Schweiz
Zürich

Mindestlohnregelungen der Städte Zürich und Winterthur sind gültig

Kellnerin Schweiz Restaurant Service
Eine Kellnerin serviert Essen in einem Restaurant.Bild: Shutterstock

Bundesgericht hat entschieden: In Zürich und Winterthur kommt der Mindestlohn

10.06.2026, 12:0110.06.2026, 13:42

Das Bundesgericht hat entschieden, dass die Städte Zürich und Winterthur einen kommunalen Mindestlohn einführen dürfen. In Zürich wird er 23.90 Franken pro Stunde betragen, in Winterthur 23 Franken.

Wann der städtische Mindestlohn genau in Kraft tritt, ist noch offen. Die Stadt Zürich nimmt den Bundesgerichtsentscheid «erfreut zur Kenntnis», wie sie am Mittwoch mitteilte. Die Umsetzungsarbeiten, die wegen des Rekurses sistiert wurden, werden nun wieder aufgenommen. Dazu gehöre auch ein konkreter Zeitplan.

Von der neuen Mindestlohn-Regelung profitieren vor allem Angestellte in Tieflohnbranchen wie der Reinigungsbranche, der Gastronomie oder im Detailhandel. Der grosse Teil von ihnen sind Frauen.

«Historischer Entscheid»

Serge Gnos, Co-Leiter der Gewerkschaft Unia Zürich-Schaffhausen, bezeichnete das Bundesgerichtsurteil als «historischen Entscheid». «Ich gehe davon aus, dass die Städte bereit sind und es jetzt schnell geht», sagte er gegenüber dem Regionaljournal Zürich-Schaffhausen von Radio SRF1.

Die Unia spricht von einer «Signalwirkung auf andere Städte» wie Schaffhausen, Bern oder Biel, wo mittels Volksinitiativen ebenfalls Mindestlöhne eingeführt werden sollen.

Die SP der Städte Winterthur und Zürich begrüsst die Einführung, nachdem die «dringend nötigen Lohnerhöhungen drei Jahre lang blockiert» gewesen seien. Das Urteil sei ein Erfolg für 20'000 Tieflohnbetroffene.

Die Partei kritisiert SVP und FDP dafür, dass sie auf Bundesebene ein Lohnsenkungsgesetz verabschieden wollen. «Die SP wird nicht zulassen, dass der Mindestlohn nachträglich wieder übersteuert wird», gibt der SP-Präsident der Stadt Zürich, Oliver Heimgartner, zu Protokoll.

Gute Nachricht für Working Poor

Die Befürworter des Mindestlohns betonen die klare Annahme der Initiativen an der Urne - in Winterthur sprachen sich 66 Prozent dafür aus, in Zürich fast 70 Prozent. Für Caritas Zürich ist das Urteil eine guten Nachricht für Menschen, de nicht von ihrem Lohn leben können. Der Entscheid bestätige die Organisation in ihrer täglichen Arbeit im Dienste der Working Poor.

Die Gegner des Mindestlohns haben nach wie vor Zweifel daran, ob dies der richtige Weg zur Bekämpfung von Armut ist. Dies teilten die Handelskammer und Arbeitgebervereinigung Winterthur, der KMU-Verband Winterthur und Umgebung sowie der Gewerbeverband der Stadt Zürich gemeinsam mit.

«Benachteiligung muss verhindert werden»

Die Verbände würden nun aber konstruktiv bei der Umsetzung mit den Städten Zürich und Winterthur zusammenarbeiten, versprachen sie. Wichtig sei, dass die Lohnkontrollen vor allem bei jenen Branchen stattfänden, die keinen Gesamtarbeitsvertrag kennen würden.

Zudem müsse verhindert werden, dass lokale Unternehmen mit Mindestlohn nicht durch Konkurrenten benachteiligt würden, die keinen Mindestlohn zahlen müssten.

Die Mitte der Stadt Zürich zeigt sich skeptisch, ob die Mindestlöhne positive Effekte für die Betroffenen haben werden. Die Partei fordert «Augenmass» bei der Anwendung, sollte es zu einer Abwanderung von Arbeitsplätzen kommen. (cma/hkl/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
74 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
H.P. Liebling
10.06.2026 12:09registriert September 2018
Jetzt ratet mal, wer diese ominösen "Gegner des Mindestlohns" so sind...
13012
Melden
Zum Kommentar
avatar
Pragmatiker17
10.06.2026 12:32registriert Juli 2025
"Die Gegner des Mindestlohns haben nach wie vor Zweifel daran, ob dies der richtige Weg zur Bekämpfung von Armut ist."

Angesichts des tiefen Niveaus der besagten Mindestlöhne, sind diese Zweifel berechtigt. Es steht den Gegnern aber jederzeit weiterhin frei, den Angestellten über diese gesetzliche Mindestvorgabe hinaus ein anständiges Gehalt zu zahlen.
Ich hege aber die starke Vermutung, dass es ihnen in Wirklichkeit völlig egal ist, wenn Angestellte kaum von ihrem Lohn leben können.
1046
Melden
Zum Kommentar
avatar
Digitalflaneur
10.06.2026 12:32registriert März 2024
„Die Gegner des Mindestlohns haben nach wie vor Zweifel daran, ob dies der richtige Weg zur Bekämpfung von Armut ist“
Immerhin ist es ein Weg im Gegensatz zu dem Gegner, die keinen anderen Weg aufzeigen können.
763
Melden
Zum Kommentar
74
In der Schweiz vertrauen Frauen dem Staat weniger als Männer
Frauen in der Schweiz misstrauen öffentlichen Institutionen stärker als Männer. Obwohl das Vertrauen im internationalen Vergleich hoch ist, ist das Geschlechtergefälle in der Schweiz besonders hoch.
So vertrauen 45 Prozent der Frauen in ihre Fähigkeit zur politischen Teilnahme, gegenüber 65 Prozent der Männer, wie das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) am Dienstag mitteilte. Das EGB hat die Studie bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Auftrag gegeben. Insgesamt wurden dafür die institutionellen Vertrauenswerte in dreissig Ländern untersucht.
Zur Story