser Kantonspolizei umgehend. Sie werde »ihre Vorkehrungen ab Donnerstagabend anpassen«, teilte sie der Nachrichtenagentur Keystone-SDA auf Anfrage mit. Bis Donnerstagmorgen war die Ankunft des Ehepaars und deren Anwälte jeweils von zwei Beamten begleitet worden, ohne dass es zu Ausschreitungen kam.

Jessica Moretti, die am 21. Januar bereits von den mit dem Fall betrauten Staatsanwältinnen befragt worden war, musste am Donnerstag zahlreiche Fragen der Zivilparteien beantworten. Am Vortag war ihr Ehemann in gleicher Weise befragt worden.

Die Anwesenheit von Angehörigen möge legitim sein, sie dürfe aber nicht von den rechtlichen Fragen ablenken, um diesen Fall vollständig aufzuklären, sagte Didier Elsig, einer der Anwälte der Zivilparteien, am Donnerstagmorgen. Wenn Familien das Bedürfnis hätten, zu sprechen, stehe es ihnen frei. Andere seien jedoch überhaupt nicht in dieser Stimmung.

Der Brand im «Le Constellation» in der Neujahresnacht forderte 41 Todesopfer. Zahlreiche weitere junge Menschen wurden schwer verletzt. (dab/hkl, mit Material der sda)

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