Schweiz
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Dietikon - 28.08.15 - Der junge Straftäter "Carlos" muss sich heute in Dietikon erstmals In einer öffentlichen Gerichtsverhandlung 
verantworten. Was macht er für einen Eindruck auf die anwesenden Gerichtszeichner? Der knapp 20-Jährige ist wegen seiner Zerstörungsaktionen 
im Gefängnis und wegen eines Vorfalls an Zürcher Langstrasse 
angeklagt.<br>

Der verurteilte Gewaltstraftäter «Carlos» wurde von Zürich in den Aargau verlegt. Bild: k23video://12116502/0dff9c4faced3110c317cc353a6dfd97

«Carlos» heimlich nach Lenzburg verlegt – in Isolationshaft wartet er auf Anklage

Der verurteilte Gewaltstraftäter, er unter dem Namen «Carlos» bekannt wurde, ist von der Strafanstalt Pöschwies ZH in die Justizvollzugsanstalt Lenzburg verlegt werden. Hier ist er in Isolationshaft, aber unter etwas lockereren Bedingungen als in seinem früheren Gefängnis.

fabian hägler / ch media



Sondersetting: Das Wort ist wohl erst allgemein bekannt, seit SRF vor sechs Jahren eine Dokumentation über den damals noch jugendlichen Straftäter «Carlos» sendete. Der Beitrag löste heftige Debatten über Sinn und Kosten der Behandlung aus, die unter anderem ein umstrittenes Thaibox-Training für den umfasste. Ein anderes Sondersetting gab es für «Carlos», der im März 2017 wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu einer Gefängnisstrafe von 18 Monaten verurteilt wurde, in der Zürcher Strafanstalt Pöschwies.

Seit August 2018 sass der mittlerweile 23-Jährige fast durchweg in einer pinkfarbenen Arrestzelle, die speziell für ihn umgerüstet wurde. Gemäss einem Bericht der Nationalen Kommission zur Verhütung von Folter konnte «Carlos» seinen vorgeschriebenen täglichen Spaziergang nicht immer machen. Und wenn er in den Gefängnishof durfte, dann nur mit Hand- und Fussfesseln sowie bewacht von mehreren Mitarbeitern in Schutzausrüstung. Weiter kritisierte die Kommission, dass «Carlos» in der Pöschwies täglich mit Personen in Kontakt komme, die in einem laufenden Strafverfahren gegen ihn aussagen.

«Carlos» wieder vor Gericht

Laut der Zürcher Staatsanwaltschaft soll er in verschiedenen Gefängnissen zahlreiche Angestellte, Polizisten und Mitinsassen geschädigt haben. Vor zwei Monaten gab Staatsanwalt Ulrich Krättli bekannt, dass er in 29 Fällen Anklage gegen «Carlos» erhebt. Dieser wird sich deshalb unter anderem wegen schwerer Körperverletzung, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte vor Gericht verantworten müssen.

Auf den Prozess, dessen Termin noch nicht feststeht, wartet «Carlos» aber nicht mehr in der Strafanstalt Pöschwies. Wie das Onlinemagazin «Republik» berichtet, wurde der junge Straftäter Anfang Juni in die Justizvollzugsanstalt Lenzburg verlegt. Gemäss dem Artikel hätte er bereits am 14. Mai ins aargauische Gefängnis überführt werden sollen, doch der Termin sei verschoben worden.

In Lenzburg sitzt der Häftling laut der «Republik» nun ebenfalls in einer Sicherheitszelle in Isolationshaft, die aber unter einem weniger strengen Regime geführt wird. «Carlos» dürfe jeden Tag im Hof spazieren, dies ohne Fuss- und Handfesseln, dafür mit einem Fussball, berichtet das Onlinemagazin. Das Setting sehe für «Carlos» eine schnelle Lockerung der Haftbedingungen vor, falls sich dieser in den ersten zwei Wochen bewähre.

Kanton schweigt zum Regime

Samuel Helbling, Sprecher des Aargauer Innendepartements, bestätigt auf Anfrage, dass «Carlos» aus der Pöschwies in die Justizvollzugsanstalt Lenzburg verlegt wurde. Dies sei «vor einigen Tagen» geschehen, sagt Helbling, ohne auf Details einzugehen. Zu den Haftbedingungen von «Carlos» und dem Regime für Spaziergänge für ihn in Lenzburg könne er sich aus Sicherheitsgründen nicht äussern, sagt er.

Es sei im Strafvollzug aber durchaus üblich, dass auch Häftlinge aus anderen Kantonen in Lenzburg untergebracht würden. «Es ist ein modernes Gefängnis mit hohen Sicherheitsstandards und es gibt den umgekehrten Fall, in dem Straftäter aus dem Aargau in anderen Kantonen in Haft sind», erklärt Helbling. Ein Beispiel dafür ist Thomas N., der Vierfachmörder von Rupperswil, der in der Pöschwies einsitzt.

Wie wurde Verlegung möglich?

