Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Mit gefundenem Passwort Mail des Ex-Partners gelesen – verurteilt



Das Eindringen in ein passwortgeschütztes E-Mail-Konto ist auch dann illegal, wenn das Passwort zufällig gefunden wurde. Dies hat das Bundesgericht im Fall einer Frau aus dem Kanton Aargau entschieden.

Die Frau, die von ihrem Ehemann getrennt lebte, fand die Zugangsdaten auf einer Karteikarte notiert im ehemaligen gemeinsamen Büro ihrer Wohnung. Weil sie daran zweifelte, ob sie sich in das Mail-Konto einloggen durfte, recherchierte sie im Internet.

Sie erkundigte sich zudem bei einer Person in der Verwandtschaft, die als Staatsanwalt arbeitet. Der Verwandte war der Ansicht, dass damit kein Delikt begangen werde.

Dem ist aber nicht so, wie aus einem am Dienstag veröffentlichten Urteil des Bundesgerichts hervor geht. Die Art und Weise, wie ein Passwort beschafft werde, sei nicht entscheidend. Es bedürfe keines aktiven Handelns, damit der Tatbestand des unbefugten Eindringens in ein Datenverarbeitungssystem erfüllt sei.

«Keine Einwilligung»

Damit stützt das Bundesgericht den Entscheid des Obergerichts Aargau vom Oktober vergangenen Jahres. Das Bundesgericht teilt die Auffassung, wonach der Ehemann das Passwort unbewusst zurückgelassen habe und dies nicht als Einverständnis für einen Zugriff auf sein Mail-Konto zu verstehen sei.

Die zu einer bedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu 30 Franken und zu einer Busse von 300 Franken verurteilte Frau hatte geltend gemacht, es bedürfe einer erhöhten kriminellen Energie, wie beispielsweise bei einem Hacking-Angriff, damit man sich in einem solchen Fall strafbar mache.

Ohne Erfolg blieb auch das Argument der Frau, dass sie sich aufgrund der Auskunft des Staatsanwalts in einem so genannten Verbotsirrtum befunden habe. Da es sich dabei nicht um eine offizielle, behördliche Auskunft gehandelt habe, könne sie nicht darauf abstellen.

Zudem habe sie auch später nochmals im Internet recherchiert, wie die forensische Auswertung ihres Computer gezeigt habe. Sie habe somit das unbestimmte Empfinden gehabt, etwas Unrechtes zu tun. Dies schliesse einen Verbotsirrtum aus, schreibt das Bundesgericht. (Urteil 6B_1207/2018 vom 17.05.2019) (aeg/sda)

Der Exen-Killer

«Spam-Mails nerven! Und Spam-Telefonate!! Und Spam-Briefe!!!»

Play Icon

Im Namen des Rechts: Diese Justizfälle haben die Schweiz bewegt

«Er ist unschuldig?» – wie Luanas Traum von der Freiheit vor dem Aargauer Obergericht jäh platzte

Link zum Artikel

Kondome, Viagra, Medienstelle: Der «Rollstuhl-Bomber» erzählt vor Gericht krude Romane

Link zum Artikel

«Wir sind durch die Hölle gegangen» – Das sagt der Schlieremer Polizist zum Bundesgerichtsentscheid

Link zum Artikel

«Fall Walker»: Das Obergericht übt sich in Schadensbegrenzung

Link zum Artikel

Eine lesbische Liebe, Kokain-Sucht und Salmiakgeist, 12 Prozent: Der Mordprozess Hochweid

Link zum Artikel

Carlos vor Gericht: Ein schweigender Trötzler

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

16
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Maragia 04.06.2019 13:54
    Highlight Highlight "Zudem habe sie auch später nochmals im Internet recherchiert, wie die forensische Auswertung ihres Computer gezeigt habe"

    Ich weiss ja nicht, was hier alles gemacht wurde um die Beschuldigte zu überführen, aber anscheinend ein grosser Aufwand??? Ist denn das erlaubt, den PC der beschuldigten zu untersuchen ob sie in ein fremdes Mail Konto "eingedrungen" ist? Hört sich nicht so verhältnismässig an
    • Hierundjetzt 04.06.2019 17:15
      Highlight Highlight Aaah Justiz und Rechtssprechung ist nie nie nie an ein Budget geknüpft. Sonst würden geschickte Mörder wohl auf ewigs frei rumlaufen.

      Also Hans, häsch 1‘500.- und 8h zuget zum de Mörder zfinde. Nachher schliessisch d Akte. Meh chönt mir eus nöd leiste

      🤔

      Sehr sehr einfach ausgedrückt: Recht erhalten ist ein Grundrecht. Das ist nicht verhandelbar
  • Cédric Wermutstropfen 04.06.2019 13:38
    Highlight Highlight Wieso war es ihr so wichtig, seinen Mailverkehr zu lesen? Und wie hat er es herausgefunden?

    Das sind doch die interessanten Fragen.
  • Hierundjetzt 04.06.2019 13:38
    Highlight Highlight Toller „Staatsanwalt“, gewinnt sicher immer vor Gericht. 😂😂😂

    Nette Kollegin übrigens, diese Frau. Den Kollegen so richtig schön in die Pfanne gehauen. Jetzt ist es gerichtlich bestätigt dass der „Staatsanwalt“ eine Pfeife ist.

