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Dem Mann wird mehrfache Schändung, Freiheitsberaubung und Entführung vorgeworfen. Am Montag beginnt die Hauptverhandlung am Bezirksgericht Zürich.
Dem Mann wird mehrfache Schändung, Freiheitsberaubung und Entführung vorgeworfen. Am Montag beginnt die Hauptverhandlung am Bezirksgericht Zürich.
Bild: KEYSTONE

42-Jähriger soll über Jahre junge Frauen nach dem Ausgang abgepasst und missbraucht haben

Ein verheirateter Mann soll neun kaum mehr ansprechbare Frauen nach dem Ausgang abgepasst, in sein Auto gelockt und sexuell missbraucht haben. Am Montag wird ihm der Prozess am Bezirksgericht Zürich gemacht.
04.07.2021, 16:0605.07.2021, 17:22

Ein heute 42-jähriger Mann steht am Montag vor dem Bezirksgericht Zürich. Über fünf Jahre hinweg soll er Frauen, die kaum mehr ansprechbar waren, vor Clubs und Bars abgepasst haben, sie in sein Auto gelockt und sexuell missbraucht haben. Die Anklageschrift der Zürcher Staatsanwaltschaft umfasst 22 Seiten. Und die beschriebenen Fälle, sie klingen alle ähnlich.

Was im Folgenden beschrieben wird, ist das, was gemäss Ermittlungen der Staatsanwaltschaft passiert sein soll. Die Unschuldsvermutung verlangt, dass die Vorwürfe bis zur rechtskräftigen Verurteilung Vorwürfe und keine Tatsachen bleiben. Der Lesbarkeit wegen wird auf den Konjunktiv verzichtet. Die Namen der genannten Personen wurden anonymisiert, sind jedoch der Redaktion bekannt.

Warnhinweis: In diesem Text geht es um explizite Beispiele sexueller Belästigung und Gewalt. Für einige Menschen könnte das verstörend sein.

Die Taten beginnen meist irgendwann mitten in der Nacht. Einmal ist es 02:30 Uhr, einmal 04:00 Uhr, einmal kurz vor Sonnenaufgang. Im März 2013, bei Alvins* mutmasslich erster Tat, ist es 5 Uhr morgens. Die 20-jährige Karla verlässt gerade den Zürcher Club «Hive».

Karla geht es nach drei kleinen Flaschen Bier schlecht. Sie fühlt sich orientierungslos und kann sich kaum auf den Beinen halten. Weil sie im Club die Toilette nicht findet, setzt sie sich vor dem «Hive» auf den Randstein. Der damals 34-jährige Alvin entdeckt Karla und geht zu ihr hin. Er erzählt ihr, dass er ein Angestellter des Hives sei und Karla nachhause bringen würde. Karla, die sich kaum auf den Beinen halten kann, will Alvin nicht folgen.

Doch dieser bleibt beharrlich. Auf unbekannte Art und Weise schafft er es dann doch, die junge Frau in sein Auto zu bringen, das vier Meter weiter weg geparkt ist. Mit der auf der Rückbank liegenden Karla fährt Alvin davon.

In einer Seitenstrasse im Enge-Quartier hält er an und setzt sich zu Karla auf die Rückbank. Er beginnt die junge Frau zu umarmen, versucht sie zu küssen und fordert sie auf, ihn oral zu befriedigen. Karla, die sich immer noch schlecht fühlt, kann sich kaum wehren. Sie gäbe ihm so viel Geld, wie er wolle, wenn er sie nur gehen lassen würde, fleht sie ihn an. Darauf lässt Alvin von ihr ab. 90 Franken fordert er und fährt mit dem Auto zum Bahnhof Enge. Dort steigt Karla aus dem Wagen, hebt 100 Franken ab, reicht sie Alvin und rennt davon.

Anlaufstellen für Opfer von sexueller Gewalt
Sexuelle Übergriffe können in den unterschiedlichsten Kontexten stattfinden. Hilfe im Verdachtsfall oder bei erlebter sexueller Gewalt bieten etwa die kantonalen Opferhilfestellen oder die «Frauenberatung sexuelle Gewalt». Für Jugendliche oder in der Kindheit sexuell ausgebeutete Erwachsene gibt es die Stelle «Castagna».

Zwei Jahre später, es ist vier Uhr nachts und April, hält sich Alvin in der Nähe des Zürcher Clubs «Jade» auf. Er beobachtet, wie zwei junge Frauen, Miranda ist 20, Valeria 21, gemeinsam mit einem Kollegen aus dem Club stolpern. Der junge Mann versucht, für die beiden sichtlich angetrunkenen Frauen ein Taxi zu bestellen. Doch als der Taxifahrer sieht, wie schlecht es den beiden Frauen geht, weigert er sich, sie mitzunehmen.