Kosten entstehen dem Kanton aufgrund der Verlegung von «Carlos» in das Aargauer Gefängnis laut Helbling keine, diese trägt weiterhin der Kanton Zürich. Er hält fest, die Verantwortung für den Strafvollzug bleibe trotz der Verlegung in den Aargau bei den Zürcher Behörden. Zu den Gründen, weshalb der Straftäter nun in Lenzburg einsitzt, gibt der Mediensprecher keine Auskunft. Helbling sagt allerdings, der Kanton Aargau habe das Recht, «Carlos» wieder nach Zürich zu überstellen, wenn es mit dem Häftling in Lenzburg zu Problemen kommen sollte.

Offen bleibt die Frage, wie die Verlegung von «Carlos» aus der Strafanstalt Pöschwies nach Lenzburg überhaupt möglich wurde. Noch Ende April hatte Thomas Manhart, der Chef des Zürcher Amts für Justizvollzug, laut einem Artikel der «NZZ» gesagt, die Gewaltbereitschaft von «Carlos» lasse eine Lockerung des Regimes oder eine Verlegung in ein anderes Gefängnis nicht zu. Auf die Nachfrage der AZ, warum sich diese Einschätzung geändert hat, gibt es von den Zürcher Behörden keine Antwort.

Fragen zu einer konkreten Person, die sich noch dazu in einem laufenden Verfahren befinde, dürfe man «aus Gründen des Amtsgeheimnisses sowie des Daten- und Persönlichkeitsschutzes» nicht beantworten. Rebecca de Silva, Kommunikationsbeauftragte beim Zürcher Amt für Justizvollzug, äussert sich nur generell. «Straftäter, die mit der Unterbringung in einer Institution nicht einverstanden sind, haben jederzeit die Möglichkeit, ihre Kritik über eine Beschwerde oder auf dem Rechtsweg unter Beizug eines Rechtsbeistandes zu artikulieren», hält sie fest.

Es scheint wahrscheinlich, dass Thomas Häusermann, der Rechtsanwalt von «Carlos», einen entsprechenden Antrag gestellt hat. Häusermann war für eine Stellungnahme zu Fragen der AZ bisher nicht erreichbar. Gegenüber der «NZZ» hatte er kritisiert, viele Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen seinen Mandanten stünden in direktem Zusammenhang mit der Situation im Vollzugssystem. Diese bezeichnete der Anwalt von «Carlos» als unerträglich, in der Pöschwies würden nicht einmal die Minimalstandards eingehalten.

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37
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37Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • olmabrotwurschtmitbürli aka Pink Flauder 17.06.2019 10:51
    Highlight Highlight Gute Sache, dass der Vollzug aus dem Kanton ZH gebracht wurde. Da war die Situation schon viel zu verfahren. Hoffe er packt die Gelegenheit.
  • inmi 17.06.2019 09:42
    Highlight Highlight Unglaublich wieviel Geld unsere Gesellschaft in diesen gewalttätigen Typen gesteckt hat. Offensichtlich nutzlos. Wann wird endlich in diesen Therapie-Irrsinnstaat aufgeräumt?
    • phreko 17.06.2019 10:45
      Highlight Highlight Was willst du denn sonst tun? Ihn erschiessen?
    • Wer weiß denn sowas!? 17.06.2019 11:12
      Highlight Highlight Was wäre denn dein konstruktiver Vorschlag zur Lösung dieses Problems?
    • inmi 17.06.2019 12:44
      Highlight Highlight Es gibt Menschen, denen kann man nicht mehr helfen. Menschen, die kann man nicht therapieren. Das mag traurig sein, ist aber die Realität.
    Weitere Antworten anzeigen
  • #Technium# 17.06.2019 09:11
    Highlight Highlight Carlos wird nie sein Leben, insbesondere seine Gewaltausbrüche in den Griff kriegen. Früher oder später wird es keine andere Möglichkeit geben und er wird in eine geschlossene Psychiatrie für den Rest seines Lebens untergebracht werden. Wo man dann ihn nur mittels starker Beruhihungsmittel unter Konzrolle haben kann.
    • TingelTangel 17.06.2019 23:02
      Highlight Highlight "Seit August 2018 sass der mittlerweile 23-Jährige fast durchweg in einer pinkfarbenen Arrestzelle" Da hat man irgendwann einen Psychischen Krüppel. Der wird die Allgemeinheit noch Viel Kosten. Es war nicht Gut, doch mit diesem Dok Film und der Empörung wurde es Richtig übel.
  • Wer weiß denn sowas!? 17.06.2019 08:39
    Highlight Highlight Ich hoffe einfach, dass es eines Tages gelingt, Carlos in die Gesellschaft zu integrieren. Es macht mich traurig wenn ich sehe, wie ein junger Mann sein Leben wegwirft.

