Crans-Montana: IT-Chaos im Wallis droht noch grösser zu sein

The entrance of the "Le Constellation" bar and lounge is pictured after the fire at the "Le Constellation" bar and lounge, in Crans-Montana, Switzerland, Monday, February 9, 2026.  ...
In der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana kam es in der Neujahrsnacht zu einem verheerenden Feuer.Bild: keystone

IT-Chaos im Wallis droht noch grösser zu sein – Kanton sieht Verantwortung bei Gemeinden

Weil das IT-System von einer einzelnen Person betreut worden war, verlor die Gemeinde Crans-Montana den Überblick bei den Brandschutzkontrollen. Jetzt zeigt sich: Das Problem könnte viele weitere Gemeinden im Kanton betreffen.
12.02.2026, 08:4912.02.2026, 08:49

Wie kürzlich bekannt wurde, ist ein grosses Chaos bei einem IT-Kontrollsystem im Wallis dafür verantwortlich, dass Brandschutzkontrollen jahrelang nicht korrekt erfasst und auch nicht durchgeführt worden waren. So auch in der Unglücksbar «Le Constellation» in Crans-Montana, wo insgesamt 41 junge Menschen ihr Leben durch einen Brand an Neujahr verloren.

Die Daten zu den Brandschutzkontrollen in Crans-Montana wurden über ein System gespeichert, das von einer einzigen Person kontrolliert wurde. Der verantwortliche Informatiker, der diese Aufgabe mit seiner privaten Firma für die Gemeinde ausübte, bekam aber psychische Probleme und wurde freigestellt. Unter anderem versuchte er seine Auftraggeber zu erpressen (watson berichtete). Danach verlor die Gemeinde Crans-Montana den Überblick und den Zugriff zum IT-System – es gab kein Backup, weder in Form einer anderen Person, die Bescheid wusste, noch digital.

Wie der Blick jetzt berichtet, könnte das Chaos noch in zahlreichen weiteren Walliser Gemeinden um sich gegriffen haben. Denn Marie Claude Noth-Ecoeur, Chefin der Dienststelle für zivile Sicherheit beim Kanton Wallis, bestätigt gegenüber der Zeitung, dass «mehrere Gemeinden die vom Dienstleister konzipierte und entwickelte IT-Lösung für spezifische Aufgaben, die in die Zuständigkeit der Gemeinden fielen, insbesondere für Brandschutzkontrollen» nutzten. Sie ergänzt:

«Wir wissen nicht, welche Gemeinden betroffen sind.»

Nach Darstellung des Kantons handelte es sich um die Aufgabe und Verantwortlichkeit der Gemeinden, solche Daten zu pflegen. Es sei «nicht Aufgabe des Kantons, in diese Geschäftsbeziehungen einzugreifen», so Noth-Ecoeur in Bezug auf die Partnerschaft der Gemeinden mit dem später psychisch kranken Informatiker. Die Walliser Kantonsbehörden haben also auch keinen Überblick, theoretisch könnten die Daten zu den Kontrollen in zahlreichen Gemeinden verloren gegangen sein.

Der «Blick» hat mehrere grössere Walliser Gemeinden dazu angefragt. Von 15 reagierten 12 nicht. Brig erklärte, das System, das VS Fire genannt wird, sei ausschliesslich für gewisse Daten bei der Feuerwehr eingesetzt worden. Daten im Bereich Brandschutz seien nicht darüber geführt worden. Saas-Fee will keine Rückmeldung geben, aufgrund der noch laufenden Verfahren im Fall Crans-Montana.

Der Kanton sieht bezüglich der Brandschutzkontrollen die Gemeinden in der Pflicht. Gleichzeitig arbeitete dieser aber ebenfalls mit dem Informatiker zusammen. Kantonale Stellen wie die Walliser Feuerwehr und mehrere kommunale Polizeikorps liessen ihre Daten ebenfalls von dem Ein-Mann-Betrieb betreuen, wie die Sonntagszeitung bereits früher berichtete.

Offenbar gibt es weitere IT-Projekte des Kantons, die auf einer einzelnen Person und deren Wissen basieren. Auch lokalen Politikern ist die Problematik dieser Konstellation mittlerweile bewusst geworden – ein Vorstoss der Mitte Oberwallis dazu soll im Parlament im März behandelt werden.

Bei «VS Fire» sei das Problem beim Kanton derweil behoben worden wie Dienstchefin Noth-Ecoeur gegenüber dem «Blick» bestätigt. Neu werde das System von einem Betrieb mit mehreren Angestellten geführt. Die aktuelle Software werde in vielen Schweizer Kantonen eingesetzt. (con)

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Gulasch
12.02.2026 09:08registriert März 2014
Aber es macht doch kein Sinn, dass jede Gemeinde und jeder Kanton ein eigenes System führen. Das ist teuer, ineffizient, fehleranfällig und unzuverlässig.
Eine einzige schweizer Lösung, geführt von den Gebäudeversicherern und bezahlt durch moderate Gebühren.
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stronghelga
12.02.2026 09:17registriert März 2021
Im Wallis wurde nun tatsächlich entdeckt, dass Brandschutz auch irgendwie mit Organisation zu tun hat. Das bisherige Kontrollsystem lief quasi als Hobbyprojekt eines einzelnen externen IT-Magiers - ohne Backups, ohne Redundanz, ohne Plan B. Als der Mann ausfiel, verschwanden gleich auch Daten, Zugriffe und offenbar das ganze Prinzip „Nachweis“. Das Ergebnis, jahrelang keine sauber dokumentierten Kontrollen. Bis 41 Menschen sterben mussten.

Aber glücklicherweise sind die Zuständigkeiten jetzt geklärt. Also zumindest dahin, dass niemand zuständig sein will.
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001506.b818b2f8@apple
12.02.2026 10:08registriert Juli 2021
Ich verstehe immer noch nicht, was IT damit zu tun haben soll. Jedes Lokal gehört jährlich kontrolliert. Wenn der ITler ausfällt, dann zückt man übergangsmässig ein Excel und rennt damit durchs Dorf und macht seine Kontrollen. Wird ja nicht so schwer sein, den Inhabern halt entschuldigend zu sagen, dass man ev. schonmal hier war, das aber einfach nicht mehr nachvollziehen kann. Schliesslich ist man ein Amt und hat da gewisse Mittel. Wenn man dann einen gesunden Informatiker gefunden hat, dann flucht der vermutlich kurz übers Excel und haut das Ganze wieder auf eine Datenbank.
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