Schweiz
Klima

SVP-Nationalrätin postet Fake News zum Klimawandel – und wird kritisiert

Klimawandel
Die aktuelle Erderwärmung ist definitiv menschengemacht.bild: shutterstock

SVP-Nationalrätin postet Fake News zum Klimawandel – und bekommt umgehend die Quittung

SVP-Nationalrätin Yvette Estermann dachte sich nicht viel dabei, als sie einen Tweet postete, der die Erderwärmung infrage stellt. Ein Fehler, wie die Reaktionen zeigen.
14.12.2022, 06:0615.12.2022, 06:47

Müsste man den Beziehungsstatus der SVP und des Klimawandels auf Facebook angeben, es wäre wohl kompliziert. Immer wieder fallen Exponenten der wählerstärksten Partei der Schweiz mit Aussagen auf, die Klimawissenschaftler so wohl nicht unterschreiben würden.

Jüngstes Beispiel ist die SVP-Nationalrätin Yvette Estermann. Am 6. Dezember zitierte sie einen Tweet von Markus Krall. Ein Autor mit «rechten Umsturzfantasien», wie der Spiegel schreibt. In seinem Tweet enthalten: eine Grafik über die Temperaturveränderungen der letzten 9500 Jahre sowie der Satz «Klimawandel gibt es, nur ist er weder neu, noch ‹menschengemacht› #Schwachsinn». Estermann schreibt dazu: «Vielen Dank. Sehr gut dargestellt...!»

Knutti antwortet mit Faktencheck

Auf der Grafik ist zu erkennen, dass im Vergleich zu vor 9500 Jahren die Welt heute rund ein Grad kühler ist. Das Problem: Die Grafik endet im Jahr 1885. Ausserdem zeigt sie nicht die globalen Durchschnittstemperaturen, sondern Klimadaten eines Bohrkerns aus dem grönländischen Eisschild.

Seit bald 20 Jahren wird die Grafik von verschiedensten Akteuren als Beweis dafür missbraucht, dass es die menschengemachte Erderwärmung angeblich nicht gibt. Es gibt dutzende Faktenchecks zur Fehlinterpretation dieser Daten. Auch der wohl bekannteste Klimaforscher der Schweiz, Reto Knutti, antwortete Estermann mit einem Link zu einem Faktencheck der Uni Bern.

Auch von anderen Usern schlägt Estermann ein eisiger Wind entgegen. Ihr wird vorgeworfen, ihre Verantwortung als Politikerin nicht wahrzunehmen.

«Darüber kann ich lachen»

Auf Anfrage zeigt sich Estermann gelassen. «Ich habe nicht nachgeforscht. Ich habe den Tweet gesehen und mir gedacht: ‹das ist interessant›.» Die vielen negativen Reaktionen habe sie bis jetzt nicht gesehen. «Ich habe während der Session wirklich anderes zu tun.»

Sie nimmt es mit Humor: «Es ist schön, dass Leute den Fehler bemerkt haben, jetzt konnten sie sich wieder ein wenig aufregen und fühlen sich dann besser. Darüber kann ich lachen.»

Zum Klimawandel hat sie ein ambivalentes Verhältnis. «Ich nehme an, dass es den menschengemachten Klimawandel gibt. Aber geht man mal in den Gletschergarten in Luzern, so sieht man, dass es hier mal Haie, mal eine dicke Eisschicht gab.» Das beweise, dass es auch natürliche Veränderungen gebe. «Wahrscheinlich haben wir an den Veränderungen einen Teil beigetragen. Wie gross dieser aber ist, wissen wir nicht genau.»

Löschen will sie den Tweet nicht. Sie habe keine Zeit, sich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. «Das Leben geht weiter», sagt sie.

Die Erderwärmung auch.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
So sieht es aus, wenn gegen 100'000 fürs Klima demonstrieren
1 / 19
So sieht es aus, wenn gegen 100'000 fürs Klima demonstrieren
Gegen 100'000 Menschen strömten laut Organisatoren am Samstag nach Bern, um vor den Wahlen für mehr Klimaschutz zu demonstrieren.
quelle: jan hostettler / jan hostettler
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Das sind die 7 wichtigsten Punkte aus dem Klimabericht
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
«PEP suisse !!!»: Amaudruz' Erbe aus Monaco
Geleakte E-Mails zeigen, dass die Familie der SVP-Bundesratskandidatin den Nachlass ihres Vaters über Monaco abwickeln wollte.
Drei Ausrufezeichen setzte ein Jurist in Monaco hinter seine Notiz: Die Erbin sei eine politisch exponierte Person aus der Schweiz. Gemeint war Céline Amaudruz, Genfer Nationalrätin, SVP-Vizepräsidentin und Anwärterin auf die Nachfolge von Bundesrat Guy Parmelin.
Zur Story