    • ostpol76 17.06.2019 11:45
      Highlight Highlight Mich macht es traurig wenn ich sehe wie Carlos das Leben seiner Opfer wegwirft.
    • phreko 17.06.2019 23:44
      Highlight Highlight wow ostpol76, stating the obvious! Als ob das irgendjemand infrage stellen würde...
  • beaetel 17.06.2019 08:36
    Highlight Highlight Man hatte ein Familien ähnliches Setting, um diesen Jungen endlich in eine Gesellschafts konforme Richtung lenken zu können. Dann kam heraus, dass dieses Setting 29000 Franken im Monat kostet und seither ihr er nur noch im Strafvollzug. Dass der Strafvollzug nicht günstiger kommt, sollte vielleicht auch mal erwähnt werden ...
    • Delisa06 17.06.2019 10:33
      Highlight Highlight Dass er Intensivunterricht im Kick-Boxen erhielt, DAS war absolut unverständlich. Nicht das setting. Ich hoffe Carlos findet endlich einen Weg in ein glücklicheres Leben.
    • TingelTangel 17.06.2019 20:16
      Highlight Highlight Die Rechten Hetzer sollten mal an denn Pranger gestellt werden. Der war auf dem Weg, zwar Teuer aber anscheinend auch Begründet. Die Law and Order Typen sind Verantwortlich das die Kosten völlig aus dem Ruder gelaufen sind.
  • Alle Aufmerksamkeit dem doofen Prozent 17.06.2019 07:21
    Highlight Highlight Lest die Artikelserie der Republik bezüglich "Mike"... "Mike" ist nicht einfach ein schwieriger Junge. Die Justiz und der Vollzug haben bei der jetzt verfahrenen Situation tatkräftig beigetragen.
    Die Verlegung von "Mike" nach Lenzburg ist in diesem Kontext nachvollziehbar. Ein Versuch eines Neuanfangs. Die Situation in der Pöschwies war verkeilt.
  • Bio Zitronensaft 17.06.2019 07:17
    Highlight Highlight Jetzt auch noch in den Aargau verlegt. Dem armen Kerli bleibt auch keine Strafe erspart...
    • MacB 17.06.2019 08:23
      Highlight Highlight Made my day :)
    • AngelitosHE 17.06.2019 13:22
      Highlight Highlight Ich würde das eher als Upgrade werten ;)
  • Der Soziale 17.06.2019 07:15
    Highlight Highlight Wieso wird dieser aggressive Typ nicht endlich ausgeschafft?
    Ausländer welche sich anständig verhalten und integriert sind müssen die Schweiz verlassen und gewalttätige Straftäter dürfen bis zum Nimmerleinstag bleiben...
    Spezielle Logik.
    • Pümpernüssler 17.06.2019 07:39
      Highlight Highlight Wer einen Schweizer Pass hat, darf bleiben. Gilt ja auch für sie, auch wenn ich sie lieber nichtmehr bei uns hätte. 🤷‍♀️
    • Magenta 17.06.2019 07:42
      Highlight Highlight Der ist leider Schweizer...
    • Bits_and_More 17.06.2019 09:22
      Highlight Highlight Weil der Vater von Carlos Schweizer ist?
      Weil Carlos in Paris / Zürich aufgewachsen ist?
      Weil Carlos Schweizer ist?

      Auch die Schweiz soll sich um ihre Straffälligen kümmern.
    Weitere Antworten anzeigen
  • atorator 17.06.2019 06:22
    Highlight Highlight Da kommt unser Justizsystem an seine Grenzen. Was macht man mit jemandem, der wahrscheinlich (mutmasslich) an seinem ersten Tag in der Freiheit eine Gewalt-Straftat begehen wird? Strenge Regimes in den Gefängnissen haben nichts genützt. Was nun? Hoffe für Carlos, dass er eines Tages irgendwie doch noch den Rank findet.
    • Effersone 17.06.2019 08:18
      Highlight Highlight Verwahrung?
    • Phrosch 17.06.2019 08:42
      Highlight Highlight Er begeht ja auch in Haft weiter Straftaten; Vollzugsbeamte verprügeln etc. sind ja sicher auch strafbar.

      Berücksichtigt das die Kommission gegen Folter auch? Um sein Umfeld vor ihm zu schützen, müssen offenbar seine Rechte massiv beschränkt werden.
    • Booker 17.06.2019 16:36
      Highlight Highlight Oder aber erkennt, dass er in der Schweiz keine Zukunft hat. Vielleicht sollte er sich mal überlegen in die Heimat seiner Mutter (und seiner Heimat?) Brasillien zurückzukehren. Da kommt er vielleicht gesellschaftlich besser zurecht bzw. man versteht mit Nachdruck ihm Grenzen aufzuzeigen mit einem lokalen „Sondersetting“.
  • Raffaele Merminod 17.06.2019 06:14
    Highlight Highlight Müssen wir regelmässig darüber informiert werden was mit "Carlos" gerade im Moment los ist?
    • atorator 17.06.2019 06:23
      Highlight Highlight Ja, müssen wir. Weil mit dem Fall Carlos wird uns vor Augen geführt, wo die Grenzen der Justiz liegen können.
    • wonderwhy 17.06.2019 06:51
      Highlight Highlight Ich glaube das nennt man Nachrichten...
    • Pümpernüssler 17.06.2019 07:40
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