    Grundsätzlich: Und warum genau „musste“ Frau jetzt so dringend in ein fremdes E-Mail-Account?
  • Charlie B. 04.06.2019 13:35
    Highlight Highlight Haben wir 1999 oder 2019? Wer schreibt denn noch sein Passwort auf eine Karteikarte ;-)
  • Staatsgebeutelter 04.06.2019 13:14
    Highlight Highlight Aargauer Staatsanwälte haben eben eine eigene Rechtsauffassung wie andere Urteile auch schon festgestellt haben, der Seldwyla-Effekt wenn man es anders ausdrücken möchte.
  • Blitzsammler 04.06.2019 13:07
    Highlight Highlight 'delete browser history'

    Sollte nicht nur auf dem Organspendeausweis stehen ;-)
    • Michael von der Halde 04.06.2019 13:32
      Highlight Highlight nützt nix, seine Bewegungen im Internet kann man nicht verschleiern, die Provider zeichnen alles auf. Wenn forensisch ermittelt wird, kommt alles auf den Tisch...
    • Lolus 04.06.2019 13:35
      Highlight Highlight Das hilft genau nichts ;)

      Auch mit gelöschter Browser History ist der Aufwand ziemlich gering um herauszufinden welche Seiten man besucht hat.
      Mal davon ausgegangen das sie nicht die ganze Festplatte formatiert und überschrieben hat.
    • Hierundjetzt 04.06.2019 13:40
      Highlight Highlight Ja für Dich vielleicht

      Polizeiliche IT Forensik ist dann ganz eine andere Liga. Da nützt Dir auch das neu aufsetzten des PC rein gar nichts 😏

      Siehe Watson / Tagi Artikel im Mai dazu. Als einer seine Sozialberaterin das Messer an den Hals hielt 😕
  • what's on? 04.06.2019 12:59
    Highlight Highlight Mich beschäftigt die Frage, wie saublöd sie sich angestellt hat, dass der Zugriff auf das Mailkonto aufgedeckt wurde.
  • El Vals del Obrero 04.06.2019 12:38
    Highlight Highlight Ist doch logisch:

    Wenn man auf der Strasse einen Schlüssel zu einer fremden Wohnung findet darf man damit ja auch nicht in diese Wohnung eindringen.

    Warum soll das in der "Online-Welt" anders sein? Immer diese Ansicht, "das Internet sei Neuland, dass unbedingt ganz neue Gesetze brauche", dabei gibt es für fast alles eine Entsprechung aus der "Offline-Welt".
  • 2sel 04.06.2019 12:34
    Highlight Highlight ... "wie die forensische Auswertung ihres Computer gezeigt habe."...

    Schon krass mit welchem Aufwand sich die obersten Gerichte inzwischen mit jeder Kleinigkeit befassen müssen, geschweige den was das wohl alles kostet...
    • Hierundjetzt 04.06.2019 17:16
      Highlight Highlight Und was darf es den kosten? Wo ziehst Du die Grenze? Und warum?

      Und wenn es mehr kostet, dann lassen wir den Täter laufen?
    • 2sel 04.06.2019 17:54
      Highlight Highlight @hierund jetzt... Zahlst du steuern lebst du einfach in den Tag hinein?
  • Clife 04.06.2019 12:19
    Highlight Highlight Ein Passwort gehört ja auch zur Privatsphäre. Ist dasselbe wie wenn ich eine Kreditkarte zufällig finde und diese benutze, weil sie auf der Strasse war und wohl nichtmehr vom Besitzer gebraucht wird. Da hat man auch die Pflicht die Sache der Polizei oder dem Besitzer zu übergeben und nicht zuvor noch zu benutzen...dass das Bundesgericht überhaupt auf so eine Klage eingegangen ist ist viel eher lachhaft

GC-Chaot stellt sich der Polizei – nach der Razzia bei seiner Freundin

Beim Spielabbruch in Luzern stand er an vorderster Front, danach ist GC-Ultra und Neonazi Stefan N. untergetaucht. Die Luzerner Strafverfolungsbehörden fahndeten nach dem 40-Jährigen – auch im Aargau. Die Kapo Aargau stürmte am Dienstagabend die Wohnung seiner Freundin in Hausen – ohne Fahndungserfolg. Am Mittwochmorgen stellte sich der Fussball-Chaot dann selbst der Polizei.

Bei Krawallen der GC-Ultras am Sonntag in der Luzerner Swissporarena war er ganz vorne dabei: Der tätowierte Glatzkopf mit Vollbart. An der Spitze eines vermummten Mobs stürmte er das Spielfeld und erpresste die GC-Spieler, ihre Leibchen auszuhändigen. Letztlich musste das Spiel abgebrochen werden.

Danach war Stefan N., ein bekannter Neonazi, untergetaucht. Der 40-Jährige wurde für die Krawall-Aktion von der Liga mit einem schweizweiten Stadionverbot belegt und hat zudem eine Anzeige wegen …

Artikel lesen
Link zum Artikel