Hinweis zu Kita-Missbrauch kam aus den USA – Kritiker bemängeln Schweizer Abhängigkeit
Ein 33-jähriger Mann hat in Kitas in Bern und Winterthur mutmasslich mindestens 15 Kinder sexuell missbraucht. Aufgeflogen ist er aufgrund einer Meldung der gemeinnützigen US-Organisation National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC).
Experten kritisieren nun, dass erst eine Meldung aus den USA auf den Fall aufmerksam machte. Sie bemängeln die starke Abhängigkeit der Schweiz von amerikanischen Hinweisen und Meldesystemen, berichtet 20 Minuten.
«Für uns ist NCMEC die wichtigste Quelle, um illegale Pornografie aufzudecken», sagt Thomas Werner, Chef der Fachgruppe Kinderschutz der Stadtpolizei Zürich, gegenüber dem Tages-Anzeiger. Die US-Organisation erhielt 2025 16'750 Verdachtsmeldungen allein in Bezug auf Schweizer IP-Adressen.
«Die grösstmögliche Eigenständigkeit ist anzustreben»
Grosse Tech-Firmen aus den USA, etwa Meta, Microsoft oder Google, sind gesetzlich dazu verpflichtet, rechtswidrige Inhalte in Verbindung mit Pädokriminalität an das NCMEC zu melden. Entdeckt ein solches Unternehmen einen potenziell pädokriminellen Inhalt mit einer Schweizer IP-Adresse, geht die Verdachtsmeldung laut «Tages-Anzeiger» innerhalb eines Tages automatisiert via NCMEC ans Fedpol.
«Gerade in Zeiten, in denen die USA nicht immer ein verlässlicher Partner für Europa sind und der Einfluss der freiheitsliebenden Technologieunternehmungen auf die Legislative in den USA steigt, ist die grösstmögliche Eigenständigkeit anzustreben», sagten die Juristinnen Sarah von Hoyningen-Huene und Jutta Oberlin bereits im vergangenen Jahr gegenüber «20 Minuten». Daher brauche es ein Schweizer Pendant zur amerikanischen Anlaufstelle für Meldungen zu Kinderpornografie.
Nationalrätin setzt sich für strengere gesetzliche Grundlagen ein
Die Freiburger Mitte-Nationalrätin Christine Bulliard-Marbach setzt sich für strengere Regelungen in diesem Bereich ein. Ihrer Ansicht nach soll der Bundesrat eine gesetzliche Grundlage schaffen, um Hosting- und Cloudanbieter dazu zu verpflichten, rechtswidrige Inhalte zu sperren oder zu entfernen. Genauso müssten Hinweise auf Straftaten den Strafverfolgungsbehörden mitgeteilt werden. Bereits 2024 reichte sie einen entsprechenden Vorstoss ein.
Bulliard-Marbach begründete ihr Anliegen mit einem Bericht der Internet Watch Foundation. Dieser zeige, dass die Schweiz bezüglich des Hostings von Kinderpornografie weltweit auf dem «unehrenhaften» Rang 4 liege. Lediglich die Niederlande, die USA und Hongkong würden noch mehr verbotene Pornografie und Missbrauchsabbildungen hosten. (hkl)