Darauf beschliesst der Kollege, die beiden Frauen zu Fuss zum Bahnhof Enge zu begleiten. Alvin, der die Szene beobachtet, folgt dem Trio. Er spricht die drei an und behauptet, dass Miranda ihr Handy im Club liegen gelassen habe. Mirandas Kollege schaut in ihrer Tasche nach und findet tatsächlich kein Handy. Daraufhin setzt er die beiden kaum ansprechbaren Frauen in einem Hauseingang ab und bittet Alvin, kurz auf sie aufzupassen, damit er das liegengelassene Handy im «Jade» holen könne.

Alvin, der eigentlich das Handy von Miranda bei sich trägt, lockt die beiden Frauen in sein Auto. Er verspricht Miranda, dass ihr Handy dort liegen würde. Als die beiden Frauen eingestiegen sind, fährt Alvin in die gleiche Seitenstrasse im Quartier wie zuvor.

Als das Auto zum Stillstand kommt, beschafft sich Alvin auch das Handy von Valeria und steigt zu ihrer Freundin Miranda auf die Rückbank. Miranda kann sich kaum mehr bewegen und verliert immer wieder das Bewusstsein. Alvin öffnet ihr die Hose und fährt mit seinen Fingern unter ihren Slip. Miranda nimmt nur bruchstückhaft wahr, was gerade passiert: Sie nimmt Alvins Hand weg und dreht sich gegen die Autotür. Zu einem späteren Zeitpunkt schändet er sie mutmasslich und dringt mit seinem Penis in sie ein. An ihrem Slip werden später Alvins DNA-Spuren gefunden. Miranda kann sich zu diesem Zeitpunkt wegen ihres schlechten Zustandes weder mit Worten noch sonst irgendwie wehren.

Nachdem sich Alvin an Miranda vergangen hat, setzt er sich wieder auf den Vordersitz, wo Valeria schläft. Auch an ihr vergeht er sich, öffnet ihre Hose, nimmt ihre Hand und drückt sie auf sein nacktes Glied. Irgendwann weckt Alvin die beiden weggetretenen Frauen und macht sie darauf aufmerksam, dass es bereits sechs Uhr ist. Alvin sagt, er könne nicht mehr Autofahren, gibt den beiden jungen Frauen ihre Handys zurück und zahlt ihnen 50 Franken für ein Taxi.

Ein Jahr später, es sind nur ein paar Grad über null in dieser Februarnacht: Alvin beobachtet, wie die 20-jährige Linda aus dem Club Jade kommt. Sie wird von einer Freundin gestützt. Linda geht es nicht gut, sie ist müde und orientierungslos. Alvin spricht die beiden Frauen an und gibt sich als Club-Angestellter aus. Linda käme in ihrem Zustand nicht mehr in den Club rein, sagt er. Lindas Freundin geht daraufhin zurück in den Club, um die Jacken zu holen. In der Zwischenzeit schafft es Alvin, die kaum mehr ansprechbare Linda in sein Auto zu bringen. Wie genau, ist laut Anklageschrift unklar: Entweder trägt er sie oder überredet sie. Mit Linda auf der Rückbank, die immer wieder eindöst, fährt er wiederum in eine Seitenstrasse im Enge-Quartier.

Dort angekommen, geht es Linda mittlerweile so schlecht, dass sie sich aus dem Auto heraus erbricht. Alvin geht zu ihr, hält ihren Mund mit dem Daumen geöffnet und drängt sie, ihn oral zu befriedigen. Linda wehrt sich und will wissen, was das soll. Er sei eben «huere spitz» entgegnet Alvin. Darauf bricht Linda in Panik aus und schlägt mit Armen und Füssen um sich. Alvin, von der Reaktion der jungen Frau eingeschüchtert, entriegelt das Auto und lässt sie gehen.

Das sind nur drei Beispiele, wie sie in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft zu lesen sind. Von 2013 bis zu seiner Verhaftung im September 2018 soll Alvin neun junge Frauen sexuell missbraucht haben.

Die Worte der Staatsanwältin wiederholen sich: Alvin habe um den schlechten psychischen und physischen Zustand der Frauen gewusst. Er habe deren Schläfrigkeit, Müdigkeit, Orientierungslosigkeit ausgenutzt. Er habe gewusst, dass diese niemals mit ihm mitgegangen, geschweige denn auf irgendeine sexuelle Handlung eingewilligt hätten. Er habe sie ihrer Freiheit beraubt, sie entführt und sich an ihnen vergangen.

Im September 2018 wurde Alvin verhaftet. Seither sitzt er im Gefängnis und wartet auf seinen Prozess. Wie Alvin genau überführt wurde, darüber will die zuständige Staatsanwältin im Vorfeld nichts sagen. Dabei geholfen haben aber Überwachungsbilder, Observationen und ein Antennensuchlauf, wie der Anklageschrift zu entnehmen ist.

Am Montag um 8:30 Uhr steht Alvin wegen mehrfacher Schändung, Entführung und Freiheitsberaubung vor Gericht. Das geforderte Strafmass wollte die Staatsanwältin erst an der Hauptverhandlung bekannt geben.

*Alle Namen von der Redaktion geändert.

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