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Pflegekinder erhalten mehr Mitsprache bei Platzierungen



Pflegekinder sollen mehr Mitsprache erhalten, wenn sie ausserhalb ihrer Familie untergebracht werden. Ein Drittel dieser Unterbringungen erfolgt nicht einvernehmlich, sondern wird von den Behörden angeordnet. In der Schweiz leben schätzungsweise rund 18'000 Kinder bei Pflegeeltern.

Die Konferenz der kantonalen Sozialdirektorinnen und -direktoren (SODK) und die Konferenz für Kindes- und Erwachsenenschutz (Kokes) haben nach einer zweijährigen Evaluation von Praxisbeispielen die entsprechenden Empfehlungen formuliert. Insgesamt sind es 42, wie sie am Freitag mitteilten. Die Empfehlungen sollen sich als Standard in der ganzen Schweiz etablieren.

Die allermeisten Kinder und Jugendlichen in der Schweiz f

Mehr Rechte für Pflegekinder (Symbolbild). Bild: sda

Darin werden die Kantone angehalten, bei der ausserfamiliären Unterbringung von Kindern und Jugendlichen dafür zu sorgen, dass deren Wohl im Zentrum steht, und zwar vor, während und nach der Unterbringung. Dazu gehöre insbesondere, dass man die Pflegekinder informiert und sie ihre Meinung einbringen können. Sie hätten ein Recht auf Information und Beratung. Pflegekindern müsse überdies «systematisch eine Person des Vertrauens zur Seite stehen».

Die unabhängige Anlaufstelle Kindes-und Erwachsenenschutz (Kescha) hatte im Januar 2019 aufgrund einer Auswertung von Kesb-Fällen festgestellt, dass Probleme besonders stark wahrgenommen werden, wenn Hilfesuchende keine Vertrauensperson hatten, die sie im Verfahren begleitete.

Weiter empfehlen die SODK und Kokes unter anderem, die Zufriedenheit der Pflegekinder zu erfassen, den Pflegeeltern kostenlos Weiterbildungen und Beratungsangebote anzubieten und mindestens einmal jährlich ein Aufsichtsgespräch sowie mehrmals jährlich Standortgespräche mit allen Beteiligten durchzuführen.

Mindeststandards für alle Platzierungen

Mit den gemeinsamen Empfehlungen würden qualitative Mindeststandards für einvernehmliche wie für angeordnete Platzierungen etabliert, schreiben die beiden Organisationen. Leitgedanke sei der altersgerechte Einbezug des Kindes in allen Phasen der Platzierung.

Die Empfehlungen seien das Ergebnis eines langen Prozesses. Darin eingebunden gewesen seien verschiedene kantonale Fachpersonen sowie verschiedene Fachorganisationen. Konkret habe man die besten Praxisbeispiele eruiert und in konkrete Empfehlungen umgemünzt.

Die SODK und die Kokes reagieren damit auf die Kritik an Teilen der früheren Praxis in diesem Bereich und auf Rügen des Uno-Kinderrechtsausschusses in der Schweiz. Man habe die Lehren aus der Vergangenheit gezogen. Verfehlungen bei fürsorgerischen Zwangsmassnahmen, wie es sie vor 1981 gegeben habe, seien heute nicht mehr denkbar.

Grosser Einschnitt auch im Idealfall

In der Schweiz sind derzeit schätzungsweise rund 18'000 Kinder in Pflegefamilien oder Heimen untergebracht. Eine solche ausserfamiliäre Unterbringung stelle auch im Idealfall für alle Beteiligten einen grossen Einschnitt fest, schreiben die SODK und die Kokes. Einheitliche Qualitätsstandards sollen mithelfen, willkürliche Entscheide und damit Leid möglichst zu verhindern.

Der Schutz von Kindern sei eine sehr schwierige und sensible Aufgabe, lässt sich SODK-Präsidentin Nathalie Barthoulot in den Presseunterlagen zitieren: «Wir greifen in die Privatsphäre von einzelnen Menschen ein, was nicht immer einfach ist und oft nicht gut ankommt.»

Die Umsetzung der Empfehlungen könne in den Kantonen rechtliche und organisatorische Anpassungen zur Folge haben, halten die beiden Organisationen weiter fest. Es sei an den Kantonen, über das Tempo und die Schwerpunkte bei der Umsetzung der Empfehlungen zu entscheiden. (sda)

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